Steinpapier – ein neuer nachhaltiger Werkstoff in der Buchindustrie?

Auch in der Buchproduktion ist Nachhaltigkeit ein großes Thema, dessen Bedeutung immer weiter steigt. Ständig werden neue und innovative Methoden und Techniken erfunden und erprobt, mit dem die Produktion effizienter und nachhaltiger gestaltet werden soll. Eine neue, künftig wohl immer wichtiger werdende Technologie ist dabei unter anderem das sogenannte Steinpapier, ein Mineralpapier, das das herkömmliche Papier aus Holz Form ersetzen könnte und dabei wasserdicht, reißfest, lebensmittelecht aber äußerst nachhaltig und ressourcensparend ist. Um diesem Thema weitere Aufmerksamkeit zu widmen und mehr über dieses erfolgversprechende Material herauszufinden, haben wir ein Interview mit Hunter Bliss geführt, Gründer der Firma pebble printing, das sich auf die Produktion mittels Steinpapier spezialisiert hat. Studiert hat Bliss Druck an der HDM in Stuttgart und lebt heute in Shenzhen, China.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen Papier aus Stein zu entwickeln?

Steinpapier wurde vor etwa 20 Jahren in Taiwan erfunden. Es wird jetzt industriell in Festlandchina und Japan als Reaktion auf die ressourcenintensive Produktion von traditionellem Papier entwickelt. Da der Papierverbrauch pro Person in China in naher Zukunft um das Fünffache steigen wir, glauben sie, dass dies ein Schlüsselmaterial für die Versorgung der Bevölkerung mit Papier sein wird. Wobei Wälder, Wasser, und die Atmosphäre nicht bedroht werden. Ich habe das Glück, nach meiner drucktechnischen Ausbildung in Stuttgart, Steinpapier entdeckt zu haben. Ich habe ein Unternehmen gegründet, um die Verbreitung von Steinpapier im Westen zu unterstützen.

 

Was sind die Ziele Ihres Unternehmens?

Wir möchten das Wissen und die Techniken von Steinpapier nach Europa und Nordamerika bringen. Wir hoffen, in den nächsten 5 Jahren der führende Hersteller von Steinpapier in der EU zu werden. Letztendlich möchten wir die meisten Bücher und Verpackungen der Welt durch Steinpapier ersetzen und so die Auswirkungen der Papier- und Druckindustrie auf die Umwelt minimieren.

 

Wie kann sich der*die Verbraucher*in die Herstellung von Steinpapier vorstellen?

Die Produktion von Steinpapier beginnt zunächst mit Kalziumkarbonat. Es wird entweder aus Abfallablagerungen gewonnen oder aus Kalkstein gewonnen. Große Steine ​​werden dann zu einem sehr feinen Pulver gemahlen, ähnlich wie bei der Herstellung von Mehl. Dieses Steinpulver wird dann mit einer kleinen Menge Polyethylen hoher Dichte infundiert, um die Partikel zusammenzuhalten. Das Verhältnis beträgt 80 % Kalziumkarbonat und 20 % HDPE. Die Mischung wird extrudiert und abgekühlt, wonach weiche, weiße Pellets zurückbleiben. Diese Pellets werden in einen Heizturm gelagert und geschmolzen. Dann werden die geschmolzenen Pellets wie eine große Blase ausgeblasen. Die Haut dieser Blase ist das Steinpapier. Durch Schwerkraft wird die Blase zu einem Zylinder und fällt auf ein Messer. Das Messer schneidet den Zylinder auf und die Haut wird aufgerollt. Das ist eine Rolle Steinpapier. Um sie bedruckbar zu machen, kann sie einer Koronabehandlung unterzogen werden, was bedeutet, dass Plasma über die Oberfläche geblasen wird, um die Oberflächenenergie zu erhöhen. Eine hohe Oberflächenenergie bedeutet, dass die Druckfarbe zum Trocknen flach auf der Oberfläche liegt. Das ist Steinpapier, wie wir es in Büchern verwenden.

Was macht Ihre Idee besonders im Gegensatz zu den anderen Alternativen zu Papier, wie beispielsweise Graspapier oder Apfelpapier etc.?

Steinpapier unterscheidet sich dramatisch von jedem Papier auf Faserbasis. Es besteht aus Steinpartikeln. Es hat ein völlig anderes Druckverhalten als diese Papiere, weil es wasserdicht ist. Es reißt außerdem nicht so leicht. Zudem gibt es keine Tonwertzunahme und es ist UV-abbaubar und erfordert keine Bleichmittel oder Zusatzstoffe, da es von Natur aus reinweiß ist.

Es ist auch nachhaltiger als diese Papiere. Die Steine, die in Steinpapier eingehen, sind 16 Millionen Mal reichlicher vorhanden als Bäume auf der Erde. Der Kunststoff, den wir für Steinpapier benötigen würden, um die gesamte Papierversorgung der Welt zu ersetzen, würde weniger als 0,5 % der weltweiten Ölproduktion ausmachen. Die einzigen zwei Inhaltsstoffe sind anorganisch und nicht lebenswichtig wie Luft und Wasser. Die Herstellung von Papier auf Faserbasis, zum Beispiel aus Gras, Äpfeln oder Bäumen, auch wenn es aus Abfall besteht, bedeutet die Verwendung wertvoller Ressourcen. Organische Ressourcen, die für die erwähnten und herkömmlichen Papiere verwendet werden, müssen erst wachsen und werden aus einer Reihe nicht erneuerbarer Ressourcen geerntet. Es bedeutet auch, Wasser in großen Mengen zu verschmutzen, Abfall zu produzieren und viel Energie zu verwenden, um die Fasern zu Papierbögen zu trocknen. Steinpapier ist recycelbarer als Papier, das normalerweise nach einmaligem Recycling als minderwertiges Zeitungs- oder Verpackungspapier verwendet wird. Schließlich setzt die Verbrennung von Steinpapier keine toxischen Emissionen frei und hinterlässt außerdem reinen Kalziumkarbonatstaub, der für Anwendungen in der Bau-, Kosmetik-, Pharma- oder fortgesetzten Papierherstellung verwendet werden kann. Zusätzlich Steinpapier kostet im Vergleich zu anderen Papieren nur ein Drittel in der Herstellung. Als Faustregel können Sie sich merken, dass eine Tonne Steinpapier 20 Bäume, 28.000 Liter Wasser und 900 kg CO2-Emissionen spart.

Wie man erkennt, ist Steinpapier ein höchst interessantes und innovatives Material, bei dem viele neue und für den Umweltschutz hilfreiche Entwicklungen absehbar sind. Es könnte sich also durchaus als nützlich erwiesen, die Augen und Ohren offen zu halten, wenn es um den Trend geht. Bei bestehendem Interesse findet Ihr aktuelle und nähere Informationen auf pebbleprinting.com.

Interview geführt von Toni Barth

Grafiken: Hunter Bliss

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