Liebes Tagebuch… – Der internationale Tag des Tagebuchs

„Das Schreiben in einem Tagebuch ist für jemanden wie mich eine sehr seltsame Erfahrung. Nicht nur, weil ich vorher nie etwas geschrieben hatte, sondern auch, weil es mir scheint, dass später weder ich noch irgendjemand an den Überlegungen eines 13-jährigen Mädchens interessiert sein wird. Aber hey, das macht nichts. Ich möchte schreiben.“ – Anne Frank

Am 12. Juni ist der offizielle Tag des Tagebuchs und gleichzeitig der Geburtstag der wahrscheinlich berühmtesten Tagebuchschreiberin, die es je gab: Anne Frank. Zu ihrem 13. Geburtstag lag das kleine Büchlein auf ihrem Tisch und wurde in diesem Moment zu ihrer Zuflucht in der wohl dunkelsten Zeit ihres Lebens. Heute ist es das bekannteste Tagebuch der Literaturgeschichte, in dem Anne Frank uns die Grausamkeit des Nationalsozialismus vor Augen führt. Doch auch Tagebücher von anderen Schriftstellern oder wichtigen Persönlichkeiten berühren uns immer wieder aufs Neue. Der Tag des Tagebuchs soll Menschen jeden Alters dazu ermutigen, wieder mehr und regelmäßiger ihre Gedanken niederzuschreiben.

Gründe, ein Tagebuch zu führen

Ein Großteil von uns kann sich wohl daran erinnern, wie wir zum ersten Mal in der Pubertät Tagebuch geschrieben haben. In diesem Alter fangen die meisten Menschen damit an. Doch im Laufe der Zeit beeinflussen soziale Medien und endlos viele Termine unser Leben. Auf einmal haben wir keine Zeit mehr, um ein Tagebuch zu führen. Das Schreiben und Gestalten kann sehr zeitintensiv sein, doch sie bieten einen geheimen Ort für unsere Gefühle und Gedanken. Es kann ihnen alles anvertraut werden, auch jene Dinge, die wir vor anderen Menschen nicht auszusprechen wagen. Alles, was uns tief im Inneren bewegt, wird niedergeschrieben. Das Führen eines Tagebuchs gilt als beliebter Therapieersatz und gute Möglichkeit, seine Erlebnisse festzuhalten. Jede Begegnung und jedes Ereignis wird für die Ewigkeit festgehalten.

Von analog zu digital

Das analoge Tagebuch wird mittlerweile von digitalen Blogs oder Vlogs abgelöst. Viele YouTuber oder Blogger nehmen ihre Community bei Umzügen, Reisen oder besonderen Momenten mit. Die Fans sind unmittelbar am Leben der jeweiligen Persönlichkeit beteiligt. Dabei ist alles öffentlich zugänglich und hat somit eine wichtige Eigenschaft des Tagebuchs verloren – das Private. Zwar sind Vlogs und Blogs hervorragend, um seine Community weiter auszubauen und an sich zu binden, doch werden versteckte Gefühle nicht offenbart. Meist wird nur das gezeigt, was gesehen werden soll oder will. Schlussendlich sind sie aber eine gute Chance, um das Tagebuch für unsere Generation zu modernisieren.

Berühmte Tagebücher

Wie bereits erwähnt, ist das wohl bekannteste Tagebuch das von Anne Frank. Nicht nur sie schrieb ihre Gedanken nieder und stieß damit in der Welt der Literatur auf Interesse. Auch berühmte Schriftsteller wie Thomas Mann, Astrid Lindgren oder Franz Kafka waren eifrige Tagebuchschreiber. Natürlich gibt es auch über die Literatur hinaus in quasi jedem Bereich Schriften, die von der Zeit oder den Lebensumständen berühmter Menschen berichten. Musiker wie Kurt Cobain, Politiker wie Erich Honecker oder Schauspieler wie Richard Burton verewigten sich mit ihren Tagebüchern. Insgesamt gibt es eine Vielzahl von lesenswerten Tagebüchern, sodass die Auswahl schwerfällt. Dabei haben sie alle eine Sache gemeinsam: sie lassen uns die Welt aus den Augen derer sehen, die wir bewundern.

Kurze Atempause – Ein Experiment

Überlegt euch doch vor dem Einschlafen mal je drei Punkte, die euch heute glücklich gemacht haben und über welche ihr euch geärgert habt. Hier sind keine Lottogewinne oder Kündigungen gemeint. Es sind die kleinen Dinge im Leben, die in der Hektik des Alltags oft viel zu wenig oder gar keine Wertschätzung mehr erfahren. Ein netter Plausch mit den Nachbarn, die erste reife Erdbeere im Garten oder auch eine abgebrochene Bleistiftspitze… und dann auch noch den Anspitzer verloren. Diese kleine Übung ist nicht nur eine bessere Alternative zum letzten Blick auf Smartphone, Tablet und Co., sondern entspannt und lässt uns den Alltag achtsamer wahrnehmen. Wir wünschen gute Nacht!

 

Autorinnen: Delia Stiehler, Laura Haase

Lektorat: Clara Rothe, Laura Haase

Bildgestaltung: Nico Winkler

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