main_banner

Posts Tagged ‘Christopher Schroer’

„Es gibt viel, was man von Amazon lernen kann“ – Teil 2 unseres Interviews mit Verleger Christopher Schroer

März 14th, 2014 | Meinung & Kritik, Neue Publisher, Veränderungen der Arbeitswelt | 0 Comments

Christopher Schroer, Verleger aus Lindlar, kündigte Anfang vergangenen Jahres seine Zusammenarbeit mit Amazon, was für eine große mediale Resonanz sorgte. Am 07.03.14 haben wir den ersten Teil unseres Interviews mit Christopher Schroer veröffentlicht, in dem es um seine Erfahrungen mit dem Online-Großhändler ging. Nun folgt Teil 2 des spannenden Interviews mit Fragen zu alternativen Vertriebswegen und Zukunftsaussichten für den Buchmarkt.

Christopher Schroer
Der stationäre Buchhandel hat inzwischen jedes Jahr einen Rückgang in den Verkaufszahlen zu verzeichnen, während sich der Online-Buchhandel, vor allem beim Marktführer Amazon, immer größerer Beliebtheit erfreut. Wie schätzen Sie die Zukunft zum einen für den stationären und zum anderen für den Online-Buchhandel ein?
„Märkte verändern sich, das war ja schon immer so. Und der stationäre Buchhandel wird sich den veränderten Bedürfnissen anpassen, wie auch unser Verlag sich dem anpassen wird. Gänzlich verschwinden wird der Buchhändler vor Ort nicht. Meine Kritik an Amazon heißt nicht, dass ich nicht von dem Unternehmen lernen kann. Und das würde ich auch jedem Buchhändler mit auf dem Weg geben. Es gibt viel, was man von Amazon lernen kann, wenn nicht sogar mit einfachen Mitteln besser machen kann.“

Welche alternativen Vertriebswege im Internet gibt es für Verlage neben Amazon?
„Es gibt keine – aus Sicht des Kunden – vernünftige Alternative im Buchhandel, es tut mir leid. Und ich habe auch nicht den Eindruck, dass eine Veränderung des Status Quo wirklich gewollt ist. Ich las vor etwa einem Jahr, man wolle ein alternatives Angebot zu Amazon schaffen — 14 Jahre nachdem man Amazon das Feld überlassen hat. Sorry, aber ein Mitdenken- und Verändern- und Mitgestalten-wollen sieht anders aus.“

Wie können Kunden zu fairen Verhältnissen auf dem deutschen Buchmarkt beitragen?
„Kunden tragen zu fairen Verhältnissen auf dem deutschen Buchmarkt bei, denn es gibt ja die Buchpreisbindung. Egal, ob online oder offline gekauft wird.

Die Frage, ob das dem Einzelhandel vor Ort gut tut, ist eine komplexe: Wenn der Elektrofachhändler, Buchhändler, Optiker keinen »Mehrwert« bietet (und der fängt schon bei einer freundlichen Begrüßung und einer kompetenten Beratung an!), warum sollte sich der Kunde das antun? Wenn aber Kunden sich beraten lassen und dann im Internet das vermeintliche Schnäppchen kaufen, ist es wiederum kein Wunder, wenn der Kunde nicht als König hofiert wird.

Zurück aber zum Buchhandel: Verlage und Buchhändler — insbesondere Independent-Verlage und kleinere, inhabergeführte Buchhandlungen — sitzen in einem Boot. Und man sollte wieder mehr miteinander über die Bedürfnisse reden und gemeinsam Lösungen finden. Das wäre ein Baustein zu einem »faireren« Buchhandel. Diese Pflicht kann aber nicht dem Kunden übertragen werden!“

„Der Frust über die Zusammenarbeit staute sich schon länger auf“ – Interview mit Christopher Schroer, Teil 1

März 7th, 2014 | Meinung & Kritik, Neue Publisher, Veränderungen der Arbeitswelt | 0 Comments

Amazon ist bekannt für einegroße Auswahl und schnelle Lieferung, die Zufriedenheit des Kunden hat oberste Priorität. Doch genau deshalb gerät der Online-Großhändler immer wieder in die Kritik, denn hinter den Kulissen wird viel in Kauf genommen, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Anfang 2013 wurde über die Amazon-Leiharbeiteraffäre berichtet. Für Christopher Schroer, Verleger im nordrhein-westfälischen Lindlar, nur einer von vielen Gründen, die Zusammenarbeit mit Amazon in einem offenen Brief an Jeff Bezos zu beenden (nachzulesen im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels vom 15.02.13, „Wir ziehen Konsequenzen“). Darum habe ich Christopher Schroer einige Fragen gestellt. Im heutigen ersten Teil des Interviews geht es um seine Zusammenarbeit mit Amazon:

Christopher Schroer

Was war für Sie das entscheidende Argument für die Kündigung Ihrer Zusammenarbeit mit Amazon?
„Es gibt kein entscheidendes Argument. Der Frust über die Zusammenarbeit staute sich schon länger auf. Da wären z.B. die dauerhaft beschädigten Remittenden zu nennen, oder Remissionen an einem Tag, Nachbestellung des remittierten Artikels am nächsten Tag, der hohe Rabatt von 50%+5% (Anm. d. Red.: 50% Rabatt, 5% Lagerkosten sogar  für Durchlaufposten), die Steuervermeidung in Deutschland usf.. Die Berichterstattung über die Arbeitsbedingungen hat mich lediglich meinen Entschluss, die Zusammenarbeit mit Amazon aufzukündigen, vorziehen lassen.“

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich für Sie, wenn Sie keine Ware mehr über Amazon vertreiben?
„Grundsätzlich muss ich klarstellen: Unsere Titel sind immernoch über Amazon erhältlich. Das liegt daran, dass Amazon diese, statt beim Verlag, nun über den Zwischenbuchhandel (Libri, KNV, Umbreit) bezieht. Vor einem Jahr hatte ich bei der Aufkündigung nicht gedacht, dass Amazon dies tun würde und zumindest angenommen, ich könnte die Auslieferung über den Zwischenbuchhandel ebenfalls stoppen. Jedoch ist das aus kartell- und wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht möglich: Ich kann also dem Zwischenbuchhandel nicht »verbieten« an Amazon zu verkaufen. Dass Amazon meine Titel dennoch für »würdig« für seinen Katalog erachtet, erstaunt mich. Aber so ist es.

Nachteile als solches kann ich nicht benennen. Aber dieser Schritt zeigt einen Schwachpunkt im System »Amazon« auf: Während ich als Zulieferer früher direkt bewertet wurde, u.a. über die Lieferzeit, hat nun Amazon selbst Probleme, Titel zügig zu beschaffen. Es kann also sein, dass ein Titel über amazon.de eine Lieferzeit von 14 Tagen (!) hat, jedoch im stationären Buchhandel ausliegt. Ein Paradoxon!
Dieser Lieferzeit-Nachteil ist ein Vorteil für den Buchhändler. Und es ist auch ein Vorteil, dass Amazon vermutlich nun handelsübliche Rabatte eingeräumt bekommt, und nicht die diktierten 50%+5%.“

Der zweite Teil des Interviews folgt am 14.03.14. Darin habe ich Christopher Schroer zu alternativen Vertriebswegen und Zukunftsaussichten für die Buchbranche befragt – und spannende Antworten bekommen.

  • Archiv

  • Verlage der Zukunft teilen


    Instagram
  • Kooperationspartner

    Buchakademie

    Buchmesse

    FuturePublish

    Leipziger Buchmesse

    MediaText Jena

    Bücherfrauen

    ECPMF

  • Messeführungen auf der Leipziger Buchmesse 2017

    Auch auf der Leipziger Buchmesse 2017 veranstalten wir wieder unsere Messeführungen! Neben der traditionellen Führung der Bücherfrauen gibt es diesmal einen Rundgang zum Thema Fantasy-Verlage. Die genauen Infos und das Anmeldeformular findet ihr ab sofort >>hier<<.
  • Beliebte Themen

UA-46076145-1