Politik, Geschichte, Soziologie, … – Der Leipziger Universitätsverlag

Während unserer Prüfungsphase benutzen wir vor allen Dingen eines – Fachbücher. Sie helfen uns, den Stoff aus den Vorlesungen zu verinnerlichen und gewiss noch einmal zu verdeutlichen, weshalb sie ein fester Bestandteil unseres Lebens sind. Doch nicht nur im Studium greifen wir auf dieses Hilfsmittel zurück, sondern auch im Beruf und in Weiterbildungen.

Der Leipziger Universitätsverlag bietet seit 1992 ein attraktives Angebot mit einem breiten Spektrum an Titeln an. Aktuell zählen knapp 1000 Stück zum Portfolio. Das Programm ist weit gefächert und der Verlag wächst kontinuierlich. Wir haben ein Interview mit dem Mitarbeiter Herrn Fischer geführt, und dabei einen Blick in den Verlag werfen können.

Ihr Verlagsprogramm ist breit gefächert, von Philosophie bis Rechtswissenschaft. Denken Sie, dass die Bücher für Studenten geeignet sind oder doch eher das Fachpersonal ansprechen sollen?

Als Wissenschaftsverlag publizieren wir zum allergrößten Teil Fachbücher. Ob diese für Studenten geeignet sind, hängt vor allem vom einzelnen Studenten und dessen Fachrichtung ab. Aber als angehende Fachleute sind diese unbedingt geeignet für unsere Bücher. Für unsere eher sachbuchorientierten Titel – vor allem biographische Werke – stellt sich die Frage meiner Meinung nach erst gar nicht. Daneben haben wir einige wenige Lehrbücher für Studenten im Programm.

Wie viele Neuerscheinungen veröffentlichen Sie ungefähr im Jahr?

Grob geschätzt zwischen 50-80 Titel im Jahr.

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, in einem Fachbuchverlag zu arbeiten?

Mein grundsätzliches Interesse für wissensorientierte Bücher und im Speziellen mein Studium der Geschichtswissenschaft an der Uni Leipzig. Da ich kein Interesse an einer akademischen Laufbahn hatte, habe ich auf der Suche nach beruflichen Perspektiven unter anderem ein Praktikum beim Leipziger Universitätsbuchverlag gemacht, welches mir sehr gefallen hat. Als ich wenig später vom Verlag gefragt wurde, ob ich ein Volontariat bei ihnen machen möchte, habe ich das Angebot dankend angenommen und bin heute ein fester Mitarbeiter. Ich fühle mich sehr wohl mit dieser Arbeit – sie ist abwechslungsreich und der Verlag lässt einem sehr viel Raum zum Wachsen.

Welches Buch erscheint als nächstes in Ihrem Verlag?

Es sind mehrere Kandidaten im Rennen. Momentan sieht es aber stark nach dem Titel „Quaasdorf, Friedrich: Kursachsen und das Ende des Alten Reiches. Die Politik Dresdens auf dem Immerwährenden Reichstag zu Regensburg 1802 bis 1806. Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde Bd. 63, Leipzig 2020“ aus.

Sind Sie der Meinung, dass Sachbücher außerhalb der Buchbranche unterschätzt werden?

Eine schwierige Frage. Ich würde nicht unterschätzt sagen, aber vielleicht zu wenig sichtbar im Vergleich zu anderen Warengruppen wie Belletristik oder Kinderbuch. Sachbücher unterliegen meiner persönlichen Meinung nach zu oft dem Zwang, besonders aktuell sein zu müssen. Dafür eignen sich andere Medienformate heute aber besser als das Buch. Unterschätzt werden Sachbücher aber nicht.

Sie haben in Ihrem Verlagsprogramm ein eigenes Genre namens „Leipzig im Universitätsverlag“. Wie wichtig ist es Ihnen, innerhalb des Verlages lokal zu denken und Leipzig zu fördern? Wie ist das generell vertretbar?

Die Gründungsidee hinter dem Leipziger Universitätsverlag war es, auch nach der Wende einen in Leipzig ansässigen Verlag zu haben, welcher den lokalen Hochschulen ermöglichen sollte, ihre Forschungsergebnisse zu publizieren. Ein Blick auf unser Programm macht diese Ausrichtung auch heute noch deutlich. Grundsätzlich ist der Leipziger Universitätsverlag ein klassischer Wissenschaftsverlag, welcher allen akademischen Themen offen steht – mit oder ohne Leipzig-Bezug. Die Ausrichtung des Verlages erklärt sich aber auch aus der grundsätzlichen Umstrukturierung der gesamten Buchbranche der ehemaligen DDR nach dem Mauerfall. Mit Ausnahme Berlins befinden sich im Ergebnis fast nur noch kleine Verlage in den neuen Bundesländern. Diese müssen sich – salopp gesagt – den großen Marktführern aus dem Westen des Landes unterordnen bzw. anpassen und haben schon aufgrund dieser Strukturen mit Einschränkungen zu leben. Damit ist die lokale Verankerung unseres Verlages zum einen gewollt, aber – wie ich versucht habe zu beschreiben – genauso den strukturellen Bedingungen der Branche geschuldet.

Sie haben auf Ihrer Website vermerkt, dass Sie großes Interesse an Praktikanten haben. Was sind die Aufgaben, die bei Ihnen zu erfüllen sind?

Unsere Praktikanten helfen uns vor allem im Lektorat. Wir sind ein kleiner Verlag mit wenigen Mitarbeitern und freuen uns über jede helfende Hand. Das Arbeiten mit akademischen Texten verlangt natürlich eine gewisse Kompetenz, weswegen wir gerne auf motivierte Studenten setzen. Daneben helfen unsere Praktikanten mir auch bei meiner Arbeit – beispielsweise im Bereich Rezensionen. Für Fragen und Wünsche seitens unserer Praktikanten sind wir immer offen und kommen diesen gerne entgegen. In der Zeit, in der sie bei uns sind, werden sie als Teil des Verlagsteams gesehen und auch als ein solches behandelt und geschätzt.

Welche Preise und Auszeichnungen haben Ihre Produkte bisher bekommen?

Preise und Auszeichnungen haben wir bisher noch keine erhalten, wobei wir uns auch sehr selten für solche Dinge bewerben. Wir sind aber recht stolz darauf, sowohl die Ausschreibung für die fünfbändige Universitätsgeschichte der Uni Leipzig vor elf Jahren, als auch die für die offizielle vierbändige Stadtgeschichte der Stadt Leipzig, welche erst letztes Jahr abgeschlossen wurde, gewonnen zu haben. Beides waren sehr ambitionierte und umfangreiche Projekte, die unserem Programm zum Thema Leipzig ein großes Gewicht verleihen. Zu den stadtgeschichtlichen Bänden gehören außerdem zahlreiche Begleitbände, die mittlerweile auf 19 Bände angewachsen sind und in naher Zukunft noch weiter wachsen werden.

Welchen Stellenwert haben die sozialen Medien für Sie?

Ich versuche seit einiger Zeit die sozialen Medien in unser Marketing mit einzubeziehen. Wir haben eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account. So richtig angestoßen wurde das ganze durch das Forschungsprojekt FiDiPub (Fit for Digital Publishing), welches in den vergangenen drei Jahren mehrere sehr starke Seminare zu allen möglichen Themen rund um Online-Marketing organisiert und veranstaltet hat. Diese habe ich regelmäßig besucht – einen lieben Gruß an das gesamte Team an dieser Stelle. Corona hat meine diesbezüglichen Bemühungen zwar ein wenig verlangsamt, aber ich arbeite weiter daran, unsere Social-Media-Kanäle mit Inhalten zu füllen und so die Reichweite unseres Verlages zu erhöhen. Soziale Medien bieten für kleine Verlage wie uns, die nur über ein sehr beschränktes Marketingbudget verfügen, eine sehr lohnenswerte Plattform, um Sichtbarkeit für unsere Bücher zu erzeugen. Auch wenn die Arbeit, die damit verbunden ist, nicht unterschätzt werden sollte, spielen die sozialen Medien schon jetzt eine nicht unwichtige Rolle für uns, die in Zukunft noch zunehmen wird.

Autorin: Chantalle Schumann

Lektorat: Laura Haase, Emilia Scheiba

Bildquelle: Leipziger Universitätsverlag

Bildgestaltung: Nico Winkler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.