Welttag der Gebärdensprache

Sign Languages Are for Everyone!

Der Welttag der Gebärdensprache (engl. International Day of Sign Languages) ist ein internationaler Aktionstag, der jährlich am 23. September stattfindet. Er wurde 1951 von der World Federation of the Deaf (WFD – Weltverband der Gehörlosen) ins Leben gerufen und wird seit den 1970er Jahren auch in Deutschland zelebriert.

Weltverband der Gehörlosen

Der internationale Gehörlosenverband wurde 1951 in Rom gegründet. Er hat sich vorgenommen, die ca. 72 Millionen Gehörlosen weltweit zu vertreten und sich für deren Rechte einzusetzen. Spezifisch setzt sich der Verband für eine Verbesserung des Status der nationalen Gebärdensprachen, bessere Bildung für Gehörlose, einen verbesserten Zugang zu Informationen und Leistungen, erhöhte Rechte von Gehörlosen in Entwicklungsländern und die Gründung von Gehörlosenorganisationen in Gebieten, wo diese nicht existieren, ein.

Seit der Gründung findet alle vier Jahre ein Weltkongress statt, der seit 1967 unter einem jährlich wechselnden Motto steht. In diesem Jahr lautet es “Sign Languages Are for Everyone!”

Vielfalt der Gebärdensprache

Doch wie funktioniert Gebärdensprache? Wie bei gesprochenen Sprachen gibt es bei weitem nicht nur eine Gebärdensprache. Zusammen verwenden die ca. 72 Millionen Gehörlosen weltweit mehr als 300 verschiedene Gebärdensprachen. Allein in der Schweiz können zwölf Dialekte unterschieden werden. Gebärdensprachen sind visuell wahrnehmbare natürliche Sprachen, die von schwerhörenden bis gehörlosen Menschen zur Kommunikation genutzt werden. Sie sind vollwertige Sprachen und genauso komplex wie gesprochene Sprachen.

Die Deutsche Gehörlosenzeitung

Der Deutsche Gehörlosen-Bund schätzt, dass ca. 83.000 Menschen in Deutschland gehörlos sind. In der Deutschen Gehörlosenzeitung (https://gehoerlosenzeitung.de) schreiben seit 1872 Gehörlose für Gehörlose. Sie sieht sich als Spiegel der Gebärdensprachgemeinschaft und orientiert sich an den Interessen ihrer Leser. Die Zeitung berichtet über Veranstaltungen in den Bereichen Kultur, Politik, Gesellschaft und Sport, bei denen Gebärdensprache verwendet bzw. Gebärdensprachdolmetscher hinzugezogen werden. So werden Bildung und die Teilnahme am sozialen Leben für Gehörlose ermöglicht. Darüber hinaus informiert sie ihre Leser über relevante Neuigkeiten aus aller Welt.

Gehörlose Berühmtheiten

Eine bekannte gehörlose Persönlichkeit der Geschichte ist Helen Keller, eine taubblinde US-amerikanische Schriftstellerin. Die 1880 geborene Keller verfasste und publizierte insgesamt zwölf Bücher. Im Alter von 22 Jahren veröffentlichte sie ihre Autobiographie „The Story of My Life“ (1903).

Einigen wird der Name Nyle DiMarco vielleicht etwas sagen. Er ist ein amerikanischer gehörloser Schauspieler, Model und Aktivist, bekannt geworden durch die 22. Staffel von America’s Next Top Model, welche er 2015 gewann. Seine Muttersprache ist die American Sign Language (ASL).

Gehörlosigkeit in den Sozialen Medien

Werfen wir aber einen Blick auf Europa. Die gehörlose YouTuberin Jessica Kellgren-Fozard kann 774.000 Abonnenten vorweisen. Ihr Content umfasst Vintage Lifestyle und Fashion (sie ist immer fabelhaft gestylt), aber auch Leben mit Behinderung, chronischen Krankheiten und LGBTQ+Themen. Sie produziert interessanten, unterhaltsamen und lehrreichen Content, der durch ihren britischen Humor besticht. Ihre charmante Art ist auf jeden Fall einen Besuch auf ihrer YouTube-Seite wert. Sie verwendet teilweise British Sign Language, hauptsächlich jedoch Sign Supported English. SSE ist eine Form des Manually coded English, ein Typ Gebärdensprache, der dem gesprochenem Englisch folgt. Diese Form wird auch oft in Kombination mit anderen visuellen Mitteln, beispielsweise Körpersprache und Mimik, verwendet. Hierbei sind vor allem Kontext und die Fähigkeit von den Lippen zu lesen wichtig.

In Deutschland gibt es die YouTuberin Cindy Klink, die Lieder in Gebärdensprache performt, um Musik jedermann zugänglich zu machen. Sie produziert YouTube- und TikTok-Videos in Gebärdensprache, Tutorials für Gebärdensprache und 2018 veröffentlichte sie ihr Buch „Hören wird überbewertet“, welches im Hirnkost Verlag erschien. Mit der Deutschen Gebärdensprache (DGS), die in Deutschland, Belgien und Luxemburg Anwendung findet, kommuniziert Cindy mit ihrer Umwelt. Die DGS wird häufig von Lippenbewegungen begleitet, die dem lautsprachlichen Begriff entsprechen, jedoch kein zwingender Bestandteil sind.

Kommunikation und Integration

Ziel des Welttages der Gebärdensprache ist es, Menschen so früh wie möglich Gebärdensprachen zugänglich und Dienste mit Gebärdensprachen verfügbar zu machen. Besonders der Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung sollte für Gehörlose und Hörbehinderte mit Gebärdensprache gesichert und ausgebaut werden. Gebärdensprachen sollen als Teil der linguistischen und kulturellen Diversität anerkannt und erhalten werden. Sie vereinfachen die Zusammenarbeit mit gehörlosen Gemeinschaften und ermöglichen den Austausch unter- und miteinander. Genau diese Kommunikation fördert das Verstehen und ein Miteinander von Hörenden und Gehörlosen in einer Gesellschaft, die nicht für Gehörlose gemacht ist. Aber sie sind genauso, wie du und ich, ein Teil davon.

Autorin: Dorothea Kammler

Lektorat: Clara Rothe, Laura Haase

Bildgestaltung: Nico Winkler

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