Wir wollen aufhören, über das Reden zu reden -Rebekka Kirsch zum Nachwuchsparlament

Das ist eine Aussage, die beim Nachwuchsparlament der Buchtage Berlin 2011 nicht nur die Runde gemacht hat, sondern für Taten und zusätzliche Diskussionen gesorgt hat.

Podiumsdiskussion beim Nachwuchsparlament
Podiumsdiskussion beim Nachwuchsparlament

Bei den diesjährigen Buchtagen trafen sich nicht nur gestandene Verlagsleute sondern auch engagierter und interessierter Nachwuchs aus der Branche.  Es gab ein ordentliches Programm, das von der Wahl des Nachwuchssprechers über die Exkursionen bis hin zu den Workshops reichte. Den Anfang machte jedoch eine Diskussionsrunde, in der Karin Schmidt-Friderichs, Katharina Scholz, Elisabeth Windfelder, Stefan Könemann und René Kohl über das allgegenwärtige Thema „Nachwuchs“ sprachen. Aber auch nach der Wahl des neuen Nachwuchssprechers Tony Stubenrauch und der Verabschiedung von Katharina Scholz gab es noch Gesprächsstoff.

Wir sind EINE Branche – Miteinander reden, gemeinsam handeln“ war das Motto.

Es stellte sich heraus, dass für das Nachwuchsparlament nicht genug geworben wurde, dass nur wenige Betriebe und Universitäten davon wussten. Das führte zum einem dazu, dass viele gar nicht die Chance ergreifen konnten, sich aktiv an der Gestaltung der Zukunft zu beteiligen. Andrerseits aber haben auch einige die Möglichkeit nicht erhalten, da sie vom Arbeitgeber her nicht frei bekamen oder es zu kurzfristig war. Daraufhin warf Jana Steinmetz die Frage in den Raum, was denn der Mehrwert von dieser Veranstaltung sei. Wie solle jemand seinem Azubi oder Angestellten freigeben wollen, wenn er erstens nicht von der Veranstaltung weiß und zweitens sich der Wichtigkeit und dem Output des Nachwuchsparlament nicht bewusst ist.

Wir treffen uns und reden über das Reden. Aber es sind doch dann schlussendlich die Taten, die alles ändern. Das ist doch das, was wir erreichen wollen. Hören wir doch auf über das Reden zu reden!“ so Jana Steinmetz.

Dieser Meinung waren alle anderen auch, sodass noch fleißig weiterdiskutiert wurde und für Freitag eine Zusatzdiskussion einberufen wurde. Dort wurde dann nach den Workshops das Thema „Lass uns handeln“ besprochen. Nach einigem Hin und Her und viel Überzeugunsarbeit, dass man sich tatsächlich trauen müsse, entschied man sich für folgende Weiterentwicklung: Ein Organisationsteam übernimmt die Themen PR und Betreuung, sodass der Informationsfluss noch erhöht und schlussendlich wirklich jeder vom Nachwuchsparlament gehört haben wird. Dabei wird auch auf die Unterteilung in Buchhandlung, Universität und Sortiment eingegangen. Desweiteren wurden Arbeitsgemeinschaften gegründet, kurz AGs, die sich mit folgenden Themen auseinander setzen:

Social Media, eBook, Konzentrationsbewegungen in der Verlagswelt und Generationsmanagement.

Es scheint, als hätte der Nachwuchs verstanden, was seine Aufgabe ist. Und nicht nur das, sie trauen sich auch die Zügel in die Hand zu nehmen und auf Worte Taten folgen zu lassen. Denn genau das ist es, was die Möglichkeit des Nachwuchses ist, um deren eigene Zukunft zu verbessern und den Weg für die Nachkömmlinge zu ebnen: Eigeninitiative zeigen.

Durch die Vernetzungsmöglichkeiten des Nachwuchsparlament, in dem die jungen Leute die Gelegenheit haben, andere Kollegen kennen zu lernen und sich auszutauschen, ist bereits ein großer Schritt getan. Mit der Gründung der AGs und durch das verstärkte Präsentsein des Nachwuchses ist schon jetzt klar, dass es dabei nicht bleiben wird.

Je mehr Menschen, desto länger dauert es. Auch das hat sich hier bewiesen. So sind andere Studierende und Azubis schon länger aktiv dabei. Die Jungen Verlagsmenschen zum Beispiel bieten jedem die Chance sich weiterzubilden, zu informieren und sich mit anderen, ebenfalls begeisterten Verlagsmenschen auszutauschen. Ebenso wie Institutionen an Universitäten, beispielsweise die Marginalglosse der Friedrich-Alexander Universität, die jedoch eingestellt wurde.

Alte Hasen“ und „junge Hüpfer“ sollten miteinander reden – den ersten Schritt müssen wir machen.

Ich war von der ganzen Entwicklung natürlich sehr begeistert, konnte mir selbst dabei auch stolz auf die Schulter klopfen. Mit der Gründung von „LooksIntoBooks“ habe ich schon vor einigen Monaten entschieden, mein Engagement auf den Tisch zu legen und meine Zukunft mitzugestalten. Und Überraschung: Die Verlage sind begeistert, als hätten sie darauf gewartet.

Deswegen bin ich auch stellvertretende Leiterin der Social Media AG. Ich möchte mich einfach noch mehr beteiligen und treffe dadurch unglaublich viele verschiedene Menschen. Außerdem lerne ich dabei soviel, wie ich durch trockene Theorie alleine nicht schaffen könnte. Natürlich wird sich die Frage auftun, was wir denn genau mit unseren AGs erreichen wollen und welche konkrete Thematik wir anschneiden möchten. Das wird jede AG für sich selbst ausmachen, da diese unabhängig voneinander arbeiten und ihre Themen mit ganz unterscheidlichen Voraussetzungen und Schwerpunkten behandeln. Man kann auf der Frankfurter Buchmesse aber schon mit den ersten Ergebnissen rechnen, die vielleicht dann auch die „alten Hasen“ dazu bewegen, sich mit dem Nachwuchs direkter auseinander zu setzen.

Denn entweder wusste man nichts vom Nachwuchsparlament oder man hatte nur eine vage Vorstellung, was da so passieren sollte. Und genau da liegt der Fehler: Der Nachwuchs kann nicht isoliert von der bestehenden Verlagswelt „aufwachsen“, da dieser sonst nicht den Bedürfnissen entsprechend ausgebildet ist. Wir reden mit den „alten Hasen“ und hören ihnen zu – und die reden mit uns „jungen Hüpfern“ und wir hören ihnen zu. Aber da muss sich der Nachwuchs erst einmal trauen, den ersten Kontakt herzustellen – worauf viele regelrecht warten. Daher mein Tipp: Begeistert euch für das was ihr macht, werdet aktiv, stellt auf die Beine, was ihr wollt und zeigt wer ihr seid und was ihr könnt. Wie soll denn sonst jemand von uns, dem genialen Nachwuchs erfahren?

 

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