Weihnachten allein zu Haus

In den letzten Jahren haben laut einer Umfrage etwa drei Prozent der Deutschen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren Weihnachten allein verbracht. Viele Menschen können wegen ihrer Arbeit gar nicht selbst entscheiden, ob sie nach Hause fahren oder nicht. Und nicht bei allen Familien herrscht tatsächlich die heimelige Stimmung und Ruhe, die einem auf den Werbeplakaten, in Weihnachtsliedern oder Filmen versprochen wird. Nur selten funktioniert es, dass in diesen Tagen im Dezember wirklich alle Streitigkeiten begraben werden, man sich verzeiht und die Zeit miteinander vollkommen genießen kann. Wer sich den teilweise erdrückenden Glückseligkeits-Erwartungen in dieser „schönsten Zeit des Jahres“ nicht aussetzen möchte, hat vielleicht schon in der Vergangenheit beschlossen, Weihnachten anders zu feiern: allein, mit Freund:innen tanzend oder mit Fremden in einer Bar.

Letztere Optionen fallen in der Umsetzung dieses Jahr wegen Corona wohl eher schwierig aus. Aber wahrscheinlich werden sich deutlich mehr Menschen dazu entscheiden, aus Vernunft auf das Weihnachtsfest mit den Liebsten zu Hause zu verzichten und stattdessen den Weihnachtsbaum über Facetime zu bewundern.

Die Feiertage allein zu verbringen, sei es aufgrund schwieriger Familienverhältnisse, der Arbeit oder jetzt Corona, muss nicht so schlimm sein, wie es klingt. Diese freie Zeit lässt sich auch anders verbringen als mit Hin- und Herfahren, Besuchs-Marathons, schiefgehenden politischen Diskussionen beim Familienessen oder dem Beantworten der Frage nach dem aktuellen Karriere- oder Beziehungsstatus.

Man kann zum Beispiel endlich mal Rezepte aus Kochbüchern ausprobieren, die seit Ewigkeiten im Schrank stehen. Oder etwas neues Lernen aus Ratgeberbüchern, für das man sich sonst keine Zeit nehmen konnte. Falls man bis jetzt noch nicht genug im Home-Office mit allerlei Um- und Aufräumaktionen prokrastiniert hat, könnte man das Bücherregal ausmisten und die aussortierten Exemplare an soziale Einrichtungen verschenken. Und wenn man einmal am Ausmisten ist, kann man auch gleich noch an anderen Stellen in der Wohnung Platz für neue Bücher schaffen. Oder die Nachbar:innen social distancing konform kennenlernen, indem man sich gegenseitig Bücher verleiht, die man selbst für lesenswert hält.

Diese Zeit kann mit oder ohne Bücher so gestaltet werden, dass man sich später gerne daran erinnert, auch ohne dabei an Corona zu denken. Spätestens dann, wenn man auf einer überfüllten Autobahn im Stau steht, um sowieso schon verspätet zum nächsten Weihnachtsessen zu fahren.

Corona muss nicht das Ende von Weihnachten bedeuten, aber Weihnachten ist definitiv nicht das Ende von Corona. Wo auch immer Ihr Weihnachten dieses Jahr verbringt, schützt Euch und andere und achtet auf die geltenden Regeln, damit wir nächstes Jahr wieder selbst entscheiden können, ob wir die Feiertage im großen Kreis oder allein auf dem Sofa verbringen möchten.

 

Falls Ihr Hilfe braucht, mit jemandem reden möchtet oder trotz allem nicht ganz allein bleiben wollt, findet Ihr hier und hier Unterstützung und Kontakte zu anderen in ähnlichen Situationen.

 

Autorin: Clara Romstedt
Grafik erstellt mit canva.com

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