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Es hätte so gut sein können – Der Dialog zum Urheberrecht geht weiter

Von links: Moritz Rinke, Peter Kraus vom Cleff, Matthias Spielkamp, Sascha Lobo

Auf den Buchtagen Berlin Mitte Juni hatte der Börsenverein des deutschen Buchhandels angekündigt, zur Frankfurter Buchmesse ein Konzept vorzustellen. Ein Konzept mit ersten Antworten für die viel diskutierte Frage: „Wie muss das Urheberrecht geändert werden, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten?“

Dementsprechend gespannt war das Publikum auf der Veranstaltung des Börsenvereins in Kooperation mit dem iRights.lab am Messe-Donnerstag. Titel: „Verlag, Leser, Autor: wer hat wovor Angst – und warum?“ Auf der Sparks Stage in Halle 4 hatte sich ein hochkarätiges Podium eingefunden: Autor, Blogger, Kolumnist und Strategieberater Sascha Lobo, der schon auf den Buchtagen in Berlin gesprochen hatte und auf der Messe mit Co-Autorin Kathrin Passig sein neues Buch „Internet. Segen oder Fluch“ (erschienen im Rowohlt Verlag) vorstellte. Peter Kraus vom Cleff, kaufmännischer Geschäftsführer von Rowohlt, der ebenfalls bereits auf den Buchtagen mitdiskutiert und Verlage der Zukunft ein Interview zum Thema gegeben hatte. Matthias Spielkamp, freier Journalist von iRights.lab  und Moritz Rinke, Dramatiker und Romanautor.

Dass zu Beginn der Veranstaltung Laserpointer ausgeteilt wurden, irritierte die zahlreich erschienenen Zuschauer ein wenig, wurde aber rasch aufgeklärt: die Diskussion sollte nach dem Korsakow-Prinzip stattfinden. Das Publikum wählte dabei durch mehrheitliches Laserpointen eine der an die Pinnwände gehefteten Fragen aus. Diese waren zuvor bei einer Internetumfrage zusammengetragen worden: „Wie arbeiten Schriftsteller?“, „Ist Piraterie ein Problem? Für wen?“, „Wie viel Mashup ist möglich?“ Manche davon waren allerdings so schwammig gestellt, dass das Publikum sie wohl nur wählte, um herauszufinden, was damit gemeint war: selbst Romanautor Rinke kam bei der Antwort auf die Frage „Wer ist ein Freund?“ ins Schwimmen. Um zu antworten, hoben die Podiumsgäste eine rote Karte. Das Publikum entschied daraufhin, wer sprechen sollte. Außerdem bestand die Möglichkeit für die Zuhörer, ebenfalls per Laiserpointer, ein Statement abzugeben oder eine Frage zu stellen. Ein sehr demokratisches Verfahren und vor allem eins: langsam. Selbst nachdem die Zuhörer einigermaßen treffsicher geworden waren und die roten Punkte sich nicht mehr in alle Richtungen verirrten, kam eine richtige Diskussion kaum zustande. Direktes aufeinander Eingehen und Erwidern ist nämlich nicht erlaubt – das Publikum muss das Wort erst erteilen. Das garantiert einen gesitteten Ablauf, bei dem man sich nicht gegenseitig ins Wort fällt. Während die drei anderen Gesprächsteilnehmer brav ihre Karten hoben und auf Publikumswunsch die Fragen beantworteten, wirkte Sascha Lobo schnell frustriert und stellte die Lizenzierungswürdigkeit des Verfahrens in Frage. Darin, dass so etwas urheberrechtlich geschützt werden könne, offenbare sich schon das Problem. Seine Verstöße gegen die Reglementierung – also unaufgefordertes Erwidern – waren erfrischend.

Für Matthias Spielkamp ist der Kampf gegen Piraterie eine „Herausforderung, die gemeistert werden kann, ohne die Rechte von Internetnutzern einzuschränken.“ Peter Kraus vom Cleff sieht es jedoch auch als Aufgabe des Verlags, „dafür zu sorgen, dass die bestehenden Rechte des Urhebers durchgesetzt werden können.“ Sascha Lobo, der für freiwillige Zahlungsbereitschaft und bessere Angebote statt hartem Kopierschutz plädiert, hatte nach langer Diskussion mit Rowohlt erreicht, dass die E-Book-Version seines neuen Buches keinem strikten Digital Rights Management unterstellt wird. Für ihn also ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Doch er warnt davor zu glauben, dass es eine einfache Lösung für das Problem gäbe.

Bei den Diskutanten handelte es sich zweifellos um Experten, die den Kampf ums Urheberrecht teilweise am eigenen Leib erfahren mussten, wie Autor Moritz Rinke, der am Telefon als „Urheberschwein“ beschimpft wurde. Leider erschwerte der erzwungen schleppende Gesprächsverlauf es ihnen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mitzuteilen.

Ziel des Börsenvereins war es, der sehr emotional geführten Diskussion den nötigen sachlichen Ton zu verleihen. Dazu diente das Diskussionsschema, das aber leider über sein Ziel herausschoss und jegliche Diskussion bremste. Oder vielleicht auch nur ein neues Gewand darstellte für eine alte Debatte, in der es nicht viel Neues zu sagen gibt? In der es nur immer wieder heißt, man müsse sich ernsthaft zusammensetzen? Die Ankündigung von den Buchtagen wurde erneuert: Es soll einen runden Tisch geben, möglichst noch bis Ende des Jahres, so Hauptgeschäftsführer Alexander Skipsis. Man darf also weiter gespannt sein.

Marcella Melien

Fotos: Anja Fuhrmann

 

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