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19. September 2014

CPI goes digital – Die Quantum-Technologie als Antwort auf die veränderten Anforderungen der Buchbranche

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Die Anforderungen der Buchbranche ändern sich: Die Auflagenzahlen der Verlage werden immer geringer, der Wunsch nach Individualisierung immer größer. Dies beeinflusst auch die Druckbranche, die stark mit den Entwicklungen der Verlagsbrache verflochten ist. Das Druckunternehmen CPI sieht die Lösung des Problems unter anderem in der Einführung digitaler Druckmaschinen. Zurzeit wird die erste Anlage der Quantum-Technologie präsentiert, die auch mehrfarbige Bücher in hoher Qualität produzieren soll.

Die CPI-Gruppe gehört bereits seit einigen Jahren zu den führenden Produzenten von Büchern, Broschuren und Katalogen in Europa. Um den veränderten Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, investiert das Unternehmen jedes Jahr 10% des Umsatzes in die Modernisierung der Produktionsanlagen und arbeitet eng mit den führenden Technologieanbietern der Branche zusammen, um gemeinsam Lösungen für den Markt zu entwickeln.

Auf einer Roadshow präsentierte das Unternehmen in den letzten Wochen in Hamburg, Berlin, Frankfurt, München und Stuttgart nun seine neuste Innovation: die Quantum-Technologie für den Farbdruck. Bereits 2011 setzte das Unternehmen die erste Quantum, eine digitale Druckmaschine mit der Inkjet-Technologie, für den Schwarzweiß-Druck ein. Die neue Quantum soll nun auch mehrfarbige Auflagen produzieren.

Obwohl viele Verlage immer noch kritisch gegenüber der Qualität des Digitaldruckes sind, bietet die Quantum-Technologie viele verlockende Vorteile. So könnten kleinere Auflagen zu deutlich geringeren Preisen produziert werden und auch der Nachdruck stelle kein Problem mehr dar. Ebenfalls wurde das Problem der Farbabweichung, die gelegentlich beim Offsetdruck auftritt, gelöst. Durch den digitalen Druck kann CPI eine Farbgleichmäßigkeit von Buch 1 bis 10.000 gewährleisten. Zudem würden Bilder in schlechter Qualität, Screenshots und technische Raster, deren Verwendung im Offsetdruck schwierig sei, im Digitaldruck eine bessere Qualität haben, da die Feinheiten besser zu erkennen sein.

Allerdings ist die Technologie noch nicht vollends ausgereift. Nach eigenen Angaben des Unternehmens sei der Farbraum noch immer geringer als beim Offsetdruck, weswegen sich der Druck von Kunstbüchern noch schwierig gestalte. Allerdings würde man ständig an der weiteren Verbesserung der Technologie arbeiten. Und so bleibt abzuwarten, ob die Qualität des Digitaldrucks bald die des Offsetdrucks erreichen oder gar übersteigen wird.

Autorin: Romy Födisch

2. September 2014

Speedmeeting: Bewerbungszeitraum verlängert!

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Es sind nur noch wenige Tage bis zum Bewerbungsschluss für das nahende Speedmeeting auf der Frankfurter Buchmesse 2014.

In einer lockeren Atmosphäre habt ihr die Chance mit Führungskräften der Verlagsbranche zu sprechen und in den kurzen Bewerbungsgesprächen Kontakte zu knüpfen. Dabei könnt ihr dieses Jahr auf Vertreter der folgenden Unternehmen treffen: Ravensburger, EPUBLI , KNV, Holtzbrink Verlagsruppe, Books on Demand, Gräfe und Unzer, Der Audio Verlag, Bommersheim Consulting sowie die Personalagentur Dörrich.

Schickt uns bis Freitag, den 12. September ein kurzes Motivationsschreiben (max. 120 Wörter) sowie euren Lebenslauf an speedmeeting@verlagederzukunft.de.
Alle weiteren Infos zur Anmeldung und dem Ablauf der Veranstaltung findet ihr unter http://www.verlagederzukunft.de/veranstaltungen/speed-meeting

11. August 2014

Neobooks – Konkurrenz oder Rettung des klassischen Verlagsmodells?

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Selbstpublizierte Bücher werden nach wie vor von einigen Experten aus dem Verlags- und Literaturbetrieb kritisch beäugt. Sie befürchten eine Überschwemmung des Marktes mit „Schundliteratur“ und sehen die entsprechenden Veröffentlichungsplattformen als Wegbereiter des Untergangs qualitativ hochwertiger Literatur. Dennoch tauchen in den letzten Jahren immer mehr Autoren in den Bestsellerlisten auf, die nicht an einen Verlag gebunden sind. Als erstes erkannte die Verlagsgruppe Droemer Knaur dieses Potential und gründete die Plattform neobooks, die mittlerweile zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell herangewachsen ist.

„Unter den Selfpublishern sind zahlreiche vielversprechende und überaus talentierte Autoren, die jedes Verlagsprogramm bereichern, aber über den klassischen Einsendeweg vielleicht nie Sichtbarkeit erlangt hätten“, sagt Juliane Reichwein, die neue Teamleiterin von neobooks. Bis heute wurden über neobooks bereits über 80 Titel akquiriert und sogar schon sechs Taschenbücher bei einem Verlag der Droemer Knaur-Gruppe von Autoren veröffentlicht, die über neobooks entdeckt wurden.

Nach der „Sichtbarkeit“, von der Juliane Reichwein spricht, streben viele Menschen: Der Wunsch nach der Veröffentlichung der eigenen Memoiren, Gedichte und Fantasiegeschichten ist groß. Früher blieb hier nur der Weg über sogenannte, teils ausbeuterische Druckkostenzuschussverlage. Mit der Welle des Selfpublishing ist dieses Modell überflüssig geworden, dennoch bestehen die Verlage weiter. Auf die Frage, ob neobooks diesen Verlagen den Garaus machen will, antwortet Juliane Reichwein: „Wir unterstützen unsere Community mit all unserem Branchenwissen und klären über ‚Stolpersteine‘ auf. Mit neobooks bieten wir eine echte Alternative, zeigen einen anderen Weg zur Publikation auf – damit dürften die Angebote diverser Häuser ganz für sich alleine sprechen.“ Hier noch einmal kurz die wichtigsten Informationen rund um diese Alternative:

Juliane Reichwein

Juliane Reichwein

 

Das Modell neobooks

Neobooks ist eine kostenlose Plattform für Selfpublisher, die 2010 von der Verlagsgruppe Droemer Knaur gegründet wurde. Die Besonderheit an dieser Plattform ist, dass der Autor die Möglichkeit auf einen Vertrag entweder bei einem Verlag der Droemer Knaur-Gruppe oder seit ein paar Monaten auch Rowohlt hat. Diesen Vertrag hat man als Autor dann in Aussicht, wenn ein Lektor den Titel als passend für sein Verlagsprogramm einstuft. Die Lektoren lesen die Top-Ten-Titel von der Website, auf  der die Lesercommunity die Bücher mit bis zu fünf Sternen bewerten kann.

Vorteile für den Autor, außer der Option auf einen Verlagsvertrag, bestehen in dem Autorenhonorar von 70%, der Listung in sämtlichen Verzeichnissen und dem selbst auswählbaren Preis. Zudem kann der Autor selbst über die Distributionskanäle seiner Titel entscheiden, benötigt nur geringe Computerkenntnisse und darf auch noch auf anderen Plattformen veröffentlichen.

Für den Verlag bietet dieses Modell den Vorteil, eventuell zukünftige Bestsellerautoren zu akquirieren und löst damit zumindest ein Stück weit das Problem der Masse an unaufgefordert eingesandten Manuskripten. Auch das Risiko für den Verlag wird dadurch gemindert, dass der Autor als Selfpublisher bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt und Erfahrung gesammelt hat.

Nachahmer in der Branche

Mittlerweile hat sich die erfolgreiche Idee von Droemer Knaur natürlich herumgesprochen und andere Verlage versuchen sich ebenfalls an Modellen, die die neue Möglichkeit nutzen sollen, noch unbekannte talentierte Autoren zu akquirieren. Das jüngste Beispiel ist die Kooperation von Bastei Lübbe mit der Plattform BookRix. Diese Zusammenarbeit funktioniert ganz nach dem Beispiel von neobooks: Auch hier haben die Selfpublisher die Chance auf einen Vertrag bei dem großen Kölner Belletristikverlag. Andere Beispiele für Nachahmer in der Branche wären Egmont mit Lyx Storyboard oder Oetinger mit Oetinger 34 (Wir berichteten darüber im Juni: http://www.verlagederzukunft.de/business-development-zeiten-der-digitalisierung-interview-mit-tea-herovic/). Kritik an solchen Modellen kommt nur von einigen Selfpublishern, die solche Modelle als „Trittbrettfahrer“ bezeichnen.

Eine hohe Bedeutung hat der Einstieg von Rowohlt im Mai in die Arbeit von neobooks. Der literarisch anspruchsvolle Verlag, der wie Droemer Knaur zur Holtzbrinck Verlagsgruppe gehört, zollt damit vor allem den Selfpublishern einen hohen Respekt. Auch Juliane Reichwein hebt diese Neuerung hervor: „Mit dem Rowohlt Verlag haben wir bereits einen starken und vertrauensvollen Partner gewonnen, der unser Akquiseprogramm bestärkt.“ Sie sieht neue Konkurrenz wie Bastei Lübbe mit BookRix nicht als große Bedrohung für den Erfolg ihrer Plattform: „Im Markt der Selfpublishing Plattformen behaupten wir uns bereits seit längerem gegen konkurrierende Unternehmen.“ Auf die Frage, in welche Richtung sich neobooks in den kommenden Jahren ausrichten wird, spricht sie die Optimierung des Services für Autor und Leser an. Schlussendlich nennt sie die Märkte anderer Länder „spannend“ und gibt zu, dass neobooks den „ein oder anderen Blick in die Welt“ riskiert. Vielleicht werden wir also bald sehen, wie das Projekt ausgeweitet wird und neobooks auch international auf Autorensuche geht.

Chancen erkennen und nutzen!

Mit der wachsenden Anerkennung sollten die Kritiker des Selfpublishing schnell verschwinden und die Verlage die Möglichkeit vereinfachter Akquise neuer Autoren nutzen – ein Aspekt, der erst neulich bei den Berliner Buchtagen auf der Konferenz „Selfpublishing – Bedrohung oder Chance für Verlage?“ diskutiert wurde. Das Problem der unaufgefordert eingesandten Manuskripte, die von den Lektoren gar nicht bearbeitet werden können, dürfte bald gelöst sein. Es ist der Buchbranche nur zu wünschen, dass bald noch weitere zukunftsfähige Projekte über neobooks hinaus entstehen, die vor Marktriesen wie Amazon und dessen angekündigten Verlagstätigkeiten bestehen können. Studien wie die Studie zum Stand des Self Publishing in Deutschland von Matthias Matting beweisen, dass die meisten Selfpublisher gerne bei einem Verlag veröffentlichen würden. Das ist eigentlich eine brillante und relativ risikoarme Möglichkeit für Verlage, bereits erfolgreiche Autoren aus den E-Book-Charts unter Vertrag zu stellen. Man sollte Selfpublishing nicht als Gefahr für Verlage begreifen, sondern als Chance, diese zu erhalten. Anstatt sich über Qualitätsverlust durch die Schwemme von selbstpublizierten Titeln zu beschweren und den guten alten Zeiten der hohen Literatur hinterher zu träumen, sollte man diese Möglichkeit ergreifen!

von Jana Kapfer

7. August 2014

CONTEC 2014: Wie Selfpublishing und Crowdfunding aufeinander treffen

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Die Zeit rast und steht nicht still. Bald ist schon wieder Oktober. Das heißt die Frankfurter Buchmesse steht nicht mehr allzu weit in den Sternen. Doch schon am Vortag des Messebeginns findet eine besondere Veranstaltung statt – die Technologie-Konferenz CONTEC zum internationalen Publishing. Verschiedene Workshops und Vorträge werden über die Branche gehalten. Die junge Plattform pentian.com ist das Hauptthema eines solchen.

Pentian wurde vor ungefähr einem halben Jahr in Spanien gegründet und ist eine Crowdfundingplattform. Autoren können sich registrieren und mithilfe einer online Kampagne ihre Werke publizieren. Die Finanzierung wird hierbei von Nutzern der Plattform übernommen, oft Privatpersonen, die für sie attraktiv wirkende Projekte mit Geld unterstützen. An sich ist dies nichts Neues, denn es gibt einige solcher Crowdfundingseiten und Angebote für Selfpublisher, die soetwas anbieten. Doch Pentian macht den Unterschied: Unterstützer werden am potentiell eintreffenden Gewinn beteiligt.

Wie funktioniert Pentian?

Wenn der Autor seine Idee veröffentlicht hat, bleiben ihm zwei Monate um den gesetzten Zielbetrag, der die angenommenen Kosten decken soll, zu erreichen. Das Buch selbst muss nicht druckfertig vorliegen, sondern kann innerhalb von neun Monaten nach erfolgreich abgeschlossener Kampagne fertiggestellt werden. Die Unterstützer fungieren hierbei als Investoren. Während der Finanzierungsphase stellen sie ihr Geld zum Erreichen des Ziels zur Verfügung. Im Gegensatz zum „normalen Schwarmfinanzieren“ erhalten sie jedoch nicht nur eine Leistung, das „repräsentative Danke“, die an den zu gebenden Beitrag gekoppelt ist. Ist das Buch publiziert und wird verkauft, erhalten sie zusätzlich einen vorher festgelegten Anteil des erzielten Gewinns. Im Standardfall liegt dieser bei 50 Prozent, der je nach Beteiligungsgrad auf die Investoren verteilt wird. 40 Prozent des Gewinns erhält der Autor. Die übrigen 10 Prozent hingegen fordert Pentian für die Dienste der Plattform und die Kostendeckung ein. Sollte der Zielbetrag hingegen nicht erreicht werden, so fallen keine Kosten oder Verluste für Unterstützer an. Nach zwei Monaten ist es dem Autor sogar wieder möglich dasselbe Projekt – nach einer hoffentlich stattgefundenen Überarbeitung – wieder freizugeben.

Hierbei übernimmt Pentian einen Großteil der Funktionen eines Verlags. Sie organisieren die Herstellung, die standardmäßig E-Book und Print on Demand umfasst, sowie die ISBN Vergabe, die Rechtsvertretung des Werks und die Gewinnverteilung. Hinzu kommt die Präsentation des Buchs auf einer Vielzahl von Verkaufsplattformen wie Amazon, Google Play, Apple und iBooks, um für eine flächendeckende Distribution zu sorgen. Pentian.com verbindet somit das Angebot von „traditionellen“ Selfpublishing- und Crowdfundingplattformen.

Diese Leistungen erhält der Autor jedoch nur im Austausch gegen Rechte. Zwölf Monate darf das publizierte Buch nur durch Pentian vertrieben werden. Nach dieser Zeit erhält der Autor zwar alle Rechte zurück, aber zwei weitere Jahre ist Pentian die Distribution erlaubt. Dies kann als Sicherheit für die Investoren und natürlich Pentian selbst gesehen werden, da diese mindestens drei Jahre Einkünfte generieren können, sollte sich das Buch verkaufen.

Die Möglichkeiten?

Die Kombination beider Geschäftsmodelle erleichtert Autoren die Publikation ihrer Werke, deren Entstehung mit hohen Kosten verbunden ist. Zahlungsintensive Vorgänge zur Informationsbeschaffung, Anwerbung von Hilfskräften oder die bloße zeitliche Beanspruchung, bei der keiner Berufstätigkeit nachgegangen werden kann, können Projekte scheitern lassen. Diese Probleme treten vor dem materiellen Herstellungsprozess des Buchs auf und werden deshalb von Selfpublishingplattformen nicht bewältigt. Crowdfunding hingegen unterstützt Autoren hierbei, da sie das benötigte Geld erhalten. Bei der Distribution und Herstellung des ausgereiften Produkts bleibt der Autor aber auf sich allein gestellt. Auf Pentian publizierte Bücher haben für die Beteiligten eine potentiell starke Profitaussicht. Die hohe Gewinnbeteiligung fördert die Bereitschaft Projekte zu unterstützen und somit ein schnelles Erreichen des Zielbetrags. Die Investoren müssen nicht mehr am Produkt selbst interessiert sein, sondern können rein aus rein wirtschaftlichen Motiven handeln. Dies lässt Verlagen theoretisch die Option offen, sich ebenfalls innerhalb dieser Plattform zu engagieren, Skripte anzusehen und auf erfolgreiche Autoren aufmerksam zu werden, mit denen sie sofort geschäftlich in Kontakt treten können.

Dennoch vermute ich, dass dieses Konzept nicht über Nacht den Selfpublishing-Markt oder gar die gesamte Branche umkrempeln wird. Autoren haben durchaus bewiesen, dass sie selbstständig Publikation und Geldbeschaffung organisieren können, selbst wenn diese nicht zusammen angeboten werden. Plattformen wie Epubli und Kickstarter haben sich langsam eine Stammnutzerschaft erarbeitet, die nicht sofort zur neusten Erscheinung wechseln wird. Bevor große Erfolge erzielt werden können, muss Pentian Fuß fassen und weltweit Menschen für sich gewinnen.

Die Veranstaltung am 7. Oktober 2014, bei der Mitgründer Enrique Parrilla sprechen wird, könnte der erste Schritt sein.

Autor: Jonas Jorek

2. August 2014

Sendet uns jetzt eure Bewerbung für das Speedmeeting

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Noch fünf Wochen bleiben euch, einen der beliebten Plätze beim Speedmeeting auf der Frankfurter Buchmesse zu ergattern. Wie das geht? Schickt einfach ein Motivationsschreiben zusammen mit eurem Lebenslauf an das Speedmeeting-Team von Verlage der Zukunft!

Aus allen Bewerbungen wählen wir 10 Teilnehmer aus, die in kurzen Gesprächen mit Vertretern verschiedener Verlage Kontakte knüpfen und vielleicht sogar einen super Job ergattern können. Dieses Jahr erwarten euch unter anderem der Gräfe und Unzer Verlag, Ravensburger, KNV, die Holtzbrink Verlagsruppe, EPUBLI, Bommersheim Consulting und die Personalagentur Dörrich.

Alle weiteren Informationen findet ihr unter http://www.verlagederzukunft.de/veranstaltungen/speed-meeting.

19. Juli 2014

Der Siegeszug des kommerzialisierten E-Books – Teil 2: Der Einzelhandel im Wandel

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Derzeit ist das E-Book wohl eines der meist diskutierten Themen der Verlagsbranche. Experten prophezeien dem E-Book eine glorreiche Zukunft. Gerade durch den Verkauf passender Lesegeräte erhält das digitale Buch Zugang zu einem Massenmarkt. Ob sich dieser Trend zum digitalen Buch tatsächlich durchsetzen wird? Und welche Wachstumstreiber hier eine Rolle spielen? Dies beantworten mehrere Studien zum Thema. Sie geben Experten zufolge Aufschluss über zukünftige Geschäftsmodelle und kommende Vertriebsstrategien erfolgreicher Verlage.

Der deutsche Einzelhandel ist seit Jahren starken strukturellen Verschiebungen ausgesetzt. Zwar sei dieser Wirtschaftszweig im volkswirtschaftlichen Kontext noch immer sehr wichtig, doch sehen Experten große Herausforderungen. Nach einer neuen Verbraucherstudie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes, kurz HWWI, im Jahr 2013 führen geringe reale Umsatzsteigerungen zu einem Bedeutungsverlust stationärer Vertriebslinien und zu verschärftem Wettbewerbsdruck. Umsatz und Flächenproduktivität sinken, die Verkaufsflächen hingegen nehmen im Einzelhandel seit Jahren zu.

Konzentration und Wettbewerb im Einzelhandel

Experten beobachten im stationären Einzelhandel fortschreitende Konzentrationsprozesse auf wenige große Einzelhandelsunternehmen. Sie gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetze und den Einzelhandel zusätzlich belaste. Steigende Wettbewerbsintensität, die hohe Ausstattung der Verbraucher mit Gütern, und geringe Markteintrittsbarrieren führen zu konstanten Umsätzen, sinkenden Gewinnen und wachsendem Margendruck. Die großen Handelsketten reizen ihre Marktmacht aus, um sich über den Preis und Größenvorteile im Markt zu profilieren. Kleine und mittelständische Unternehmen seien zumeist nicht in der Lage mit den Großunternehmen mitzuhalten – nach Aussagen der Experten müssen sie dies auch nicht, wenn sie eigene Stärken besser herausarbeiten und Nischen besetzen.

Die Lage im Buchmarkt korrespondiert in weiten Teilen mit der Lage des gesamten Einzelhandels: Nach Angaben des Börsenvereins ist der stationäre Bucheinzelhandel von Konzentration gekennzeichnet. Rund 10 Prozent der Filialisten erwirtschaften gut zwei Drittel des Branchenumsatzes. Diese Konzentration zeige sich auch bei der Anzahl der Mitarbeiter auf wenige große Buchhändler. Der intensive Wettbewerb der Filialisten untereinander führe zu einer anhaltenden Verdrängung inhabergeführter Buchhandlungen. Experten begründen den Verdrängungswettbewerb u.a. mit der wachsenden Verhandlungsmacht großer Buchhandelsketten. Diese konkurrieren um attraktive Flächenkonzepte und den Aufbau profitabler Ladennetze.

Wettbewerbsvorteile verlagern sich

Die Studie der HWWI offenbart einen gesättigten Markt der durch Verdrängungswettbewerb gekennzeichnet ist. Die Verdrängung von guten Strategien durch bessere Strategien, nehme aufgrund des hohen Innovationstempos und des Internets als glaubwürdige Bezugsquelle von Informationen stetig zu. Stationäre Unternehmen im Einzelhandel geraten in Bedrängnis, wenn neue Vertriebslinien wie beispielsweise der Internethandel bewährte Geschäftsmodelle und Vertriebsformen erschöpfen. Die Globalisierung vieler Geschäfte im Online-Handel hingegen generieren u.a. durch internationale Lieferfähigkeit und kostengünstigere Standortvorteile höhere Netto-Reichweiten und schnellere Umsätze. Experten bewerten die gestiegene Transparenz und grenzüberschreitende Einkaufsmöglichkeiten im Internethandel auch positiv, wenn Einzelhändler diese Vorteile für sich selbst nutzen und ihr Kerngeschäft damit stärken. Die digitale Produktauswahl und der Wunsch der Kunden nach Bequemlichkeit bieten Händlern und Verlage gleichermaßen durch Differenzierung neue Vertriebsstrategien.

Hinzu kommen individualisierte, preisbewusste und, durch den Einsatz des Internets, bestens informierte Kunden, die Transaktionen im Internet und über Mobiltelefone dem stationären Einkaufserlebnis vorziehen. Diese Entwicklung sei Experten zufolge für viele Kunden attraktiv und Teil eines neuen Selbstverständnisses. Die gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologien im Alltag verbunden mit einer flächendeckenden Verfügbarkeit von kostengünstigen Lesegeräten begünstigen den Trend des E-Books.

Der erste Artikel „Veni, vidi, vici. (Ich kam, sah, siegte.)“ unterstreicht den Siegeszug des kommerzialisierten E-Books im digitalen Buchmarkt durch den Einsatz neuer Endgeräte.

Autor: Mike Demmig

8. Juli 2014

Streaming – der Vertriebskanal der Zukunft für Hörbücher?

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Der neue Vertriebskanal Streaming kennt in der Musik- und in Hörbuchbranche umsatztechnisch momentan nur eine Richtung: nach oben. Obwohl erste Streaming-Anbieter bereits seit 2005 im deutschen Markt präsent waren, hat sich der Trend erst 2012 in D durchgesetzt: Im Juni 2012 wurden rund 144 Millionen Streams gezählt, diese Zahl hatte sich im Dezember 2013 bereits mehr als vervierfacht. Parallel dazu stieg der Umsatz mit physischen Hörbüchern 2013 um 3,9 Prozent, während Vertrieb von Hörbüchern über Online- Kanäle um 2% zulegte. Diese Zahlen kamen für die Buchbranche relativ überraschend, wurde Hörbüchern 2012 noch für letztes Jahr ein Umsatzminus prognostiziert. Nun diskutieren Hörbuchverleger und Buchhändler: Woher kommt dieses überraschende Umsatzplus? Liegt es am für Hörbücher neuen Vertriebskanal „Streaming“ und ist vielleicht Streaming der Vertriebskanal der Zukunft für Hörbücher?

Der deutsche Buch- und Hörbuchmarkt sind eng miteinander verbunden. Hörbuchverlage nutzen hauptsächlich die gleichen Vertriebskanäle wie Buchverlage. Der Hörbuchmarkt zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass Hörbücher nicht nur von Buchverlagen, sondern auch von unabhängigen Hörbuchverlagen und Unternehmen der Musikbranche produziert werden. Dies führt dazu, dass vor allem Letztere mit anderen Vertriebswegen mehr experimentieren als es in der Buchbranche üblich ist.

Ein Hörbuchverlag hat mehrere Möglichkeiten, ein Hörbuch als physisches Produkt zu vertreiben. Die CD ist seit Jahren das gängigste Trägermedium. 2009 brachte der Hörbuchverlag „Radioropa“ die ersten Hörbücher als Mp3 auf einer Mikro-SD-Card in den Buchhandel. Seitdem wurde viel mit alternativen physischen Medien experimentiert, zum Beispiel der Verkauf von Mp3-Playern mit einem vorinstallierten Hörbuch. Nichts konnte sich als Alternative physische Form gegenüber der CD erfolgreich durchsetzen.
Der klassische Versandbuchhandel indes erlebt zugunsten des Onlineversandhandels seit Jahren einen kontinuierlichen Rückgang: 2012 sank der durch den klassischen Versandbuchhandel gemachte Umsatz um 13,9%, während der Umsatz des Versandbuchhandels einschließlich Internetbuchhandel um 6,3% stieg. Diese Verschiebung lässt sich genauso beim Versandhandel von Hörbüchern beobachten – der klassische Versandbuchhandel spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Im Internetbuchhandel ist, nach aktuellen Schätzungen der Onlineversandhändler, Amazon mit einem geschätzten Marktanteil von 84% eindeutiger Marktführer.

Abo-Modelle: Neben dem Einzeldownload spielt im Hörbuch-Downloadbereich auch das Abonnement eine Rolle, das dem Endkunden im Rahmen einer monatlichen oder jährlichen Gebühr Zugriff auf ein breites Titelangebot eröffnet. Verlage machen einen großen Teil ihrer Umsätze mit Downloadportalen mit dem amerikanischen Hörbuch-Anbieter Audible, welcher 2008 von Amazon übernommen wurde. Auch Audible bietet neben dem Einzelkauf von Hörbüchern vorrangig die Auswahl zwischen verschiedenen Abo-Modellen an: Der Kunde zahlt monatlich einen bestimmten Betrag und erhält dafür jeden Monat ein Hörbuch seiner Wahl umsonst sowie einen günstigeren Preis für andere Hörbücher des Shops. Auch bei den Abo-Modellen gibt es in Deutschland keine nennenswerte Alternative zu Amazon. Das Barsortiment Libri hat seinen Versuch, Hörbücher im Abo anzubieten, Anfang 2014 eingestellt.

die Onleihe: Kunden einer Stadtbibliothek (Deutschland, Österreich und Schweiz) haben die Möglichkeit auf der Plattform „Onleihe“ des Bibliotheksdienstleisters DiViBib digitale Medien wie E-Books, Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Hörbücher mit ihrem Bibliotheksausweis für die Dauer einer festgesetzten Frist über deren Homepage oder die Onleihe-App auszuleihen. Dabei kann jedes Medium, wie in einer Bibliothek, von nur einem Nutzer gleichzeitig ausgeliehen werden. Nach Ablauf der Frist lässt sich das Hörbuch nicht mehr öffnen. Aber obwohl die E-Books und Hörbücher in digitalisierter Form existieren, erteilen Verlage nur zögerlich Nutzungslizenzen und argumentieren, digitale Inhalte zeigen im Gegensatz zu physischen Medien keine Verschleißerscheinungen. Viele Verlage sind keine Teilnehmer der Onleihe, wie zum Beispiel die Holtzbrinck-Gruppe.

Streaming/„Flatrate“: Das Streaming ist ein vom Hörbuchmarkt noch wenig erschlossener Vertriebskanal. Bei Streaming-Portalen handelt es sich um Intermediäre, die Musik oder Hörbücher zu einem bestimmten Betrag pro Monat oder Jahr anbieten, mit dem Unterschied zum Abo-Modell, dass der Kunde nicht das Hörbuch kauft, sondern jederzeit online darauf zugreifen und es abspielen kann. Führender Anbieter ist hierbei der Streaming-Anbieter Napster, der seit 2009 Hörbücher im Angebot hat, heute etwa 3.000 Titel. Vom monatlichen Nutzungsbeitrags des Kunden werden 75 bis 80 Prozent an die Musikindustrie abgeführt, weshalb viele Hörbuchverlage darauf verzichten, den eigenen Hörbuch-Katalog oder einen Teil für das Angebot eines Streaming-Portals zur Verfügung zu stellen. Verlage, die bereits bei Musik-Streaming-Anbietern vertreten sind (z.B. Argon, Lübbe Audio), sprechen im Bezug auf die Umsätze über geringe, aber stabile Zusatzumsätze, sehen aber Streaming mehr als Marketingtool denn als Vertriebskanal.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der stationäre Buchhandel auch 2013 noch nach wie vor der wichtigste Vertriebskanal für Hörbücher ist: Laut der Media Control Gfk International stieg der Umsatz des deutschen Buchhandels mit physischen Hörbüchern in Deutschland im Jahr 2013 sogar um 3,6%.
Jedoch der Vertriebskanal mit dem größten Entwicklungspotential ist das Streaming – die positive Umsatzentwicklung in digitalen Vertriebskanälen trotz wachsender Zahl der physisch verkauften Hörbuch-CDs zeigt, dass der physische Vertrieb und Streaming noch nicht im Substitutionsverhältnis zueinander stehen, sondern stattdessen neue Zielgruppen erreicht werden können, für die durch Streaming der Erstkontakt mit dem Hörbuch zustande kommt und die zusätzlich Hörbuch-CDs kaufen. Inwiefern in den nächsten Jahren dieser Zustand anhalten wird oder eine Umsatzverlagerung innerhalb der verschiedenen Vertriebskanäle stattfinden wird, ob digitale Vertriebskanäle den Buchhandel als wichtigsten Vertriebskanal ablösen werden oder ob das Streaming sich lediglich zu einem Nischen-Vertriebskanal entwickeln wird, bleibt offen.

Autorin: Flora Ihlau

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7. Juli 2014

Bewerbungsstart für das Speedmeeting auf der FBM

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Auch zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse bieten wir euch wieder die Gelegenheit auf dem Speedmeeting mit Führungskräften aus der Verlagsbranche in Kontakt zu treten.

Am Freitag, den 10. Oktober habt ihr die Möglichkeit in kurzen, zwanglosen Bewerbungsgesprächen Kontakte zu knüpfen, Eindrücke zu sammeln und zu hinterlassen.

Teilgenommen haben in den letzten Jahren bereits namhafte Verlage wie Ravensburger Verlag, Books On Demand, Gräfe und Unzer Verlag, Carlsen, Coppenrath, Droemer Knaur, epubli, Oetinger Verlag, Audio Verlag und andere.

Ab sofort könnt ihr euch für das Speedmeeting in Frankfurt bewerben. Sendet uns bis zum 5. September 2014 einen kurzen Motivationstext und euren Lebenslauf an speedmeeting@verlagederzukunft.de.

Beachtet dazu bitte auch die weiteren Informationen unter http://www.verlagederzukunft.de/veranstaltungen/speed-meeting.

30. Juni 2014

Self-Publishing auf dem asiatischen Markt

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Asien beheimatet mit seinen 4,2 Milliarden Einwohnern mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung. Dies birgt ein riesiges Potenzial für die asiatische Buchbranche, wenn auf die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen eingegangen wird. Was bedeutet das für Digital- und Self-Publishing auf dem Kontinent? Alice Clark-Platts hat dies für euch untersucht!

10. Ubud Readers & Writers Festival, Bali, Indonesien

10. Ubud Readers & Writers Festival, Bali, Indonesien © All rights reserved by Matt Oldfield and UWRF

Im Oktober 2013 fand das 10. Ubud Writers & Readers Festival, ein Literaturfestival auf Bali, statt. Dort erwähnte Nury Vittachi, Autor der Feng-Shui-Detektiv-Serie, im Gespräch mit Sebastian Faulks die Stärke des asiatischen Buchmarktes. Im Bezug auf die Bevölkerung verblassen die Buchmärkte der USA, Großbritannien und Europa im Vergleich zu der Masse des asiatischen Marktes. Allein in Indien wächst die Buchbranche nach Schätzungen pro Jahr um 30 Prozent.

Was bedeutet das für die Veröffentlichungen und insbesondere für Self-Publishing?

Nun, in sehr kleinen Märkten wie Hong Kong, das traditionell hauptsächlich als englischsprachiger Markt auftritt, müssten aufgrund des Skaleneffektes mindestens 2.000 Exemplare eines Titels gedruckt werden, damit es für den Verlag wirtschaftlich sinnvoll ist. Bei den gegebenen Marktgrößen entspricht dies in etwa einem Titel, der in den USA 2 Millionen Mal gedruckt wird. E-Books und Self-Publishing bieten hier eine Möglichkeit, um diesen wertvollen Markt für angehende Autoren attraktiv zu machen, wenn Verlage aufgrund eines wirtschaftlichen Risikos entscheiden, auf dem Markt nicht aufzutreten.

Oder betrachten wir das Schwellenland Indonesien, mit seiner Bevölkerung von über 240 Millionen Einwohnern, die auf über 17.500 Inseln leben. Der Buchmarkt ist stark zergliedert und traditionelle Verlagshäuser können es hier schwer haben, die Leser zu erreichen, während flinke Self-Publisher vielleicht eher in der Lage sind, Nischen zu entdecken und erfolgreich zu publizieren.

In China ziehen Self-Publishing-Webseiten mit Geschichten von chinesischen Autoren 40 Prozent des Web-User-Traffics an. Dies deutet darauf hin, dass die Autoren in China wesentlich schneller als die westlichen Autoren waren, um die Bedeutung der digitalen Medien als geeignetes Instrument zu erkennen, um sich dem Leser anzunähern.

Was ist mit neuen Geschäftsmodellen wie Crowdfunding für kreative Projekte?

Der asiatische Markt hat sich Crowdfunding nur langsam genähert – Bedenken über öffentliches Versagen und Gesichtsverlust könnten Gründe für diese Zurückhaltung sein. Allerdings ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis Unternehmen, wie die in Singapur ansässige Crowdfunding-Plattform „Crowdonomic“ für asiatische StartUps, Technik oder kreative Projekte angenommen und erfolgreich sein wird.

Die Vielfalt der asiatischen Märkte bedeutet, dass herkömmliche Verlage nicht den Launen und Nuancen des jeweiligen Marktes ausgesetzt sind. Hier können aber auch Self-Publisher angreifen und die unterschiedlichen Märkte hinsichtlich beliebter Genres und bestimmter Interessen auskundschaften. So sind beispielsweise 25 Prozent der indonesischen Bevölkerung Kinder im Schulalter. Autoren von Kinder- und Jugendliteratur können sich daher von den sich dort bietenden Möglichkeiten faszinieren lassen.

Self-Publishing gibt den Autoren in Asien Kontrolle – nicht nur hinsichtlich Inhalt, Stil und Präsentation ihres Buches, sondern, noch wichtiger, in Bezug auf die Gewinne. Bei traditionellen Verlagsverträgen wird dem Autor manchmal nur ein Gewinnanteil von 10 Prozent der Verkaufserlöse zugesprochen.

Unternehmen wie Trafford Publishing in Singapur bieten Dienstleistungen für Self-Publisher von der Redaktion bis hin zur Vermarktung. Dies kann den Autoren bei eventuellen Startschwierigkeiten helfen. Ebenso bieten Self-Publishing-Gurus wie Joanna Penn (www.thecreativepenn.com) eine Fülle von Artikeln und Informationen, die den Autoren ihren Weg erleichtern.

 Autorin: Alice Clark-Platts

23. Juni 2014

Kantersieg für die brasilianische Buchbranche?

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In diesen Tagen dreht sich alles um die schönste Nebensache der Welt, die in einem Land zelebriert wird, das sich wie kaum ein anderes dafür begeistert. Farbenfrohe Bilder von feiernden Menschen flimmern über die Fernseher. Am Rande davon immer wieder Berichte von sozialen Unruhen: Proteste für mehr Gerechtigkeit. Geradezu paradox erscheint die Bevölkerung – teils schwimmend auf einer Welle der Euphorie für ihr Land, teils enttäuscht von der Politik ihres Staates. Was für eine Kultur steckt hinter diesem Volk und wie entwickelt sich insbesondere die Buchbranche dort im Moment?

FlaggeNoch vor wenigen Jahren war Brasilien ein einziges Wirtschaftswunder mit Wachstumsraten von über 8%, steigender Bevölkerungsrate und vielen Unternehmensneugründungen. Doch mittlerweile ist das fünftgrößte Land der Welt an seine Grenzen gestoßen: Korruption, wirtschaftliche Missstände und die immer noch große Kluft zwischen Arm und Reich werden von der Bevölkerung angeprangert. Die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele 2016 sollen die Konjunktur wiederbeleben.

Aber nicht alle Teile der brasilianischen Wirtschaft stagnieren derzeit: Die Buchindustrie sticht mit einem Wachstum von 7% im Jahr 2011 und 4% im Jahr 2012 positiv hervor. Laut der Studie Retratos da Leitura no Brasil wurde ein deutlicher Anstieg der Lesehäufigkeit festgestellt. 2012 hat die brasilianische Buchindustrie, die 50% aller Bücher Lateinamerikas produziert, 1,84 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Zwar gibt es dort keine Buchpreisbindung, aber dafür genießen Bücher das Privileg, von der Umsatzsteuer befreit zu sein. Brasiliens Buchbranche schaut auch weiterhin optimistisch in die Zukunft: Die Anzahl der Universitäten nimmt zu und der digitale Bereich, der bis dato von Apple dominiert wird, bietet noch viele Wachstumsmöglichkeiten.

Die Regierung ist der größte Buchkäufer

Bis vor nicht allzu langer Zeit war Lesen in Brasilien ein Privileg der Elite. Noch gibt es kaum Lesekultur im Straßenbild und Analphabetismus ist verhältnismäßig weit verbreitet. Nun professionalisiert sich der Markt. Als Europäer kann man nur neidvoll die Eröffnungen von Großflächenbuchhandlungen und kleinen unabhängigen Läden beobachten. Am stärksten wachsen der Lehrbuchbereich und der Kinder- und Jugendbuchmarkt. Die Gründe hierfür liegen hauptsächlich bei den Maßnahmen der brasilianischen Regierung, die das marode Bildungssystem modernisieren will. So kauft der Staat Bücher an und verteilt diese an Schulen – und sorgt damit für ein Viertel der gesamten Buchumsätze des Landes.

An Universitäten wird die Literatur sehr wichtig genommen. Eine stolze Anzahl von 2176 Doktoren beschäftigt sich an den Hochschulen Brasiliens mit dem Literaturbetrieb des Landes. Außer den Schulen und Universitäten übernehmen Buchmessen die Funktion der Verbreitung von Lesekultur. Literaturfestivals, Messen und Lesefeste mit musikalischem und tänzerischem Beiprogramm erfreuen sich einer sehr großen Beliebtheit.

Ein Priester wird zum Medienstar

Brasilien hat eine dynamische und vielfältige Literaturszene, die durchaus mehr zu bieten hat, als den großen Star Paulo Coelho, dessen Bücher weltweit 145 Millionen Mal verkauft wurden. Aus Brasilien stammt beispielsweise auch Patrícia Melo, die aktuelle Preisträgerin des LiBeraturpreises, der auf der Leipziger Buchmesse an Autoren aus dem afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Raum verliehen wird. Die Bestsellerlisten werden meist von populären Titeln wie den Shades Of Grey-Romanen und von internationalen Autoren wie Dan Brown dominiert. Absatzstärkster Titel 2013 wurde aber dann doch ein einheimisches Buch: Kairós, der Titel eines katholischen Priesters, der nicht nur Bücher schreibt, sondern auch in Fernseh- und Radioshows auftritt und in Brasilien als Megastar gefeiert wird.

Nur wenige brasilianische Autoren können vom Schreiben leben. Mit den Literaturfestivals ist eine künstlerische Szene rund um den Literaturbetrieb entstanden, die manche ihrer Autoren wie die Fußballstars im Moment feiert. Bei einigen Lesungen ist der Publikumsandrang nicht mehr zu bewältigen. Von einem Lesefestival in einem Dorf am Meer spricht man schon als „literarisches Disneyland Brasiliens“. Dank solcher Veranstaltungen, bei denen sich Lesungen, Konzerte und Partys aneinanderreihen, können einige Schriftsteller genügend Geld verdienen. Nur mit dem Verkauf seiner Bücher kann kaum einer seine Ausgaben decken.

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner

22-Bienal-Internacional-do-Livro-de-Sao-Paulo

Seit 1970 findet jährlich die Bienal Internacional do Livro de São Paulo statt, die größte Buchmesse Brasiliens mit in den letzten Jahren jeweils etwa 750.000 (!) Besuchern (zum Vergleich: Die Frankfurter Buchmesse hatte 2013 etwa 280.000). Ein Schwerpunkt deMessen ist immer der Kontaktgewinn mit ausländischen Verlagen und die Verbesserung der Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Diese Zusammenarbeit wächst im Moment stetig. Mit dem Kauf der großen Verlagsgruppe Santillana Ediciones Generales setzt Penguin Random House ein Zeichen für die Zukunft. Auch Deutschland und Brasilien arbeiten immer enger zusammen. Brasilien war 2013 das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse und hat für diesen Auftritt rund 7 Millionen Euro investiert. Die Frankfurter Buchmesse hat Anfang dieses Jahres die Konferenzreihe CONTEC Brasil in mehreren Städten in dem lateinamerikanischen Land durchgeführt. Es ging dabei hauptsächlich um den Bereich Bildung, der erweitert werden soll. Die Zahl der Übersetzungen und anderen Lizenzvergaben zwischen den beiden Ländern steigt. Gesamtwirtschaftlich gesehen ist Deutschland der viertwichtigste Handelspartner Brasiliens. Man sieht: die Verbindung von Deutschland nach Brasilien floriert. Na, wenn das kein gutes Zeichen für unsere Fußballjungs ist!

von Jana Kapfer