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22. August 2016

Literarische Whiskey-Tastings statt eintöniger Verlagsmeetings

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Was passiert, wenn man schottischen Whiskey mit einzigartigen Geschichten kombiniert?

Richtig, ein Verlag entsteht! Das klingt nicht nur ungewöhnlich, sondern ist es auch. Doch der Verlag Stories & Friends ist das Kind eben dieser beiden Elemente.

Was für Bücher werden verlegt?

Stories & Friends verlegt Bücher, die es wert sind gelesen zu werden. Das Festhalten an einem bestimmten Genre würde diese Aufgabe nur erschweren. Krimis, Romane, Short Stories, Geschenkbücher und Jugendbücher können auf der Website bestellt werden. Krimi- und Schokoladenliebhaber werden hier ebenso fündig wie Geschichtsinteressierte und Philosophen – Die bunte Mischung verschiedener Themen macht den Charme des Verlages aus.

Ein reiner Buchverlag?

Definitiv nicht! Neben den Büchern vertreibt die Verlegerin Hörbücher, eBooks und Whiskey. Ein Feinschmecker wird in der großen Auswahl bestimmt seinen Lieblingswhiskey finden. Und wenn man sich nicht entscheiden kann, kauft man sich ein Ticket für ein literarisches Whiskey-Tasting. In einer kleinen Gruppe kann der Whiskey genossen werden, während man den Geschichten lauscht.

Whiskey und Bücher?

Stories & Friends ist der einzige Verlag, der gleichzeitig ein Whiskey-Shop ist. Verkostungen, Lesungen und literarische Tastings sind nur ein paar der Möglichkeiten, die einem im gemütlichen Ambiente geboten werden. Geschichten und Alkohol werden nämlich schon seit Jahrhunderten zusammen genossen, insbesondere die Schotten, sowohl begabt im Geschichten erzählen als auch im Herstellen von Whiskey, haben diese Symbiose perfektioniert.

Warum Stories & Friends?

Da Stories & Friends ein Ein-Frau-Verlag ist, ist er von zweierlei Komponenten abhängig: Geschichten und Freunden. Alleine lässt sich ein Verlag nicht so leicht führen: Man braucht Grafiker, Autoren, Lektoren, Vertriebler und Dienstleister. Allein ist diese Last kaum zu tragen, daher arbeitet die Verlegerin eng mit ihren Partnern und Freunden zusammen.

Wo kriege ich die Bücher her?

Du kannst die Bücher in jeder Buchhandlung bestellen und damit den üblichen Weg nutzen, oder auf der Website des Verlages eine versandkostenfreie Bestellung aufgeben.

Stories & Friends ist es gelungen, aus einem unabhängigen, kleinen Verlag und einem Whiskey-Fachgeschäft ein neues Konzept für Leseveranstaltungen zu entwickeln.

Autorin: Karoline Krjutschkow

8. August 2016

Log.os – Ein Unternehmen für die Zukunft des Buchmarktes?

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2013 begann die ambitionierte Vision von Log.os in Berlin. Es hat sich seitdem viel getan, unter anderem wurde eine GmbH gegründet, ein Förderverein eingerichtet und zu Beginn des Jahres startete die Betaphase des Projektes. Nur was steht dahinter, welche Vision wollen sie verfolgen, an wen richtet sich das Projekt und wie wollen sie es umsetzen? Wem wird Log.os nützen und werden sie es schaffen ein neues System zu etablieren und sich am derzeitigen Markt durchzusetzen?

Vorstellung von Log.os

Log.os möchte eine Universalbibliothek kreieren, welche aber gleichzeitig als Marktplatz und soziales Netzwerk fungiert. Sie möchten damit eine Schneise in die derzeitig führenden Medienriesen schlagen und sämtliche Interessengruppen rund um das Thema Buch vereinen. Damit soll das kollektive digitale Buchwissen gesammelt, erschlossen und öffentlich zugänglich gemacht werden. Außerdem wollen sie das Publizieren und Vermarkten von Inhalten demokratisieren.

Ermöglicht werden soll dies durch eine einheitliche technische Infrastruktur, welche den kommunikativen Austausch sowie finanzielle und technische Transaktionen ermöglichen soll.

Was sind die Zielgruppen von Log.os?

Zu allererst steht der Leser im Vordergrund, für ihn soll es eine soziale Leseplattform darstellen. Hierbei wird auf folgende Aspekte wert gelegt: Es müssen sämtliche Inhalte verfügbar und eine direkte Nutzung gewährleistet sein und es muss sichergestellt werden, dass die jeweilige Rechtekette intakt und sauber abgebildet ist.

Es steht aber nicht nur der Leser im Fokus, sondern auch Autoren, Buchhändler, Verlage und die Gesellschaft im Allgemeinen. Hierbei fungiert Log.os unter anderem als Publishing-Plattform, Marktplatz für Bücher und als Vermarktungsebene von Inhalten.

Wie funktioniert Log.os?

Zu Beginn stehen die Texte in der Bibliothek im Mittelpunkt, was vom Lesen, ob gemeinsam oder allein, bis hin zum Schreiben und Vermarkten der eigenen Inhalten reicht. Hierbei existieren mehrere Benutzerebenen innerhalb der Bibliothek. Zum einen das Nutzerprofil: In diesem sind alle Daten und Inhalte hinterlegt. Außerdem laufen darin alle Interaktionen und Channel-Abos zusammen. Zum anderen existiert ein Werkprofil, in dem man alle Informationen zu einem bestimmten Buch findet, unter anderem Metadaten, Rezensionen und Diskussionen. Des Weiteren wird auch ein Channelprofil vorzufinden sein, welches zum einen von Nutzern erstellt und verwaltet und zum anderen von Buchhandlungen und Verlagen als Präsentationsebene für das Sortiment benutzt werden kann.

Organisationsstruktur von Log.os

Das Projekt von Log.os soll sich aus den folgenden drei Teilkomponenten zusammensetzen: Dem Förderverein, einer Stiftung und der GmbH.

Der Förderverein soll über Crowdfunding und Fundraising Kapital für Auf- und Ausbau einwerben und eine geeignete Organisationsplattform außerhalb der Vereins aufbauen und damit eine dauerhafte Unabhängigkeit garantieren. Die Stiftung wird gegründet, um die dauerhafte Neutralität der GmbH, die sich komplett sich um kontinuierliche Innovation bemühen soll und an Aufgaben im operativen Betrieb der Plattform arbeitet, zu gewährleisten. Zudem soll sie die Funktion eines Aufsichtsrates und Kontrollorgans inne haben, um den satzungsgemäßen operativen Betrieb der GmbH sicherzustellen.

Werden sie ihr Ziel durchsetzen?

Log.os ist ein sehr interessantes Projekt, das sich vielversprechend anhört und viele neue Innovationen mit mit sich bringt. Es scheint durchaus wahrscheinlich, dass sie sich zuerst in dem Markt etablieren können, aufgrund des Alleinstellungsmerkmals ihres Projektes. Zudem haben sie bereits einige prominente Unterstützer der Verlagswelt auf ihrer Seite, unter anderem Bastei Lübbe, die Verlagsgruppe Oetinger, C.H. Beck, der Buchreport und der Börsenverein.

Es soll aber nicht nur den Branchengrößen von Nutzen sein, sondern auch kleinen Verlagen und Buchhandlungen, die es bisher schwer hatten sich einer breiten Masse zugänglich zu machen. Ihnen wird mit Log.os diese Möglichkeit gegeben sich neben Größen wie Bastei Lübbe einzureihen und auf sich aufmerksam zu machen.

Zu guter Letzt lässt sich sagen, dass Log.os nicht nur einem einzigen von Nutzen sein soll sondern, dass es vielmehr der Gesellschaft, d.h. den Lesern, Autoren, sämtlichen Buchläden und Verlagen, einen gerechten und gleichen Nutzen liefern soll. Es bleibt weiter spannend um Log.os und es wird sich zeigen wie und wann sie sich am Markt durchsetzen werden.

Autor: Michael Kroschwald

25. Juli 2016

Auf Du und Du mit den Kunden – Der Uhrwerk-Verlag

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Es gibt kleine Verlage und gibt Nischenbereiche für Verlage. Und dann gibt es den Uhrwerk-Verlag, klein und nischig. Aber trotz seiner Größe von nur 6 Mann gehört er zu den ganz Großen in seinem Special-Interest-Bereich.

Was macht der Uhrwerk-Verlag eigentlich?

Logo des Uhrwerk Verlag

Pen & Paper Spiele, mit allem was dazugehört. Pen & Paper bezeichnet dabei Gesellschaftsspiele bei denen die Spieler in die Rolle von fiktiven Charakteren schlüpfen, um die Geschichte die sich der Spielleiter ausgedacht oder gekauft hat, zu erleben. Das wohl weltweit bekannteste Beispiel ist „Dungeons & Dragons“, das auch durch Erwähnungen in bekannten Serien und Filmen (zum Beispiel „The Big Bang Theory“) an Bekanntheit unübertroffen ist. Zwar hat der Uhrwerk-Verlag mit diesem Branchenriesen nichts zu tun, dafür begann er seine Arbeit in enger Kooperation mit dem größten deutschen Rollenspielverlag (Ulisses-Spiele) und seinem Hauptprodukt „Das Schwarze Auge“. Doch seitdem hat sich viel getan und bei Uhrwerk haben sich viele Welten für die Spieler gesammelt, vom Steampunk-Science-Fiction Setting in „Space 1889“ über klassische Fantasy in „Splittermond“ (oder „Herr der Ringe“) bis hin zum Tieranwälte-Tanz-Rollenspiel „Sea Dracula“. Auch ein paar Brettspiele und eigens für die Produkte des Verlags komponierte Musik-CD’s findet man im Portfolio.

Was macht den Uhrwerk-Verlag zu etwas besonderem in seiner Branche?

Logo der HeinzconTrotz seiner geringen Größe kennt eigentlich jeder, der Pen & Paper in Deutschland spielt, den Verlag. Denn trotz einer schier unüberschaubaren Anzahl an Kleinstverlagen und Independentprojekten in der Branche, schafft er es den wohl besten Kundenkontakt zu haben, den man sich wünschen kann. So sind die beiden Leiter des Verlags leidenschaftliche Besucher (und natürlich Aussteller) auf Rollenspielconventions und dort einem Schwatz nie abgeneigt. Auch pflegt man sehr gute Kontakte zu verschiedenen Blogs und Podcasts in der Szene. Unter anderem gibt es von einem eigenständigen Podcast mehrere Amateurfilme zu Produkten des Uhrwerk-Verlages. Außerdem ist ein Film am Entstehen, der komplett durch Crowdfunding finanziert wurde und dessen Entstehen man ebenfalls im Internet begleiten kann. Auch schafft man es als Fan relativ leicht im Uhrwerk-Verlag eine seiner Ideen zur Publikation zu bringen. Der Verlag stützt sich regelrecht auf die Vorschläge seiner Kunden und bindet sie so aktiv in sein Programm ein. Am deutlichsten zeigt sich die Wirkung seines ausgeprägten Kundenkontaktes aber in der hauseigenen Messe. Direkt an der Nordsee gelegen findet die so genannte Heinzcon statt, die seit ihrem Entstehen vor ein paar Jahren stetig mehr Besucher verzeichnet. So kamen 2016 bereits über 250 Menschen, um sich ein langes Wochenende ihrem Hobby hinzugeben. Keine schlechte Bilanz wenn man bedenkt, dass ein Ticket mindestens 90 Euro kostet. Und wer an diesem Punkt mehr Lust bekommen hat den Uhrwerk-Verlag unter die Lupe zu nehmen dem sei folgendes (un)seriöses Vorstellungsvideo empfohlen.

Autor: Tobias Tank

18. Juli 2016

Indiebookday – Ein Tag für die Unabhängigkeit

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Feiertage gibt es viele. Und sogar einen, der den kleinen unabhängigen Verlagen zugutekommt! Denn unter all den Neuerscheinungen in jedem Jahr gelingt es kleineren Verlagen meist nur schwer, ihren Titeln weitreichende Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dabei sollte doch im Grunde jedes Werk zumindest die Chance haben, wahrgenommen zu werden. Der Indiebookday versucht Abhilfe zu schaffen:

Plakat Indiebookday

Plakat des Indiebookday 2016

Das Konzept im Hintergrund

Im Jahr 2013 startete der erste Indiebookday als eine Initiative des mairisch Verlags. Die Idee, die dahinter steckt, orientierte sich am bereits bestehenden „Record Store Day“ und ist so simpel wie genial: Möglichst viele Menschen sind dazu aufgerufen, an diesem Tag ihrer Lieblingsbuchhandlung einen Besuch abzustatten und dabei auch gleich noch ein Buch eines kleinen Independent-Verlages zu kaufen. Weil das allein die Verleger zwar schon freuen würde, jedoch eher weniger Aufmerksamkeit generiert, präsentieren die Teilnehmer ihre erstandenen Werke mit einem hübschen Schnappschuss unter dem Hashtag #indiebookday auf den sozialen Netzwerken. Eine Zusammenfassung der aktuellen Beiträge von Twitter und Instagram findet ihr hier.

Internationales Indiebook-Fieber

Der diesjährige vierte Indiebookday am 26. März 2016 erfreute sich wieder großer Beteiligung von Buchhandlungen, Verlagen und Privatpersonen aus dem deutschsprachigen Raum. Aber auch international finden sich immer mehr Buchliebhaber, die sich vom Indiebook-Fieber anstecken lassen. Laut dem mairisch Verlag gab es beispielsweise in niederländischen Städten fast 20 verschiedene Veranstaltungen. In Deutschland unterstützte das KulturKaufhaus Dussmann in Berlin den Aktionstag und ließ dazu mehrere Indie-Verleger mit ihren Fans ins Gespräch kommen.

Hoffen wir, dass der Indiebookday auch in den nächsten Jahren möglichst viele Buchfreunde mobilisiert und den Indie-Verlagen eine Bühne bietet. Im folgenden Jahr findet die Aktion voraussichtlich am 1. April, dem Samstag nach der Leipziger Buchmesse, statt.

#indiebookday

Autor: Maike Grohs

11. Juli 2016

Tlele Books

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Tlele books“- was soll das denn bedeuten? Das fragt sich wohl erst einmal jeder, der diesen Namen liest. So auch ich, als ich auf der Website von „Kleinfairlage“ gestöbert habe. Genau das hat mich auch so neugierig gemacht und ich wollte sofort wissen was hinter diesem Namen steckt. Also auf zur Website von Tlele books.


Dort grinst mich gleich ein kleiner Junge an: „Biotologe Yann…baut mit den Biebern“ heißt es dort auf dem Buchcover. Ich bin sofort in der Welt von dem kleinen Biotologen Yann gefangen. Die Website ist professionell gestaltet und trotzdem erkennt man, dass es sich hier um Kinderbücher handelt, tolle Kinderbücher!
Es gibt insgesamt Zwölf, die von dem Biotologen Yann und seinen Abenteuern berichten. Mal ist er in Alaska oder Kananda unterwegs, ein anderes Mal schwimmt er im Great Barrier Reef. In jedem Buch ist Yann an einem anderen Ort.

Bücher als Familienprojekt

Die gesamte Buchserie heißt treffend: „Biotologe Yann reist um die Welt“. Doch Yann ist nicht etwa eine fiktive Figur- nein, Yann ist fünf Jahre alt und hat all diese Reisen wirklich erlebt. Es gibt sogar ein Youtube-Video auf der Website, in dem man einige Einblicke zu den Reisen bekommt. Das Interessante ist auch, dass die Autorin der Reihe Agnes Gramming-Steinland ist, die Mutter des fünfjährigen Jungen. Wenn man sich anschaut wer die tollen Bilder zu den Büchern fotografiert hat (Jim Gramming) und wer Produktion, sowie wissenschaftliche Begleitung übernommen hat (Michael Steinland), wird schnell klar, das ist ein Familienprojekt.
Die Bücher sind für Kinder ab dem Kindergartenalter gedacht und ich finde das absolut passend, denn so können sich die Kinder am besten mit der Hauptfigur identifizieren.

Umweltschutz für Kinder erklärt

Der kleine Verlag sitzt in Brandenburg und hat seit 2012 mit dem Publizieren der Reihe begonnen. Weitere Titel außer der zwölfbändigen Reihe um den Biotologen Yann gibt es leider nicht, aber wer weiß? Vielleicht überrascht uns Yann in ein paar Jahren mit neuen Abenteuern. Mich würde das sehr freuen. Am meisten an der Reihe fasziniert mich, dass hier auf kindgerechte Weise, neben dem Erzählen der Abenteuer, auch für Umweltschutz und bedrohte Arten sensibilisiert wird. Die Eltern des kleinen Yann untersuchen nämlich die Folgen des Klimawandels. Es gibt sogar ein Glossar mit interessanten Hintergrundinformationen, welches jedes Buch noch einmal mit einer lehrreichen Komponente versieht. Beim Lesen und stöbern bekomme sogar ich Lust auf neue Abenteuer und genau das macht ein gutes Kinderbuch für mich aus, dass nicht nur die Kinder begeistert sind sondern auch ihre Eltern Spaß am Vorlesen haben. Übrigens: „Tlele“ bedeutet Schmetterling auf Tlingit – der Sprache der Nordamerikanischen Natives.

Autor: Henriette Bode

7. Juli 2016

Achtung! Klischeefreie Zone

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So lautet das Motto der beiden Gründerinnen des unabhängigen binooki Verlages, die sich zum Ziel gesetzt haben ihre eigenen, nämlich die türkische und die deutsche Kultur, zusammenzuführen und Vorurteile à la Döner-Türken in beide Richtungen auszuräumen.

Wie kam es zu dem Verlag und was macht ihn so speziell?

Inspiriert von der Vielfalt der türkischen Literatur und den talentierten, jungen Autoren entschlossen sich die beiden Schwestern Inci Bürhaniye und Selma Wels im November 2010 auf der Buchmesse in Istanbul, dass eben jene auch in Deutschland Gehör finden sollten. So gründeten sie gemeinsam den bis dato einmaligen, darauf spezialisierten Verlag binooki, dessen Name sich aus dem Wort „Binokel“, also dem Fernglas, und „book“ zusammensetzt. Nachdem die wirtschaftlichen Vorkehrungen getroffen waren, holten sie schließlich Lizenzen bei türkischen Verlagen in Istanbul ein. So arbeiteten sich die Schwestern von Home-Office und Co-Working Spaces hin zu einem eigenen Verlagssitz in Berlin Kreuzberg, bis 2012 das erste Buch in den Druck ging und schließlich das erste Verlagsprogramm stand.

Was bietet der Verlag?

Das sehr vielfältige Programm bietet momentan knapp 30 Titel von türkischen Autoren. Es reicht von Erzählungen über Romane, Krimis, Fantasy bis hin zu Lyrik und Kinderbüchern. Wobei man sowohl gebundene Bücher, als auch eBooks im eigenen Online-Shop und bei ausgewählten Buchhändlern wie Dussmann kaufen kann.

Wie erreicht binooki seine Kunden?

Schon vor ihren ersten Veröffentlichungen haben die Schwestern begonnen ihren Verlag online aufzubauen. Dafür nutzen sie neben ihrer eigenen Website mit Blog sehr aktiv Facebook und Twitter. Auch Instagram bindet binooki in die Öffentlichkeitsarbeit ein, wo sie zum Beispiel im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals in Berlin 2012 unter dem Hashtag #berlinliestbinooki zu einem Fotowettbewerb zum Thema Lesen und Bücher aufgerufen haben. Dieser war schließlich so erfolgreich und erregte solch enorme Aufmerksamkeit für den Verlag, dass den Schwestern auf der Frankfurter Buchmesse 2012 der Virenschleuderpreis für besondere Marketing-Maßnahmen in der Buchbranche verliehen wurde.

Modern, vielfältig, unabhängig, engagiert, mutig – all das beschreibt binooki, einen kleinen Verlag von dem wir noch Großes erwarten können und die zwei Gründerinnen, die ihrem Ziel, Klischees zu beseitigen, treu folgen.

Autorin: Lena Franke

27. Juni 2016

Extrem anders – der Festa Verlag

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Harte, realistische Spannungsliteratur ist abseits des Mainstream schwer zu finden? Ein kleiner Verlag aus der Nähe von Leipzig beweist das Gegenteil. Die Texte aus dem Hause Festa sind düster, kompromisslos – und alles andere als trivial.

Bücher des Festa Verlag

Foto: Niklas Gaube

Wer einen nervenzerfetzenden Thriller, einen blutigen Krimi oder düstere Fantasy lesen will, dem bleiben oft nur die großen Namen der Autorenszene. Abseits der Bestsellerlisten wird der Leser von einer unüberschaubaren Zahl an Selfpublishing-Titeln überflutet, die meist nur eine zweifelhafte Qualität aufweisen. Die Suche nach anspruchsvolleren Werken gleicht mehr dem Perlenfischen. Oft muss erst ein Haufen Schund durchwühlt werden, bevor einige wenige Glanzlichter zum Vorschein kommen. Gerade in diesem Bereich tragen die etablierten Verlagshäuser leider auch wenig zur Abhilfe bei, denn mit der Backlist des Verlagsprogramms lassen sich schnell mehrere Regalmeter allein mit jenen Genres füllen.

Abseits des Alltäglichen

Der Festa Verlag aus Borsdorf bei Leipzig bietet hier seit mittlerweile fast fünfzehn Jahren eine Fundgrube für alle Unzufriedenen und ewig Suchenden an. Von Horror, Krimi und Thriller über Fantasy bis hin zu Erotik spannt sich das Verlagsprogramm und richtet sich ausdrücklich an erwachsene Leser. Frank Festa gründete den Verlag 2001 mit dem Anspruch, auch in Deutschland einen Anbieter für düstere, qualitative Spannungsliteratur zu etablieren. Oft wurde diese mit Groschenheften in Verbindung gebracht und vom literarischen Establishment als primitiv abgetan. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht, denn gerade in Deutschland war und ist das Schreibhandwerk außerhalb eines abgeschlossenen Germanistik-Studiums längst nicht so professionell strukturiert wie zum Beispiel im englischsprachigen Ausland. Als Konsequenz veröffentlicht Festa ausschließlich Übersetzungen von Autoren vorrangig aus den USA, beweist aber bei der Akquise viel Feingefühl. So hat der Schriftsteller Dan Simmons vom TV-Sender AMC bereits eine Serie in Aussicht gestellt bekommen und Science-Fiction-Geheimtipp Ian Tregillis wirkte schon am „Wildcards“-Projekt von George R.R. Martin mit. Ebenfalls hochinteressant für Fans sind die Komplettausgaben der Werke H.P. Lovecrafts und von Robert E. Howards Conan-Reihe. Um auch was fürs Auge zu bieten, werden alle Buchcover mit hochwertiger Lederoptik ausgestattet, ein kostenloser Rückgabeservice für alle Titel über 66 Tage unterstreicht das Qualitätsversprechen zusätzlich.

Logo des Festa Verlag

(Quelle: festa-verlag.de)

Nichts für schwache Nerven

Eine weitere Besonderheit ist das Imprint „Festa Extrem“, unter welchem Bücher mit deutlich pornografischen Inhalten und expliziter Gewaltdarstellung veröffentlich werden, weshalb die Titel ohne ISBN erscheinen und nur direkt beim Verlag bestellt werden können. So ein Verlagsprogramm ist natürlich nichts für den Massenmarkt, aber vor allem Genre-Fans finden bei Festa ein breites Angebot, dessen Preisniveau kaum über dem eines üblichen Taschenbuchs liegt. Auch aus eigener Erfahrung ist der Verlag eine Empfehlung für alle, die während des Wartens auf das neue Werk ihres Lieblingsautors Lesestoff für zwischendurch benötigen und dennoch das Vergnügen eines gut geschriebenen Textes nicht missen möchten.

Autor: Niklas Gaube

20. Juni 2016

Der Ruf nach Individualität – Personalisierbare Kinderbücher

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Die wohl bekanntesten Helden meiner Kindheit hießen Pippi, Hanni und Nanni, Findus oder Conni. Ich fand Freunde und Helden in ihnen und gerne wollte ich so sein wie sie. Dieser Wunsch nach eigenen Abenteuern kann sich jetzt für Kinder erfüllen (zumindest auf dem Papier)! Das Zauberwort lautet: personalisierbare Kinderbücher.

Was sind personalisierbare Kinderbücher?

Wie der Name bereits andeutet, ermöglicht diese Art von Bilderbüchern den Kindern selbst die Hauptrolle der Geschichte einzunehmen. Ihre Namen werden dabei an die Protagonisten vergeben. Zudem wird die Gestaltung des Buches nach Geschlecht unterschieden. Nun begibt sich das Kind in der Geschichte auf die Suche nach seinem Namen, findet einen Buchstaben nach dem anderen, die am Ende den Namen des Kindes ergeben. Bei einem kurzen Namen, werden zusätzliche Füllseiten mit extra Geschichten eingefügt, damit das Buch nicht zu kurz ist. So zumindest das Prinzip nach dem das DIY-Projekt „Ach du Schreck,mein Name ist weg!“ (www.lostmy.name/de) arbeitet.

Warum sind sie so erfolgreich?

Inzwischen hat lostmyname in 174 Ländern über 1,5 Mio. Bücher verkauft. Dies liegt wohl vor allem daran, dass es heutzutage immer schwieriger wird, Kinder mit individuellen, hochwertigen Geschenken abseits von Lerncomputern und anderen elektronischen Geräten glücklich zu machen und sie zugleich zum Lesen zu animieren. Lostmyname schafft beides: Abenteuer und Spaß mit liebevoll gestalteten Figuren und Welten, wodurch den Kindern das Lesen mehr als schmackhaft gemacht wird. Wenn die Hauptrolle dann auch noch den eigenen Namen trägt, leuchten Kinderaugen auf. Man wird selbst zum Helden und reist als mutiger Junge oder als mutiges Mädchen zu verschiedenen Orten, immer auf der Suchen nach einem weiteren Buchstaben.

Dass so ein Buch nicht jeder hat, erhöht zudem den Individualitätsfaktor und macht den Nachwuchs stolz.

Mein Fazit?

Für 26,99€ (in der Standard-Ausführung) kauft man ein individuelles Präsent, an dem das beschenkte Kind lange und vor allem immer wieder Freude haben wird. Denn ein Buch kann man ja bekanntermaßen mehr als einmal lesen. Dadurch, dass sich mit unterschiedlichen Namen auch die Geschichte ändert, lohnt sich das mehrmalige Recycling der Geschenkidee zum Beispiel für Geschwisterkinder.

Insgesamt gefällt mir die Idee sehr gut und sie kommt definitiv auf meine Geschenkeliste für all meine kleinen Nichten, Neffen, Cousins usw.!

Autor: Marie-Theres Ebersoldt

13. Juni 2016

Der Mairisch Verlag

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Das tun, was einem wirklich am Herzen liegt, wovon man begeistert ist. Entscheidungen frei treffen, unabhängig sein. Das alles steht für einen Independent- Verlag. Das alles steht für den Mairisch Verlag aus Hamburg.

Obwohl der Name „Mairisch“ eher durch einen Zufall entstanden ist und ausschließlich für die Gründer selbst eine Bedeutung hat, kommt man nicht umhin darüber zu schmunzeln. Aus dem Hessischen übersetzt spricht man hier nämlich von „Unkraut“. Doch mit Unkraut hat dieser Verlag nur eines gemeinsam – er wächst. Und er hat sich mittlerweile stark in der Verlagswelt etabliert.

Wie fing alles an?

Schon seit ihrer Kindheit kennen sich die drei Gründer Peter Reichenbach, Blanka Stolz und Daniel Beskos. Mitte der Neunziger Jahre vereinten sie, inspiriert von Literaturevents und Poetry Slams, ihre gemeinsamen Interessen, um Lesungen in einem hessischen Kulturzentrum zu veranstalten. Die Idee kam bei den Besuchern gut an, die entsprechenden Einnahmen blieben jedoch vorerst aus. Es sollte ja auch ein Hobby bleiben. Oder etwa doch nicht?

Schnell wurde klar, dass aus dem Projekt der drei Studenten mehr werden könnte. Die Idee, 1999 einen Verlag zu gründen, wurde jedoch frei aus dem Bauch heraus entschieden und enthielt zunächst keine großen Erwartungen an die Zukunft.

Was bietet der Verlag?

Das Verlagsprogramm ist vielfältig und zeigt auch hier: Sie machen das, was ihnen am Herzen liegt. Belletristik, Erzählbände, Comics im Buchformat, sogenannte „Graphic Novels“, immer mit dem Augenmerk auf zeitgenössische Literatur junger deutscher Autoren und ganz wichtig auch – Debüts.

Später holt der Verlag auch die Hörspielanthologien „pressplay“ ins Boot. Eine damalige Einzigartigkeit in der Verlagswelt. Hier werden Stücke der freien Hörspielszene vereint und gebündelt veröffentlicht. Und auch das sollte noch nicht alles gewesen sein. Denn ebenso die Zusammenarbeit mit Musikern ist eine wichtige Option für den kleinen Verlag aus Hamburg.

Wow, ganz schön viel. Wie funktioniert da der Vertrieb?

2005 entschied sich der Verlag die Werke auch über den Buchhandel zu vertreiben, und wenig später eröffnete er mit dem Label „Devil Duck Records“ ein Ladenlokal unter dem Namen „About Songs and Books“, wo nicht nur eigene Bücher und Schallplatten, sondern auch ausgewählte Lieblingsstücke anderer Labels verkauft werden sollten. Außerdem finden hier regelmäßig Lesungen, Konzerte, Lesekonzerte, Ausstellungen und Vorträge statt. So muss nicht jedes Mal extra eine Location gemietet werden – ziemlich clever! Wenn das mal nicht wieder ein Zeichen der Unabhängigkeit ist.

Was macht den Verlag noch so sympathisch?

Es geht nicht darum, wie viel, sondern was verkauft wird. Ein Verlag mit Herz, der seine Autoren, Musiker und Illustratoren schätzt und ihnen ein Rundum-Sorglos-Paket bietet. Ein Verlag, der sich eine wichtige Sache als Ziel gesetzt hat- weiterhin unabhängig zu bleiben. I like.

Autorin: Sophie Rothe

6. Juni 2016

Bleiben Print-Produkte unverzichtbar für Zeitungsverlage?

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Werden Zeitungsverlage ihre Print-Produkte bald nur noch im Keller vorfinden? Bill Gates prophezeite bereits 1990 das Ende der Zeitungen für das Jahr 2000. Eine Null-Nummer, diese Aussage. Aber wie sieht es heute, 16 Jahre später, aus?

Zeitung

Foto: Nicole Steeg

Ein Leben ohne gedruckte Zeitungen ist für viele Konsumenten kaum vorstellbar und für andere  wiederum kaum von Bedeutung. Warum auch? Schließlich gibt es jetzt die digitale Welt, die durch mehr aktuelle, individuelle Informationen zu einem geringeren Preis der Print-Branche den Rang abläuft. Informationen können dort schnell und einfach mit zusätzlichen multimedialen und interaktiven Funktionen abgerufen und kommentiert werden. Die langjährigen Zeitungsleser jedoch lieben es, am Frühstückstisch oder auf der Couch, schön gemütlich die Zeitung „frisch aus dem Briefkasten“ aufzuschlagen. Nun soll man ständig ein elektronisches Gerät benötigen, um an Informationen zu kommen. Informationen, die ein jeder ins Netz stellen kann. Ist hier noch die Rede von einem glaubwürdigen und seriösen Content? An diesem sind die Leser zumindest noch sehr interessiert. Laut ARD/ZDF-Studie-Massenkommunikation lesen immerhin ca. 47 Millionen Deutsche jeden Tag mindestens 23 Minuten Tageszeitung. Kein schlechtes Ergebnis bei einer täglichen Mediennutzung von 9,5 Stunden, welche im Jahr 2015 vor allem mit Konkurrenzmedien wie Fernsehen, Internet und Radio geteilt wird.

Alle Kanäle bedienen

Das gedruckte Wort ist also auch in den nächsten Jahren unverzichtbar. Zumindest lässt es sich so für die Digital Natives, die heute 14 bis 29-Jährigen, vermuten. Unter ihnen wird es immer welche geben, die ihre Zeitung auch gedruckt lesen, schließlich haben sie es in Kindesjahren noch so kennengelernt. Aber was ist mit der darauffolgenden Generation, den Mobile Natives? Diese Kinder begegnen uns eigentlich fast überall mit mobilen Geräten in der Hand. Das sind halt wahre „Smombies“, sagt man in der heutigen Jugendsprache. Wird bald alles nur noch auf der Online-Ebene ablaufen? Können Zeitungsverlage dann einpacken oder sollten sie von jetzt an ihre Kampfstrategie – Reichweite erlangen – nur noch in der digitalen Welt bestreiten? Eckhard Baumbach, Verlagsleiter des SonntagsWochenBlattes in Torgau, gibt auf diese Frage ein eindeutiges Nein. „Lesergewohnheiten sind unberechenbar, es wird immer Menschen geben, die auch das gedruckte Wort lesen. Um eine lokale Vernetzung wie in unserem Geschäftsmodell zu erreichen, muss ein Verlag alle Kanäle bedienen. Nur so kann er seiner Aufgabe, Sender und Empfänger zusammenzubringen, gerecht werden. Das Digitale und das Gedruckte sollen sich nicht duellieren, sondern sich gegenseitig ergänzen. Ganz nach dem Motto: das neue Tun, ohne das Alte zu lassen.“

Verlage stellen sich breiter auf

Verlage werden also weiterhin wichtig auf dem Markt sein, um Inhalte seriös aufzubereiten. Es ist eine gute Strategie, auch in Zukunft auf beide Pferde zu setzen. Im Vordergrund könnte die Vermarktung des digitalen Contents und die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle sein, ohne die Printprodukte zu vernachlässigen. Viele Verlage haben schon jetzt Ihr Portfolio auf Produkte wie Apps, Web-Dienstleistungen und Veranstaltungen erweitert, um die Verluste im Print auszugleichen. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die neue, moderne Welt weiter entwickelt. Wer weiß, vielleicht ist es in ein paar Jahren wertvoll, eine gedruckte Zeitung zu Hause auf dem Tisch liegen zu haben.

Autorin: Nicole Steeg

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