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19. Juli 2014

Der Siegeszug des kommerzialisierten E-Books – Teil 2: Der Einzelhandel im Wandel

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Derzeit ist das E-Book wohl eines der meist diskutierten Themen der Verlagsbranche. Experten prophezeien dem E-Book eine glorreiche Zukunft. Gerade durch den Verkauf passender Lesegeräte erhält das digitale Buch Zugang zu einem Massenmarkt. Ob sich dieser Trend zum digitalen Buch tatsächlich durchsetzen wird? Und welche Wachstumstreiber hier eine Rolle spielen? Dies beantworten mehrere Studien zum Thema. Sie geben Experten zufolge Aufschluss über zukünftige Geschäftsmodelle und kommende Vertriebsstrategien erfolgreicher Verlage.

Der deutsche Einzelhandel ist seit Jahren starken strukturellen Verschiebungen ausgesetzt. Zwar sei dieser Wirtschaftszweig im volkswirtschaftlichen Kontext noch immer sehr wichtig, doch sehen Experten große Herausforderungen. Nach einer neuen Verbraucherstudie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes, kurz HWWI, im Jahr 2013 führen geringe reale Umsatzsteigerungen zu einem Bedeutungsverlust stationärer Vertriebslinien und zu verschärftem Wettbewerbsdruck. Umsatz und Flächenproduktivität sinken, die Verkaufsflächen hingegen nehmen im Einzelhandel seit Jahren zu.

Konzentration und Wettbewerb im Einzelhandel

Experten beobachten im stationären Einzelhandel fortschreitende Konzentrationsprozesse auf wenige große Einzelhandelsunternehmen. Sie gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetze und den Einzelhandel zusätzlich belaste. Steigende Wettbewerbsintensität, die hohe Ausstattung der Verbraucher mit Gütern, und geringe Markteintrittsbarrieren führen zu konstanten Umsätzen, sinkenden Gewinnen und wachsendem Margendruck. Die großen Handelsketten reizen ihre Marktmacht aus, um sich über den Preis und Größenvorteile im Markt zu profilieren. Kleine und mittelständische Unternehmen seien zumeist nicht in der Lage mit den Großunternehmen mitzuhalten – nach Aussagen der Experten müssen sie dies auch nicht, wenn sie eigene Stärken besser herausarbeiten und Nischen besetzen.

Die Lage im Buchmarkt korrespondiert in weiten Teilen mit der Lage des gesamten Einzelhandels: Nach Angaben des Börsenvereins ist der stationäre Bucheinzelhandel von Konzentration gekennzeichnet. Rund 10 Prozent der Filialisten erwirtschaften gut zwei Drittel des Branchenumsatzes. Diese Konzentration zeige sich auch bei der Anzahl der Mitarbeiter auf wenige große Buchhändler. Der intensive Wettbewerb der Filialisten untereinander führe zu einer anhaltenden Verdrängung inhabergeführter Buchhandlungen. Experten begründen den Verdrängungswettbewerb u.a. mit der wachsenden Verhandlungsmacht großer Buchhandelsketten. Diese konkurrieren um attraktive Flächenkonzepte und den Aufbau profitabler Ladennetze.

Wettbewerbsvorteile verlagern sich

Die Studie der HWWI offenbart einen gesättigten Markt der durch Verdrängungswettbewerb gekennzeichnet ist. Die Verdrängung von guten Strategien durch bessere Strategien, nehme aufgrund des hohen Innovationstempos und des Internets als glaubwürdige Bezugsquelle von Informationen stetig zu. Stationäre Unternehmen im Einzelhandel geraten in Bedrängnis, wenn neue Vertriebslinien wie beispielsweise der Internethandel bewährte Geschäftsmodelle und Vertriebsformen erschöpfen. Die Globalisierung vieler Geschäfte im Online-Handel hingegen generieren u.a. durch internationale Lieferfähigkeit und kostengünstigere Standortvorteile höhere Netto-Reichweiten und schnellere Umsätze. Experten bewerten die gestiegene Transparenz und grenzüberschreitende Einkaufsmöglichkeiten im Internethandel auch positiv, wenn Einzelhändler diese Vorteile für sich selbst nutzen und ihr Kerngeschäft damit stärken. Die digitale Produktauswahl und der Wunsch der Kunden nach Bequemlichkeit bieten Händlern und Verlage gleichermaßen durch Differenzierung neue Vertriebsstrategien.

Hinzu kommen individualisierte, preisbewusste und, durch den Einsatz des Internets, bestens informierte Kunden, die Transaktionen im Internet und über Mobiltelefone dem stationären Einkaufserlebnis vorziehen. Diese Entwicklung sei Experten zufolge für viele Kunden attraktiv und Teil eines neuen Selbstverständnisses. Die gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologien im Alltag verbunden mit einer flächendeckenden Verfügbarkeit von kostengünstigen Lesegeräten begünstigen den Trend des E-Books.

Der erste Artikel „Veni, vidi, vici. (Ich kam, sah, siegte.)“ unterstreicht den Siegeszug des kommerzialisierten E-Books im digitalen Buchmarkt durch den Einsatz neuer Endgeräte.

Autor: Mike Demmig

8. Juli 2014

Streaming – der Vertriebskanal der Zukunft für Hörbücher?

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Der neue Vertriebskanal Streaming kennt in der Musik- und in Hörbuchbranche umsatztechnisch momentan nur eine Richtung: nach oben. Obwohl erste Streaming-Anbieter bereits seit 2005 im deutschen Markt präsent waren, hat sich der Trend erst 2012 in D durchgesetzt: Im Juni 2012 wurden rund 144 Millionen Streams gezählt, diese Zahl hatte sich im Dezember 2013 bereits mehr als vervierfacht. Parallel dazu stieg der Umsatz mit physischen Hörbüchern 2013 um 3,9 Prozent, während Vertrieb von Hörbüchern über Online- Kanäle um 2% zulegte. Diese Zahlen kamen für die Buchbranche relativ überraschend, wurde Hörbüchern 2012 noch für letztes Jahr ein Umsatzminus prognostiziert. Nun diskutieren Hörbuchverleger und Buchhändler: Woher kommt dieses überraschende Umsatzplus? Liegt es am für Hörbücher neuen Vertriebskanal „Streaming“ und ist vielleicht Streaming der Vertriebskanal der Zukunft für Hörbücher?

Der deutsche Buch- und Hörbuchmarkt sind eng miteinander verbunden. Hörbuchverlage nutzen hauptsächlich die gleichen Vertriebskanäle wie Buchverlage. Der Hörbuchmarkt zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass Hörbücher nicht nur von Buchverlagen, sondern auch von unabhängigen Hörbuchverlagen und Unternehmen der Musikbranche produziert werden. Dies führt dazu, dass vor allem Letztere mit anderen Vertriebswegen mehr experimentieren als es in der Buchbranche üblich ist.

Ein Hörbuchverlag hat mehrere Möglichkeiten, ein Hörbuch als physisches Produkt zu vertreiben. Die CD ist seit Jahren das gängigste Trägermedium. 2009 brachte der Hörbuchverlag „Radioropa“ die ersten Hörbücher als Mp3 auf einer Mikro-SD-Card in den Buchhandel. Seitdem wurde viel mit alternativen physischen Medien experimentiert, zum Beispiel der Verkauf von Mp3-Playern mit einem vorinstallierten Hörbuch. Nichts konnte sich als Alternative physische Form gegenüber der CD erfolgreich durchsetzen.
Der klassische Versandbuchhandel indes erlebt zugunsten des Onlineversandhandels seit Jahren einen kontinuierlichen Rückgang: 2012 sank der durch den klassischen Versandbuchhandel gemachte Umsatz um 13,9%, während der Umsatz des Versandbuchhandels einschließlich Internetbuchhandel um 6,3% stieg. Diese Verschiebung lässt sich genauso beim Versandhandel von Hörbüchern beobachten – der klassische Versandbuchhandel spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Im Internetbuchhandel ist, nach aktuellen Schätzungen der Onlineversandhändler, Amazon mit einem geschätzten Marktanteil von 84% eindeutiger Marktführer.

Abo-Modelle: Neben dem Einzeldownload spielt im Hörbuch-Downloadbereich auch das Abonnement eine Rolle, das dem Endkunden im Rahmen einer monatlichen oder jährlichen Gebühr Zugriff auf ein breites Titelangebot eröffnet. Verlage machen einen großen Teil ihrer Umsätze mit Downloadportalen mit dem amerikanischen Hörbuch-Anbieter Audible, welcher 2008 von Amazon übernommen wurde. Auch Audible bietet neben dem Einzelkauf von Hörbüchern vorrangig die Auswahl zwischen verschiedenen Abo-Modellen an: Der Kunde zahlt monatlich einen bestimmten Betrag und erhält dafür jeden Monat ein Hörbuch seiner Wahl umsonst sowie einen günstigeren Preis für andere Hörbücher des Shops. Auch bei den Abo-Modellen gibt es in Deutschland keine nennenswerte Alternative zu Amazon. Das Barsortiment Libri hat seinen Versuch, Hörbücher im Abo anzubieten, Anfang 2014 eingestellt.

die Onleihe: Kunden einer Stadtbibliothek (Deutschland, Österreich und Schweiz) haben die Möglichkeit auf der Plattform „Onleihe“ des Bibliotheksdienstleisters DiViBib digitale Medien wie E-Books, Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Hörbücher mit ihrem Bibliotheksausweis für die Dauer einer festgesetzten Frist über deren Homepage oder die Onleihe-App auszuleihen. Dabei kann jedes Medium, wie in einer Bibliothek, von nur einem Nutzer gleichzeitig ausgeliehen werden. Nach Ablauf der Frist lässt sich das Hörbuch nicht mehr öffnen. Aber obwohl die E-Books und Hörbücher in digitalisierter Form existieren, erteilen Verlage nur zögerlich Nutzungslizenzen und argumentieren, digitale Inhalte zeigen im Gegensatz zu physischen Medien keine Verschleißerscheinungen. Viele Verlage sind keine Teilnehmer der Onleihe, wie zum Beispiel die Holtzbrinck-Gruppe.

Streaming/„Flatrate“: Das Streaming ist ein vom Hörbuchmarkt noch wenig erschlossener Vertriebskanal. Bei Streaming-Portalen handelt es sich um Intermediäre, die Musik oder Hörbücher zu einem bestimmten Betrag pro Monat oder Jahr anbieten, mit dem Unterschied zum Abo-Modell, dass der Kunde nicht das Hörbuch kauft, sondern jederzeit online darauf zugreifen und es abspielen kann. Führender Anbieter ist hierbei der Streaming-Anbieter Napster, der seit 2009 Hörbücher im Angebot hat, heute etwa 3.000 Titel. Vom monatlichen Nutzungsbeitrags des Kunden werden 75 bis 80 Prozent an die Musikindustrie abgeführt, weshalb viele Hörbuchverlage darauf verzichten, den eigenen Hörbuch-Katalog oder einen Teil für das Angebot eines Streaming-Portals zur Verfügung zu stellen. Verlage, die bereits bei Musik-Streaming-Anbietern vertreten sind (z.B. Argon, Lübbe Audio), sprechen im Bezug auf die Umsätze über geringe, aber stabile Zusatzumsätze, sehen aber Streaming mehr als Marketingtool denn als Vertriebskanal.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der stationäre Buchhandel auch 2013 noch nach wie vor der wichtigste Vertriebskanal für Hörbücher ist: Laut der Media Control Gfk International stieg der Umsatz des deutschen Buchhandels mit physischen Hörbüchern in Deutschland im Jahr 2013 sogar um 3,6%.
Jedoch der Vertriebskanal mit dem größten Entwicklungspotential ist das Streaming – die positive Umsatzentwicklung in digitalen Vertriebskanälen trotz wachsender Zahl der physisch verkauften Hörbuch-CDs zeigt, dass der physische Vertrieb und Streaming noch nicht im Substitutionsverhältnis zueinander stehen, sondern stattdessen neue Zielgruppen erreicht werden können, für die durch Streaming der Erstkontakt mit dem Hörbuch zustande kommt und die zusätzlich Hörbuch-CDs kaufen. Inwiefern in den nächsten Jahren dieser Zustand anhalten wird oder eine Umsatzverlagerung innerhalb der verschiedenen Vertriebskanäle stattfinden wird, ob digitale Vertriebskanäle den Buchhandel als wichtigsten Vertriebskanal ablösen werden oder ob das Streaming sich lediglich zu einem Nischen-Vertriebskanal entwickeln wird, bleibt offen.

Autorin: Flora Ihlau

7. Juli 2014

Bewerbungsstart für das Speedmeeting auf der FBM

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Auch zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse bieten wir euch wieder die Gelegenheit auf dem Speedmeeting mit Führungskräften aus der Verlagsbranche in Kontakt zu treten.

Am Freitag, den 10. Oktober habt ihr die Möglichkeit in kurzen, zwanglosen Bewerbungsgesprächen Kontakte zu knüpfen, Eindrücke zu sammeln und zu hinterlassen.

Teilgenommen haben in den letzten Jahren bereits namhafte Verlage wie Ravensburger Verlag, Books On Demand, Gräfe und Unzer Verlag, Carlsen, Coppenrath, Droemer Knaur, epubli, Oetinger Verlag, Audio Verlag und andere.

Ab sofort könnt ihr euch für das Speedmeeting in Frankfurt bewerben. Sendet uns bis zum 5. September 2014 einen kurzen Motivationstext und euren Lebenslauf an speedmeeting@verlagederzukunft.de.

Beachtet dazu bitte auch die weiteren Informationen unter http://www.verlagederzukunft.de/veranstaltungen/speed-meeting.

30. Juni 2014

Self-Publishing auf dem asiatischen Markt

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Asien beheimatet mit seinen 4,2 Milliarden Einwohnern mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung. Dies birgt ein riesiges Potenzial für die asiatische Buchbranche, wenn auf die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen eingegangen wird. Was bedeutet das für Digital- und Self-Publishing auf dem Kontinent? Alice Clark-Platts hat dies für euch untersucht!

10. Ubud Readers & Writers Festival, Bali, Indonesien

10. Ubud Readers & Writers Festival, Bali, Indonesien © All rights reserved by Matt Oldfield and UWRF

Im Oktober 2013 fand das 10. Ubud Writers & Readers Festival, ein Literaturfestival auf Bali, statt. Dort erwähnte Nury Vittachi, Autor der Feng-Shui-Detektiv-Serie, im Gespräch mit Sebastian Faulks die Stärke des asiatischen Buchmarktes. Im Bezug auf die Bevölkerung verblassen die Buchmärkte der USA, Großbritannien und Europa im Vergleich zu der Masse des asiatischen Marktes. Allein in Indien wächst die Buchbranche nach Schätzungen pro Jahr um 30 Prozent.

Was bedeutet das für die Veröffentlichungen und insbesondere für Self-Publishing?

Nun, in sehr kleinen Märkten wie Hong Kong, das traditionell hauptsächlich als englischsprachiger Markt auftritt, müssten aufgrund des Skaleneffektes mindestens 2.000 Exemplare eines Titels gedruckt werden, damit es für den Verlag wirtschaftlich sinnvoll ist. Bei den gegebenen Marktgrößen entspricht dies in etwa einem Titel, der in den USA 2 Millionen Mal gedruckt wird. E-Books und Self-Publishing bieten hier eine Möglichkeit, um diesen wertvollen Markt für angehende Autoren attraktiv zu machen, wenn Verlage aufgrund eines wirtschaftlichen Risikos entscheiden, auf dem Markt nicht aufzutreten.

Oder betrachten wir das Schwellenland Indonesien, mit seiner Bevölkerung von über 240 Millionen Einwohnern, die auf über 17.500 Inseln leben. Der Buchmarkt ist stark zergliedert und traditionelle Verlagshäuser können es hier schwer haben, die Leser zu erreichen, während flinke Self-Publisher vielleicht eher in der Lage sind, Nischen zu entdecken und erfolgreich zu publizieren.

In China ziehen Self-Publishing-Webseiten mit Geschichten von chinesischen Autoren 40 Prozent des Web-User-Traffics an. Dies deutet darauf hin, dass die Autoren in China wesentlich schneller als die westlichen Autoren waren, um die Bedeutung der digitalen Medien als geeignetes Instrument zu erkennen, um sich dem Leser anzunähern.

Was ist mit neuen Geschäftsmodellen wie Crowdfunding für kreative Projekte?

Der asiatische Markt hat sich Crowdfunding nur langsam genähert – Bedenken über öffentliches Versagen und Gesichtsverlust könnten Gründe für diese Zurückhaltung sein. Allerdings ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis Unternehmen, wie die in Singapur ansässige Crowdfunding-Plattform „Crowdonomic“ für asiatische StartUps, Technik oder kreative Projekte angenommen und erfolgreich sein wird.

Die Vielfalt der asiatischen Märkte bedeutet, dass herkömmliche Verlage nicht den Launen und Nuancen des jeweiligen Marktes ausgesetzt sind. Hier können aber auch Self-Publisher angreifen und die unterschiedlichen Märkte hinsichtlich beliebter Genres und bestimmter Interessen auskundschaften. So sind beispielsweise 25 Prozent der indonesischen Bevölkerung Kinder im Schulalter. Autoren von Kinder- und Jugendliteratur können sich daher von den sich dort bietenden Möglichkeiten faszinieren lassen.

Self-Publishing gibt den Autoren in Asien Kontrolle – nicht nur hinsichtlich Inhalt, Stil und Präsentation ihres Buches, sondern, noch wichtiger, in Bezug auf die Gewinne. Bei traditionellen Verlagsverträgen wird dem Autor manchmal nur ein Gewinnanteil von 10 Prozent der Verkaufserlöse zugesprochen.

Unternehmen wie Trafford Publishing in Singapur bieten Dienstleistungen für Self-Publisher von der Redaktion bis hin zur Vermarktung. Dies kann den Autoren bei eventuellen Startschwierigkeiten helfen. Ebenso bieten Self-Publishing-Gurus wie Joanna Penn (www.thecreativepenn.com) eine Fülle von Artikeln und Informationen, die den Autoren ihren Weg erleichtern.

 Autorin: Alice Clark-Platts

23. Juni 2014

Kantersieg für die brasilianische Buchbranche?

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In diesen Tagen dreht sich alles um die schönste Nebensache der Welt, die in einem Land zelebriert wird, das sich wie kaum ein anderes dafür begeistert. Farbenfrohe Bilder von feiernden Menschen flimmern über die Fernseher. Am Rande davon immer wieder Berichte von sozialen Unruhen: Proteste für mehr Gerechtigkeit. Geradezu paradox erscheint die Bevölkerung – teils schwimmend auf einer Welle der Euphorie für ihr Land, teils enttäuscht von der Politik ihres Staates. Was für eine Kultur steckt hinter diesem Volk und wie entwickelt sich insbesondere die Buchbranche dort im Moment?

FlaggeNoch vor wenigen Jahren war Brasilien ein einziges Wirtschaftswunder mit Wachstumsraten von über 8%, steigender Bevölkerungsrate und vielen Unternehmensneugründungen. Doch mittlerweile ist das fünftgrößte Land der Welt an seine Grenzen gestoßen: Korruption, wirtschaftliche Missstände und die immer noch große Kluft zwischen Arm und Reich werden von der Bevölkerung angeprangert. Die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele 2016 sollen die Konjunktur wiederbeleben.

Aber nicht alle Teile der brasilianischen Wirtschaft stagnieren derzeit: Die Buchindustrie sticht mit einem Wachstum von 7% im Jahr 2011 und 4% im Jahr 2012 positiv hervor. Laut der Studie Retratos da Leitura no Brasil wurde ein deutlicher Anstieg der Lesehäufigkeit festgestellt. 2012 hat die brasilianische Buchindustrie, die 50% aller Bücher Lateinamerikas produziert, 1,84 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Zwar gibt es dort keine Buchpreisbindung, aber dafür genießen Bücher das Privileg, von der Umsatzsteuer befreit zu sein. Brasiliens Buchbranche schaut auch weiterhin optimistisch in die Zukunft: Die Anzahl der Universitäten nimmt zu und der digitale Bereich, der bis dato von Apple dominiert wird, bietet noch viele Wachstumsmöglichkeiten.

Die Regierung ist der größte Buchkäufer

Bis vor nicht allzu langer Zeit war Lesen in Brasilien ein Privileg der Elite. Noch gibt es kaum Lesekultur im Straßenbild und Analphabetismus ist verhältnismäßig weit verbreitet. Nun professionalisiert sich der Markt. Als Europäer kann man nur neidvoll die Eröffnungen von Großflächenbuchhandlungen und kleinen unabhängigen Läden beobachten. Am stärksten wachsen der Lehrbuchbereich und der Kinder- und Jugendbuchmarkt. Die Gründe hierfür liegen hauptsächlich bei den Maßnahmen der brasilianischen Regierung, die das marode Bildungssystem modernisieren will. So kauft der Staat Bücher an und verteilt diese an Schulen – und sorgt damit für ein Viertel der gesamten Buchumsätze des Landes.

An Universitäten wird die Literatur sehr wichtig genommen. Eine stolze Anzahl von 2176 Doktoren beschäftigt sich an den Hochschulen Brasiliens mit dem Literaturbetrieb des Landes. Außer den Schulen und Universitäten übernehmen Buchmessen die Funktion der Verbreitung von Lesekultur. Literaturfestivals, Messen und Lesefeste mit musikalischem und tänzerischem Beiprogramm erfreuen sich einer sehr großen Beliebtheit.

Ein Priester wird zum Medienstar

Brasilien hat eine dynamische und vielfältige Literaturszene, die durchaus mehr zu bieten hat, als den großen Star Paulo Coelho, dessen Bücher weltweit 145 Millionen Mal verkauft wurden. Aus Brasilien stammt beispielsweise auch Patrícia Melo, die aktuelle Preisträgerin des LiBeraturpreises, der auf der Leipziger Buchmesse an Autoren aus dem afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Raum verliehen wird. Die Bestsellerlisten werden meist von populären Titeln wie den Shades Of Grey-Romanen und von internationalen Autoren wie Dan Brown dominiert. Absatzstärkster Titel 2013 wurde aber dann doch ein einheimisches Buch: Kairós, der Titel eines katholischen Priesters, der nicht nur Bücher schreibt, sondern auch in Fernseh- und Radioshows auftritt und in Brasilien als Megastar gefeiert wird.

Nur wenige brasilianische Autoren können vom Schreiben leben. Mit den Literaturfestivals ist eine künstlerische Szene rund um den Literaturbetrieb entstanden, die manche ihrer Autoren wie die Fußballstars im Moment feiert. Bei einigen Lesungen ist der Publikumsandrang nicht mehr zu bewältigen. Von einem Lesefestival in einem Dorf am Meer spricht man schon als „literarisches Disneyland Brasiliens“. Dank solcher Veranstaltungen, bei denen sich Lesungen, Konzerte und Partys aneinanderreihen, können einige Schriftsteller genügend Geld verdienen. Nur mit dem Verkauf seiner Bücher kann kaum einer seine Ausgaben decken.

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner

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Seit 1970 findet jährlich die Bienal Internacional do Livro de São Paulo statt, die größte Buchmesse Brasiliens mit in den letzten Jahren jeweils etwa 750.000 (!) Besuchern (zum Vergleich: Die Frankfurter Buchmesse hatte 2013 etwa 280.000). Ein Schwerpunkt deMessen ist immer der Kontaktgewinn mit ausländischen Verlagen und die Verbesserung der Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Diese Zusammenarbeit wächst im Moment stetig. Mit dem Kauf der großen Verlagsgruppe Santillana Ediciones Generales setzt Penguin Random House ein Zeichen für die Zukunft. Auch Deutschland und Brasilien arbeiten immer enger zusammen. Brasilien war 2013 das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse und hat für diesen Auftritt rund 7 Millionen Euro investiert. Die Frankfurter Buchmesse hat Anfang dieses Jahres die Konferenzreihe CONTEC Brasil in mehreren Städten in dem lateinamerikanischen Land durchgeführt. Es ging dabei hauptsächlich um den Bereich Bildung, der erweitert werden soll. Die Zahl der Übersetzungen und anderen Lizenzvergaben zwischen den beiden Ländern steigt. Gesamtwirtschaftlich gesehen ist Deutschland der viertwichtigste Handelspartner Brasiliens. Man sieht: die Verbindung von Deutschland nach Brasilien floriert. Na, wenn das kein gutes Zeichen für unsere Fußballjungs ist!

von Jana Kapfer

18. Juni 2014

Die unerträgliche Leichtigkeit des Lesens

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Ändert sich das Leseverhalten, weil die Medien in denen wir lesen sich ändern? Oder ändert sich das Schreiben, weil der Leser darauf konditioniert wird, die Essenz aus einer minimalistischen Kurzüberschrift zusammenzufassen? Ändert sich das Schreiben, weil der Leser ungeduldig wird, wenn ihm nach kürzester Zeit nicht mehr der Atem stockt, er also durch sensationelle Überschriften erst gefisht und dann auf Teufel komm raus zum zu- Ende- Lesen angehalten wird?

Unser täglich Brot

In den Untiefen des Netzes – wie viel Prosa, Belletristik, Texte verlieren sich, wie viele Ideen bleiben ungedacht oder nur einer kleinsten, erlesenen Gruppe zugänglich? Am Ende bewegt der Mensch sich in gewohnten Bahnen, in sicheren Gefilden, er ist ein Gewohnheitstier, das Lesezeichen hinzufügt, wie Briefmarken der Briefmarkensammlung, um seine Errungenschaften später wieder bewundern zu können oder um festzustellen, dass die angepeilte Adresse binnen weniger Monate möglicherweise gar nicht mehr existent ist. Das Gewohnheitstier kann tagtäglich sein Standardprogramm abspulen, um sich pressespiegelartig auf den neusten Stand zu bringen. Wahrscheinlich gibt es einen Ordner für Nachrichten. Also grast er die Seiten ab, die relevant sein könnten – TAZ, FAZ, SZ, Spiegel. Und natürlich schaffen diese Seiten es immer wieder, dass man sich angekommen fühlt und natürlich auch informiert, durch eine krude Mischung aus Politik, Katastrophen, Umwelt, Sozialkritik, Kultur, Mode und Gossip. Angekommen in der eigenen geschaffenen Identität, zusammengebastelt aus Inhalten, die uns eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten nicht existenten Subkultur attestieren.

Und weil die knapp bemessene Zeit gar nicht mehr Aufnahme zulässt, wird das Konzentrat des Weltgeschehens im übelsten Fall nur noch aus dem Newsfeed der eigenen Sozialen Plattform entnommen. Der Nutzer schafft sich sein eigenes Universum mit Schlupflöchern nach außen, mit Möglichkeiten die Grenzen zu überschreiten, denn die Freunde haben ja auch noch Freunde und die haben Freunde, die Freunde haben, die befreundet sind mit anderen Freunden.

 

Was sollen wir lesen?

Die ständige Verfügbarkeit und unendliche Fächerung der Inhalte, des sogenannten Content, aber vor allem die Fähigkeit substanzielles und fundiertes Wissen, also nützliches von nutzlosem zu trennen wird vom Leser, dem Konsumenten erwartet und wir schulen uns immerfort darin – jeden Tag, jede Stunde und jede Minute aufs Neue, sobald wir ON sind. Wie schnell folgt man einer reißerischen Meldung, einer schwer einzuordnenden Website und stellt sich während des Lesens hoffentlich die Frage- Was ist das hier eigentlich? Zum Glück finden auch die Außenseiter ihre Kritiker und so befassen sich im unabhängigen Netz die Kritiker mit den Kritikern und versuchen den Leser in Medienkompetenz zu schulen.

Was also sollen wir lesen?

Es gibt Unternehmen, die den geneigten Leser für sich zu gewinnen suchen, denn ein Unternehmen braucht Aufmerksamkeit und muss sein Image pflegen. Es werden also ganze Abteilungen in Unternehmen eingerichtet, die für die Erstellung, das Bilden von Inhalten verantwortlich sind. Denn da wo etwas ist, wo etwas geschaffen wird, wo Klicks erzielt werden, da steigt der allseits gewünschte Bekanntheitsgrad und dementsprechend das Ranking. Dafür verantwortlich ist der sogenannte Content Manager und sein Stab aus Autoren und Marketingmenschen. Der Inhalt, die Veröffentlichung zeigt dem Leser, wie das Unternehmen sich gern sehen möchte. Content, ist neben dem Begriff Social Media ganz nah am Puls der Zeit überhaupt. Die mediale Welt des Internets wird also gemacht und wir müssen filtern und unsere Lesegewohnheiten überprüfen. Lesen wir uns kreuz und quer durchs Netz, oder greifen wir hin und wieder auch zu anderen Quellen?

Denn, seien wir mal ehrlich: es ist wesentlich einfacher einen Artikel, der mein Interesse weckt auf meinem Tablet, Smartphone oder Laptop anzulesen. Im Fall, dass mir die Lust darauf vergeht, kann ich ihn einfach mit einem Klick aus meinem Bewusstsein entfernen. Entgegen dem physischen Vorgang eine Zeitung in die Hand zu nehmen, sie im Vorfeld irgendwo zu erwerben, aus einem großen Angebot heraus, die für mich Richtige herauszupicken, ohne dass ich nach dem Verschlingen der Vorder- und Rückseite bereue, meine 4,60€ nicht in einen Frappe Caffe Latte investiert zu haben, um mich dann mit diesem Gegenstand in der Hand herumzuquälen, der so unverschämt benutzerunfreundlich ist. Denn nimm mal „Die Zeit“ in ihrem vollen Umfang irgendwo mit hin und komm mal klar mit ihren einzelnen, mehrere Riesen-Seiten umfassenden Büchern (so nennt man tatsächlich die ineinander gefalteten Riesen-Seiten einer Zeitung) und wenn du dich dann durch den Riesen-Haufen gewühlt hast, sie nach dem durchblättern wieder in eine Form bringen konntest, ohne dabei wahnsinnig zu werden, stellst du zu aller Freude fest, dass Daumen- und Zeigefinger deiner Hand voll Druckerschwärze sind. Die Nostalgiker unter uns, wird es freuen, den Wertstoffhof auch.

Weg von der Nostalgie?

Es sind nicht mehr die kulturell geprägten Träger die Inhalte transportieren. Das Buch, Zeitungen, Fernsehen und Radio, die uns mit Informationen versorgen. Es sind vielmehr die elektronischen Dienste, Mediatheken, die Websites der Zeitungen und Zeitschriften, die ohnehin aktueller sind, als jedes gedruckte Wort und benutzerfreundlicher. Dazu sind diese multimedial erweitert um Videos, Bildstrecken, weiterführende Links. Ist der Leser auf den Geschmack eines Themas gekommen, kann er sich unendlich lang und breit in diesem verlieren.
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Es sind auch die Blogger, die durch Konstanz und Prägnanz, Originalität und Extrovertiertheit ein neues Berufsbild geschaffen haben. Denn als Blogger kann man tatsächlich Geld verdienen. Der Blogger ist ein Mensch, der sich auf vielen Ebenen kultiviert selbst darstellt und vermarktet. Da sind die Mode-Blogger, Buch-Blogger , Musik-Blogger Blogs mit ästhetischen Inhalten künstlerischer Art oder solche, die alles ineinander vereinen. Und vor allem gibt es solche, die durch ihre Selbstdarstellung einen Kultstatus um ihre Person, ihren Blog erreichen und gezielt von Unternehmen als Werbeträger angeheuert werden und auch darüber schreiben

Auf eben jenen Seiten wird die voyeuristische Neigung des Lesers bedient, man schmökert in einer Art Tagebuch der Person, die ein Leben führt, dass einem selbst zu führen nicht möglich ist. Im Gegensatz, zu von Autoren verfassten Romanen, die für den einzelnen Leser unerreichbar sind weil Romane meistens auf Fiktion beruhen und die Autoren weit entfernt sind von ihren Lesern, gewinnt der einzelne Blogger durch scheinbare Nähe an Authentizität. Er zeigt sich von einer ganz persönlichen Seite, teilt mit dem Rest der Welt Reiseziele, Lesegewohnheiten und Kochrezepte. Eine Art Magazin mit leichter Unterhaltung. Aber ist die Beliebtheit der Blogs ein Anzeichen für den Wandel unserer Lesegewohnheiten?

Neue Literatur

Deutsche Dichter und Denker, auf die beziehen sich immer Alle gern, wenn sie die deutschen Tugenden zu benennen pflegen. Was geschieht mit denen?

Sie werden eigenständiger werden, nicht mehr abhängig von alteingesessenen Verlagen, denn Dank Self Publishing, eigens initiierten Veröffentlichungen von EBooks, kann uneingeschränkt Jeder ein Dichter und Denker sein und sein Gedankengut in jedweder Form veröffentlichen. So fanden sich beispielsweise im Winter vergangenen Jahres unter den ersten 10 Plätzen, der auf Amazon meistgekauften EBooks solche, die selbst publiziert wurden. Und auch Verlage können sich gründen, die z.B. ein ausschließlich auf e-Book-Publikationen ausgerichtetes Programm fahren. Nahezu alles ist möglich.10441906_665415980203936_5633597781005709078_n

Und nun bekommt das e-Book auch seine eigene Messe. Am 21.Juni findet im SUPERMARKT in Berlin die 1. Electronic Book Fair statt. Eine Messe im unüblichen Sinn, die sich vollkommen diesem unbeständigen Medium widmet.

Was wir auf welche Art lesen mag sich ändern, aber dass wir lesen, daran wird sich nichts ändern. Denn solange ich lese, bin ich.

von Aleksandra Sitko

11. Juni 2014

Business Development in Zeiten der Digitalisierung – Interview mit Tea Herovic

Neue Prozesse, Produkte & Profile, Neue Publisher, Veränderungen der Arbeitswelt | 0 Comments

Wer mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss in die Verlagsbranche starten möchte, braucht inzwischen neben Liebe zu Literatur auch viel Offenheit für neue Formen und Entstehungswege von Büchern. Tea Herovic hat mit Literaturwissenschaft, Philosophie und Politologie klassische Geisteswissenschaften studiert und stellt genau hierfür ein tolles Vorbild dar. Ich durfte ihr ein paar Fragen zu ihrem Einstieg in die Verlagswelt der Zukunft und ihre Mitarbeit beim Innovationsprojekt Oetinger34 stellen.

Was ist deine aktuelle Position bei Oetinger?

Ich arbeite seit einem Jahr als Business Development Managerin für Oetinger34, einem neuen digitalen Start-up-Projekt des Verlags Friedrich Oetinger in Hamburg.

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Was macht man als Business Development Manager denn genau?

Das Business Development beschäftigt sich klassischerweise mit der Geschäftsfeldentwicklung, das heißt man evaluiert innovative und bisher noch nicht erschlossene Geschäftsfelder. Um das gut und erfolgreich machen zu können, muss ich mich stets über Trends, Entwicklungen und neue Projekte aus der Buch-und Medienbranche informieren. Immer wieder über den Tellerrand schauen gehört ebenfalls dazu. Neben viel Recherche und Konzeption neuer Ideen und Projekte verstehe ich mich auch als Schnittstelle zwischen der IT und den jeweiligen Fachabteilungen. Meine tägliche Herausforderung ist es, Verständnisbrücken zwischen den einzelnen Abteilungen zu bauen. Das ist für mich der herausforderndste Teil meiner Arbeit, da man in vielen Abstimmungs- und Anforderungsrunden sitzt bevor man selbst loslegen kann. Wenn dieser Verständnispart geschafft ist, müssen die fachlichen Anforderungen geschrieben werden und dann wird losprogrammiert. Natürlich programmiere ich nicht selbst! Bei Oetinger34 habe ich auch einen operativen Part, weshalb meine Arbeit eigentlich erst dann aufhört, wenn die Software richtig rund läuft und alle damit gut arbeiten können. Wie man weiß, ist das meist ein langer Weg für den man einen langen Atem und viel Ausdauer braucht.

 

Das klingt spannend, zumal du ja eigentlich aus einem ganz anderen Bereich kommst. Du hast Germanistik, Philosophie und Politik studiert. Wie kam es zu diesem Sprung in einen ganz neuen Arbeitsbereich?

Absolut unerwartet und spontan. Ich habe nach meinem Studium ein Volontariat beim Carl Hanser Verlag in der Presseabteilung gemacht. Zuvor habe ich neben dem Studium für den Fischer Verlag gearbeitet, aber auch am Schauspielhaus und der Oper Frankfurt. Ein kurzer Abstecher in die Agenturwelt war auch dabei. So gesehen habe ich immer wieder nach neuen Erfahrungen für mich gesucht, da ich mich schwer nur für ein Tätigkeitsfeld allein entscheiden konnte. Zu Oetinger kam ich dann über eure Speedmeeting-Veranstaltung im Rahmen der Frankfurter Buchmesse. Dort habe ich Till Weitendorf kennengelernt und dann ging alles ziemlich schnell, da er mich sofort für das Projekt begeistern konnte. Und ehe ich mich versah, saß ich im Umzugswagen nach Hamburg.

 

Oetinger34 ist dein erstes großes Projekt als Business Development Manager. Was ist Oetinger34 genau?Oetinger34_Logo_final-2.tif

Oetinger34 ist eine Plattform auf der Autoren, Illustratoren und Lektoren gemeinsam mit Lesern an neuen Buchprojekten zusammenarbeiten können. Dieser kollaborative Ansatz entspricht den Arbeitsgewohnheiten von Digital Natives und sorgt für einen dynamischen, selbstbestimmten und kreativen Entstehungsprozess von Content. Wir befinden uns zurzeit in einer geschlossenen Beta-Phase, zu der nur exklusive Testuser zugelassen sind und die Plattform testen. Und schon jetzt können wir beobachten wie schnell tolle Ideen gemeinsam entwickelt werden und sich die Kreativteams intuitiv zusammenfinden. Fertige Projekte können zu Votings eingereicht werden, in denen Leser und Lektoren ihre Top 10 wählen. Daraus publizieren wir die besten Projekte in der Edition Oetinger34 als eBook und/oder Printbuch. Uns ist besonders die Qualität wichtig, dafür stehen wir auch mit unserem Namen  als traditionsreicher Kinder- und Buchverlag. Deshalb sind wir auf der Suche nach Talenten, die sich mit ihrem Können bei uns bewerben. Außerdem sichtet unser Oetinger34-Lektorat ebenfalls die Projekte und bildet die Kreativen auf der Plattform fort. Hierfür entwickeln wir gerade einen eigenen Kinder-und Jugendbuch-Campus.

 

Was macht dir bei der Entwicklung von Oetinger34 besonders Spaß?

Die Vielfalt und die Arbeit in einem heterogenen Team. Auch wenn es nicht immer leicht ist zwischen den verschiedenen Abteilungen zu vermitteln und auch selbst für alle Details ein offenes Ohr zu haben, macht es doch meinen Arbeitsalltag sehr spannend und abwechslungsreich. Im meinen bisherigen Jobs wurde es mir irgendwann immer etwas einseitig. Und noch etwas habe ich wirklich zu schätzen gelernt: das Arbeiten in kleinen, agilen Teams. Flache Hierarchien, eigenständiges Arbeiten ohne starre Unternehmensstrukturen, die einen ausbremsen. Das gibt mir den nötigen Raum für kreative Ideen und Lösungen. Für mich ein wichtiger Wohlfühlfaktor.

 

Siehst du dich selbst als ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt in den klassischen Buchnachwuchs zu investieren?

Diese Frage müsstest du eigentlich meinen Chef stellen! Was ich auf jeden Fall sagen kann ist, dass es sich gerade bei Oetinger34 als sehr wichtig erwiesen hat einen „Buchmenschen“ im Team zu haben. Vor mir bestand das Team hauptsächlich aus Entwicklern und einer jungen, buchaffinen Truppe auf der Fachabteilungsseite. Alle waren natürlich in ihren Bereichen stark, jedoch wusste keiner von ihnen so wirklich wie Bücher gemacht werden. Als es dann an die Detailfragen im Hinblick auf inhaltliche Entstehungsprozesse, Herstellung und Vertriebs ging, zeigte sich schnell, dass es wichtig ist jemanden an Bord zu haben, der weiß was z.B. ein Fahnenlauf ist, wie Lektoren redigieren und wie die Zusammenarbeit mit Autoren aussieht.  Oder auch welche Layout-Basics zu beachten sind, wenn man gute Bücher machen will. Gerade diese Mischung an Fachwissen und Kompetenzen hat das Projekt stark nach vorn gebracht und uns alle zusammenwachsen lassen.

 

Du hast ja bereits einiges an Erfahrungen in der Buchbranche sammeln können. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Kriterien, um erfolgreich eine Karriere in der Buchbranche zu starten?

Ich denke, dass es keine allgemeingütigen Kriterien gibt. Was ich aus meiner Erfahrung sagen kann ist, dass es für mich immer wichtig war, dass ich für eine Sache wirklich brenne. Nur dann war ich so richtig gut in meiner Arbeit. Für mich war schon früh klar, dass ich was mit Kultur machen will. Es war nicht immer ganz klar gewesen, ob es was mit Büchern sein wird. Das hat sich so ergeben. Aber ich habe alle meine Jobs wirklich machen wollen. Ich habe mich nie gezwungen für Institutionen zu arbeiten, deren programmatische Ausrichtung ich nicht mochte. Und wenn ich gemerkt habe, dass mir der Job nicht genug gibt, dann habe ich mehr gefordert. Ich denke, dass es wichtig ist seinen Wert zu kennen und auf sein Recht zu bestehen ausgebildet und gefördert zu werden. Nur dann kann man sein Können vertiefen, neues Wissen erlangen und sein Profil schärfen. Dabei ist es glaube ich auch wichtig immer offen zu bleiben für Neues. Ich hätte während meiner Zeit bei Hanser niemals gedacht, dass ich mal ein innovatives Digitalprojekt betreuen werde. Jetzt bin ich mitten drin und kann mir kaum vorstellen wieder aus der digitalen Schiene rauszugehen! Doch wer weiß, wo ich in einem Jahr sein werde. Ich lass mich einfach mal überraschen was noch so kommt.

Vielen Dank für deine Zeit!

Für alle, die neugierig geworden sind, geht es hier zu Oetinger34.

Autorin: Unica Peters

2. Juni 2014

Entwicklung Kinderbuch: So wie die Kleinen verändert sich auch die Branche

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Am Sonntag war Kindertag; ich hoffe kein Elternteil hat diesen vergessen. Wie an jedem 1. Juni gab es viele Veranstaltungen und Geschenke für den Nachwuchs. Kleine und große – denn auch ich ging nicht leer aus – Kinder durften sich an wohlgemeinten Gaben erfreuen. Spielzeug und Süßigkeiten, das sind Klassiker. Das Buch ist es genauso. Dieses hebt sich sogar durch einen Fakt von seinen Kontrahenten im Laden ab. Nein, nicht nur durch die Preisbindung. Es hat einen ganz besonderen Auftrag.

OetingerBildung heißt dieser. Lesen soll ja hierfür förderlich sein, so zumindest die weit verbreitete Meinung. Wer liest eignet sich Wissen an. Umkehrschluss: Wer früh beginnt, hat logischerweise mehr Zeit zum Lernen. Da liegt nichts näher als dem eigenen Kind helfend zur Seite zu stehen. Ansprechende Literatur muss also her. Nebenbei sollten Kenntnisse und Werte vermittelt werden, aber zu Beginn soll der korrekte Umgang mit dem Buch erlernt werden.
Die Kinder selbst haben etwas andere Ansprüche. Manche haben natürlich den Antrieb genauso in der Zeitung zu blättern wie die Eltern, die sogar etwas aus dieser erfahren können. Aber für viele andere – bei mir war es genauso – ist das Lesen ein spannendes „Spiel“. Geschichten zu verfolgen und sich in diese hineinzuversetzen macht Spaß und lässt einen zum dauerhaften Nutzer des Mediums Buch werden. Die frühe Rekrutierung erfolgt also im Sinne der Branche.
Das Verbinden der Interessen beider Gruppen, die der Eltern (Käufer) und Kinder (Nutzer), ist die schwierige Aufgabe der Autoren und Verlage. Eine notwendige Tätigkeit, damit Bücher nicht nur gekauft, sondern auch gelesen werden.
Seit einigen Jahren müssen sich diese aber noch einem zusätzlichen Problem stellen: der Anpassung an den sich weiterentwickelnden elektronischen Markt.

Neue Konkurrenten
Tablets und Smartphones stellen eine Herausforderung für Kinderbuchverlage dar. Zum einen sind sie mit dem E-Reader Nutzergeräte für Angebote, wenn auch digitalisiert, die erstellt und vertrieben werden können. Dies benötigt zwar Investitionen, einen gewissen Aufwand und Kompetenzen, bietet aber gleichzeitig neue Absatzmöglichkeiten.
Zum anderen aber finden neue „Fressfeinde“ auf diesen Geräten ebenso Platz und Anwendung. Spiele um genau zu sein. Einfacher Rätsel- und Puzzlezeitvertreib, klassische Jump ‘n’ Run oder komplexe Games, sie alle haben das Potential einen großen Teil eines Kindertages zu belegen. Ein klassischer Fall intermedialer Konkurrenz. Ungeachtet ihrer Kosten sind sie durch bunte Farben und Bewegungen für die Augen eines Heranwachsenden meist verlockender als stumpf dreinblickende Satzstrukturen. Den Zugang zu den Geräten erhalten sie meist durch ihre Verwandten, die ihnen den Spaß gönnen, kurzzeitig eine Beschäftigung für sie brauchen – schon praktisch bei Autofahrten – und/oder einen pädagogischen Sinn darin sehen. Lesen lernen kann man ja auf verschiedenen Wegen.

Die Reaktion?
Die Verlage gehen recht unterschiedlich mit dieser Problematik um.

Es gibt die „klassischen Kinderbuchverlage“, deren Verhalten sich kaum bis gar nicht verändert hat. Vielleicht wurde der Auftritt im Internet verstärkt, damit man diese über die „neuen Geräte“ finden kann. Konzentriert wird sich jedoch weiterhin auf die gedruckten Werke. Oft haben diese Verlage etablierte Reihen, die sich stetiger Nachfrage erfreuen und kein Umdenken erfordern. Die Eltern kennen die Helden und Geschichten aus ihrer eigenen Kindheit, mochten diese scheinbar und lassen nun ihre eigenen Kinder auf die Bücher los – oder eben umgekehrt. Solange das Interesse an den Charakteren nicht erlischt, lässt sich dieses Modell durchaus weiterhin umsetzen.

S.-Fischer„Moderne Kinderbuchverlage“ haben sich hingegen in ihrem Aufbau und Angebot deutlich angepasst. Rein digital arbeitende Kinderbuchverlage sind mehr eine Randerscheinung oder eine Entwicklung aus dem Selfpublishing. Die Kombination aus elektronischem und gedrucktem Angebot scheint sich bisher durchzusetzen. Hierbei setzen die Verlage, Oetinger und S. Fischer sind hier hervorzuheben, auf ihr Printangebot, erweitern dieses aber digital.
2011 wurde die kostenlose App „Tigerbooks“, eine Online-Vertriebsplattform für Kinder- und Jugendbücher, auf Initiative Oetingers veröffentlicht. Im Mai 2014 zog S. Fischer mit einer eigenen Plattform, „Blubberfisch“, nach. Diese dient zur Zusammenführung der verschiedenen Fischer-Verlagsprodukte, die für Kinder bis 12 Jahren gedacht sind.

Beide Plattformen bieten Leseproben und kleine Anwendungen an, um das Interesse der Nutzer zu wecken, diese an sich zu binden und möglicherweise zum Kauf weiterer Produkte zu animieren. Hierbei hat besonders Tigerbooks die Möglichkeiten der interaktiven und vertonten Geschichten erkannt und bietet eine große Auswahl dieser an. Durch das – in digitaler Nachbearbeitung durchgeführte – Einfügen von Interaktionsmöglichkeiten wie das Ein- und Ausschalten einer Lampe wird dem Nutzer erlaubt, das Geschehen zu beeinflussen. In manchen Fällen ist dies relevant für die Handlung und es wird dazu aufgefordert, in anderen nur eine Option. Ein Buch erhält somit das Element der Bewegung, des Spielens.

Durch die Software „TigerCreate“ des Tigerbooks Media Teams sind seit 2013 auch andere Verlage dazu in der Lage ihr Verlagsprogramm anzupassen, da sie nun die Möglichkeit besitzen kostengünstig animierte Bildergeschichten zu erstellen. Ein starker Anstieg des erhältlichen Sortiments, der Anzahl der Themenbereiche und der Qualität der technischen Umsetzung ist deshalb in Zukunft zu erwarten.

Deshalb rate ich zum nächsten Kindertag: Riskieren Sie einen Blick. Vielleicht finden Sie eine animierte und vertonte Fassung eines Kindheitsheldens. Oder zumindest ein gutes Geschenk.

Autor: Jonas Jorek

26. Mai 2014

Praktika in der Verlags- und Medienbranche – schlecht und unbezahlt?

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Praktika sind innerhalb der letzten Jahre zunehmend in Verruf geraten, auch in der Verlags- und Medienbranche. Ehemalige Praktikanten wettern in Blogs über schlecht- oder unbezahlte Praktika . Arbeitgeber in Medienunternehmen sehen sich mit den Vorwürfen konfrontiert, dass sie in vielen Fällen Praktika nicht mehr als Chance verstehen, künftige Mitarbeiter kennenzulernen, sondern als Möglichkeit, Arbeitsplätze mit niedrig oder gar nicht bezahlten Arbeitskräften zu besetzen. Haben Praktikanten in der Verlags- und Medienbranche wirklich keine Wahl? Wie sieht die Realität aus?

Ein Praktikum soll Schülern, Studenten oder Auszubildenden die Gelegenheit geben, in einen Beruf hinein zu schnuppern. Doch die Nachfrage nach Praktikumsplätzen in der Verlagsbranche ist groß. Der klassische Praktikant muss theoretisch weder Fachkenntnisse noch Erfahrungen mitbringen und hat so keine Leistungsverpflichtung. Dauert aber das Praktikum länger als 3 Monate, ist es wahrscheinlich, dass ein Praktikant berufstypische Tätigkeiten übernimmt, die denen einer regulären Fachkraft entsprechen.

 Die Grenzen zwischen Volontariat und Praktikum verschwimmen zusehends. Schulabgänger, aber auch qualifizierte Studenten und Absolventen führen in Verlagen und anderen Medienbetrieben Tätigkeiten eines normalen Mitarbeiters aus, für ein Praktikantengehalt, von dem sich nicht leben lässt – dies zumindest ist der Eindruck, der innerhalb kürzester Zeit entsteht, wenn man sich ein wenig näher mit diesem Thema befasst. Ist das Phänomen der gar nicht oder schlecht bezahlten Praktika ein einfaches Problem von Angebot und Nachfrage? Wagen es künftige Praktikanten nicht, beim Vorstellungsgespräch über die Vergütung zu verhandeln, weil sie wissen, dass hinter der Tür schon zehn weitere Anwärter warten, die das Praktikum für lau machen würden?

Wer einen Praktikumsplatz in einem Verlag bekommt, muss vielleicht eine gewisse Zeit in einer anderen Stadt verbringen, eine Wohnung oder ein WG- Zimmer, Fahrt- und Lebenserhaltungskosten stemmen. Was für Möglichkeiten bleiben bei einem unbezahlten Praktikum? Ein Nebenjob, ein Studentenkredit aufnehmen, von Ersparnissen oder aus der Tasche der Eltern leben? Wo beginnt in einem Praktikum die Ausbeutung des Praktikanten?

Die künftige Praktikantin Sarah Beyer* studiert „Buchhandel- und Verlagswirtschaft“ an der HTWK in Leipzig und wird in wenigen Monaten ein halbjähriges, unbezahltes Praktikum in der Vertriebs- und Marketingabteilung eines kleinen Kinderbuchverlags beginnen. Nicht, weil sie keine bezahlte Stelle bekommen, sondern weil sie sich bewusst für diesen Verlag entschieden hat. Sie sieht ihrem Praktikum mit Vorfreude entgegen. Kleine Verlage können es sich zwar noch weniger leisten, ihre Praktikanten zu entlohnen, doch wird sie dafür, nicht etwa wie in einem der großen Verlage, die Gelegenheit haben, alle Abläufe und Bereiche eines Verlages kennenzulernen. Einen Untermieter für ihre Wohnung in Leipzig hat sie bereits gefunden. Geld war für sie nicht das Hauptkriterium bei der Auswahl des Verlages – sie wirkt zuversichtlich, was die Finanzierung ihres Praktikums angeht. „Ich bekomme kein Bafög, aber meine Eltern unterstützen mich ein wenig. Außerdem hoffe ich, wieder das Deutschlandstipendium zu bekommen.“ Ansonsten muss wohl ein Nebenjob her.

Aber das Gefühl, dass es schwierig oder gar unmöglich sei, ein bezahltes Praktikum in einem Verlag zu finden, hatte sie nicht. Eine andere Studentin bestätigt: „Das gefühlte Verhältnis von bezahlten und unbezahlten ausgeschriebenen Praktikumstellen ist in etwa 50 zu 50.“

Doch wie könnte ein Kompromiss der Verlagsinteressen und denen des Praktikanten aussehen?
Sarah findet: „Nach zwei, drei Monaten, wenn der Praktikant sich in seiner Abteilung auskennt, halte ich eine Aufwandsentschädigung von zwischen 200 und 400 Euro für angemessen. Mehr wäre gar nicht so gut, schließlich müssten die Studenten dann ihre Krankenversicherung selbst zahlen. Aber kleine Verlage, die nur von ihren Praktikanten leben und jedes halbe Jahr sechs, sieben neue Praktikanten bekommen, könnten diese noc
h anderweitig unterstützen – bei der Wohnungssuche zum Beispiel!“

Praktikant

Einen Einblick in das Thema aus der Arbeitgeberperspektive gewährt für diesen Artikel Wolf Dreher*. Er ist selbstständig und sein eigener Chef – in seinem „Ein-Mann-Unternehmen“ berät er Medienunternehmen und Verlage in den Bereichen PR und Marketing und hat unterschiedlichste Erfahrungen mit Praktikanten gesammelt.  „Der Trend der zunehmenden gering- oder unbezahlten Praktikanten in der Buch- und Medienbranche ist vollkommen natürlich und Teil einer ganz normalen Marktentwicklung. Wenn ein Praktikum ausgeschrieben wird, inklusive aller Modalitäten, dann ist das ein Angebot, welches auf dem Arbeitsmarkt gemacht wird. Niemand ist gezwungen dieses anzunehmen.

 Ich habe keinerlei Verständnis für Praktikanten, die sich bewusst für ein Praktikum entscheiden und dann über schlechte oder fehlende Bezahlung klagen. Die Bedingungen müssen immer vorher geklärt sein. Wenn jemand ein solches Praktikum annimmt, dann nimmt er ein Angebot wahr und verwirkt damit das Recht, nachträglich etwas zu fordern. Hier spielt die Eigenverantwortung eine Rolle!

Ein bezahlter Praktikant mit Spezialaufgaben in einem Unternehmen zu sein ist für die meisten sicherlich das attraktivste Angebot. Praktikanten haben einerseits die Chance, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und können darüber hinaus auch noch Geld verdienen. Ein solches Praktikum kann durchaus das Sprungbrett in eine Festanstellung sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Praktikanten sehr motiviert sind und je nach mitgebrachter Qualifikation recht schnell Teil des Teams werden können.

Unbezahlte Praktika mit Spezialaufgaben sind insbesondere für Menschen interessant, die sich sehr konkret spezialisieren möchten und ihre finanziellen Interessen erst einmal hinten anstellen können.

Bezahlte Praktikanten mit Standardaufgaben sehen in der Regel ihr Praktikum als einen Job. Sie kommen in die Firma, machen ihre Arbeit und gehen wieder nach Hause. Meist werden sie gar nicht von der Unternehmensführung wahrgenommen und wie reguläre Nebenjobber behandelt. Diese Art von Praktika ist oftmals für diejenigen interessant, die ihr Praktikum “schnell ableisten” wollen. Der Praktikant arbeitet, verdient Geld und bekommt dann seine Beurteilung. Nicht mehr und nicht weniger.

Bei unbezahlten Praktikanten mit Standardaufgaben ist das Missbrauchspotential am höchsten. Diese Praktikanten werden – ganz offen gesagt – lediglich als kostenlose Arbeitskräfte eingesetzt. Ich habe oft erlebt, dass in den Lagerhallen unbezahlte Praktikanten arbeiten, die lediglich Paletten packen oder Reinigungsarbeiten durchführen. Leider wächst dieser Anteil an Praktikanten immer mehr. Zu bedenken ist hierbei aber, dass ein erfolgreicher Unternehmer durchaus weiß, dass es wesentlich “billiger” ist, einem solchen Praktikanten z.B. 400 € im Monat zu zahlen, als den Imageverlust in Kauf zu nehmen und am Ende als Ausbeuter dazustehen.“

 Alles in allem kann man sagen: Es ist kein Ding der Unmöglichkeit, ein bezahltes Praktikum in der Verlags- und Medienbranche zu finden. Es liegt zu einem großen Teil dann am Praktikanten, wie reich er aus seinem Praktikum herausgeht – ob reich an Geld, an Erfahrungen oder Beziehungen. Auch wenn es sich die Buchbranche im Moment nicht leisten kann, jedem Praktikanten Aufwandsentschädigungen nach seinen Wunschvorstellungen zu zahlen – jeder sollte die Chance auf Bezahlung haben und mit guter Arbeit auch mehr zu verdienen. Aber niemand hat automatischen Anspruch auf gute Bezahlung.

*Name geändert

Flora Ihlau

23. Mai 2014

Panda Blues und Pinguinwetter – eine Buchrezension

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Der Taschenbuch-Roman von Britta Sabbag mit dem Titel „Panda Blues“ ( 8,99 €) erschien im
Mai 2013 beim Bastei Lübbe Verlag.
Das babyblaue Buch dreht sich um Charlotte, eine Frau in den frühen Dreißigern, die gerade einen
beruflichen Wechsel von Lektorin zur Zoo-Pflegerin hinter sich hat und in einer noch nicht allzu
lange andauernden Beziehung steckt.

978-3-404-16805-7-Sabbag-Pandablues-gross Beim Lesen wird sofort klar, Charlottes Leben ist chaotisch.
Sowohl bei ihren beiden verrückten Freundinnen, die eine Öko-Mama durch und durch, die andere sehr naiv mit stetigen Männerproblemen, als auch in ihrer ulkigen Familie, scheint sie zwar die Realistische und Vernünftigste zu sein, doch bei ihr selbst läuft ebenso wenig etwas nach Plan.
Das Verlangen den Hauptfiguren zuzurufen, dass sie doch gefälligst nicht so ahnungslos tun sollen, kommt beim Lesen des Romans dennoch nicht so stark hervor, wie ich anfangs erwartet hatte.
Charlotte hat Lebens-Tipps für alle, außer sich selbst, ist sich dessen aber bewusst, was den Lesefluss nicht anstrengend werden lässt und definitiv ein Pluspunkt für die Autorin bedeutet.
Die Geschichte endet mit einem absolut vorhersehbarem Höhepunkt und anschließendem Happy-End.

Der Roman richtet sich definitiv an das weibliche Geschlecht und bedient mit allen seinen Charakteren diverse Rollenklischees.
Das etwas überzogene Geschehen wird absurd theatralisch aus der Sicht von Charlotte geschildert. Das ganze ist gewürzt mit einem durchgängig ironischem Humor, der hauptsächlich durch die kursiv gedruckten Gedanken der Hauptfigur ausgedrückt wird.

Alles in allem ist es ein unterhaltsames Buch, das den Leser zwar in keiner Weise geistig beansprucht, aber durchaus zur entspannenden Sommerlektüre für zwischendurch taugt.
Und wer wissen will, was es im Endeffekt denn nun genau mit dem Panda Blues-Phänomen auf sich hat, dem bleibt nur, das Buch lesen.

Autorin: Ronja Kiso