Der Informationstsunami – Zerstört KI das Internet?

Als eine der größten Erfindungen der Menschheit verspricht das Internet freien Zugang zu Wissen und weltweite Vernetzung. Ein freier Raum, geschaffen für die Interaktion zwischen Menschen. Doch mit dem Aufkommen der ersten KIs kamen auch erste Bedenken an deren Auswirkungen auf. Wird dieser Zustand bedroht? Werden wir in einem Meer maschinell erzeugter Inhalte untergehen? Künstliche Intelligenz überschwemmt gerade das Netz mit Texten, Bildern und Videos, die leider oft weder Sinn noch Zweck haben. Das eigentlich nützliche Werkzeug wird missbraucht und erzeugt digitalen Müll, dessen Inhalt vor allem Klicks und Werbeeinnahmen generieren soll.

Viele Webseiten tragen nämlich ungewollt dazu bei, indem sie solche Inhalte subventionieren. Ob Content echt oder erzeugt ist, spielt gerade in sozialen Medien, aus Sicht der Plattformbetreiber, keine Rolle mehr. Hauptsache, es wird geklickt. Denn das bringt Geld. In manchen Regionen entstehen regelrechte Produktionsstätten für KI-generiertes Material: Bild- und Textfabriken, die das Netz immer weiter füllen. Fake News werden dabei zu einem besonders lukrativen Geschäftsmodell. Neben deren offensichtlichem negativen Einfluss, vor allem politisch, können auch ganz konkrete Bedrohungen entstehen: es gibt Berichte über ein frei verkäufliches KI-generiertes „Pilzbuch“, das essbare und giftige Arten verwechselt.

Ein weiteres zentrales Problem liegt darin, dass menschliche Werke zu Rohmaterial für große Softwareunternehmen werden. Millionen Texte, Bilder und Ideen, einst von Menschen geschaffen, dienen als Trainingsdaten für KI-Systeme. Die ursprünglichen Autor*innen gehen in der Masse verloren, während der Wert ihrer Arbeit von wenigen Konzernen vereinnahmt wird.

Die Vision eines freien, unabhängigen Internets scheint bedrohter denn je. Stattdessen werden in Zukunft zentrale Plattformen dominieren, deren Algorithmen entscheiden, was gesehen wird und was im Rauschen verschwindet. So muss sich die Frage gestellt werden, ob wir ihnen diese Informationsmacht überlassen möchten. Und ob diese Entwicklung überhaupt zielführend ist. Denn bei der Nutzung herkömmlicher Suchmaschinen lassen sich schon jetzt erste Probleme beobachten. Diese geraten in Anbetracht der Informationsflut an ihre Grenzen. Sie wurden gebaut, um menschliche Inhalte zu ordnen, nicht maschinell erzeugte. Ironie, Kontext oder kulturelle Nuancen werden von KIs oft nicht erkannt. So entstehen auch vollkommen unabsichtlich Falschinformationen. Gleichzeitig besteht, laut dem Bad Bot Report 2025 von Imperva, etwa die Hälfte des weltweiten Internetverkehrs längst aus Bots. Auch diese automatisierten Programme generieren Inhalte, scrapen oder manipulieren. So wird die Menge an Output wiederholt mit sich selbst multipliziert. Eine Echokammer entsteht, deren Umfang schon jetzt nicht mehr beherrschbar ist.

Wir stehen vor einem tiefen Wandel: Aus einem offenen Wissensraum droht ein chaotisches, von Maschinen dominiertes System zu werden. Ob das Internet tatsächlich stirbt oder sich neu erfindet, hängt davon ab, wie Gesellschaften und Nutzer*innen auf diese Entwicklung reagieren. Was sich allerdings schon jetzt zeigt ist, dass dieses Thema unausweichlich werden wird.

Autor: Jonas Schönfelder

Quellen:

https://cpl.thalesgroup.com/sites/default/files/content/campaigns/badbot/2025-Bad-Bot-Report.pdf

https://en.wikipedia.org/wiki/AI_slop

https://www.youtube.com/watch?v=cGmVehWBdHI

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