„Im Grunde meiner Seele stehe ich einem E-Book gegenüber wie ein Pferdezüchter von 1900 dem Automobil.“

© Renate von Mangoldt

Werden Sie zukünftig selbst Ihre Bücher als E-Books publizieren?

Kleiner Exkurs: Als junger Mensch und Leser habe ich mich gewundert, dass ein zeitgenössischer Schriftsteller wie Thomas Mann solche archaischen Wörter benutzt wie „Thee“ oder „Automobil“. Dass es eine Zeit der Prägung gibt, nach der man gewisse Dinge für gegeben ansieht, war mir damals nicht klar. Heute sehe ich, dass ich auch so funktioniere: Meine Prägezeit war die Kugelkopfschreibmaschine, deren Modernität ich wirklich bewundert habe. Meine technische Begeisterung reichte bis zum Schneider Joyce, wo man eine ganze Zeile speichern konnte. Das war ein echter Fortschritt gegenüber Tippex. Die Veränderungen seither habe ich mechanisch mitgemacht, aber nicht mehr innerlich. Will sagen: Im Grunde meiner Seele stehe ich einem E-Book gegenüber wie ein Pferdezüchter von 1900 dem Automobil. Nicht wirklich innerlich glaubend, dass da eine Revolution vor meinen Augen steht. Und auch nicht überzeugt davon, dass sie notwendig sei.
Das faktische Problem mit E-Books ist derzeit, dass sie zu teuer sind. Schließlich handelt es sich um nichts als pdf-Dateien mit zusätzlichem Kopierschutz. Wenn ein Buch also 20 Euro kostet, von denen ich als Autor 10% und der Verlag 15% bekommt, so müsste logischerweise der Preis eines E-Books, bei dem es keine Herstellungs- und keine Vertriebskosten gibt, nicht bei 80% des Buchpreises, sondern bei 25% liegen. Bzw. wenn ich, was ja technisch möglich ist, das Buch in Eigenregie vertreibe, bei 10 – 15%.
Die nächste Frage ist: Will ich das? Es gäbe ja auch die Alternative zu sagen: Wer meine Sachen lesen will, muss sie als gedrucktes Buch kaufen.
Ich habe darauf keine Antwort parat, da ich mich mit diesen Fragen noch nicht wirklich beschäftigt habe.

Das Interview mit Michael Kleeberg führte Sarah Killian.

Das ganze Interview gibt es hier noch einmal zum Nachlesen.

www.michaelkleeberg.de

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