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Läuft bei denen, im Lesermarketing! – Seitenweise Suhrkamp

© Christian Bartl. Betreffend den Screenshot. Die Rechte an den abgebildeten Inhalten und „Seitenweise Suhrkamp“ liegen selbstverständlich beim Suhrkamp Verlag.

Autor: Christian Bartl


#VdZu_debatte Unter diesem Schlagwort möchten wir von den Verlagen der Zukunft im kommenden halben Jahr gerne verschiedene aktuelle Themen der Buchbranche zur Diskussion stellen. Fühlt euch herzlich eingeladen hier auf dem Blog oder in den sozialen Netzwerken zu diskutieren, euch auszutauschen oder vertiefende Fragen an die Redaktion zu stellen.


 

Der Suhrkamp Verlag probiert ein neues Konzept im Social Media-Marketing auf Facebook aus. Lohnt sich das für die Leser, für den Verlag selbst? Wir haben uns die Sache für Sie einmal genauer angeschaut.

Szenischer Einstieg: Leipzig, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, Kleinverlegertag 2017. Die geladenen Gäste sehen sich zu zwei Dritteln fragend an. „Es gibt im Prinzip nichts Sinnvolles, was wir dort tun können.“ entfährt es dem Verleger Edmund Jacoby. „Unsere Zielgruppe ist dort nicht zu finden“ moderiert Friederike Jacob von der Friedenauer Presse die vorangegangene Frage so trocken wie schulterzuckend ab.

Nur die Lektorin und Setzerin des Drachenmond Verlags aus Leverkusen, Marlena Anders, weiß darüber, was in den gastierenden Kleinverlagen auf dieser frischen, neuen Plattform namens Facebook getan werden kann, etwas zu berichten.

Der grob gesagt auf Fantasy-Literatur für young adults spezialisierte Verlag lässt seine Leser in dem sozialen Netzwerk über die aktuellsten Veröffentlichungen diskutieren und schickt sie über gezielt platzierte Links auf die eigene Homepage, wo sie Abonnements abschließen und die drachenmondschen Bucherzeugnisse im Direktvertrieb bestellen. Er erhält ständiges Feedback zu den neuesten Cover-Entwürfen unveröffentlichter Titel und dazu, wie sehr die treue Kundschaft sich auf das jeweils neueste zur Publikation ausstehende Werk bereits freut. Wobei Schwankungen zwischen „ziemlich doll“ und „extreeeeeeeeeeeeem“ zu verzeichnen sind.

(Sogar Autorinnen wurden schon aus der eigenen Leser-Community akquiriert.)

 

Für die alten Hasen aus dem höhenkammliterarischen Feld sind derlei Berichte jedoch keinesfalls big news. Mit den eigenen idealtypischen Kunden, den bildungsbürgerlich-wohlsituierten Zahnärzten aus Flensburg, lässt sich solches einfach nicht machen.

Gerade aus dem Haus, in dem jener schablonenhafte Dentist erfunden wurde, kommt aktuell jedoch eine neue Idee. Bei Seitenweise Suhrkamp, so die Bezeichnung des Angebots, handelt es sich um eine, seit einigen Tagen abrufbare, geschlossene Facebook-Gruppe. Dort können die Mitglieder jeden Monat eine Veröffentlichung des aktuellen Verlagsprogramms diskutieren, zuvor darüber abstimmen, welche es sein soll, und dieselbe als verlostes Exemplar gewinnen. Stichwort Social Reading. Aus diversen Gründen darf dieses Konzept wohl als eine der Ideen betrachtet werden, bei denen man sich ratlos fragt, wie sie denn eigentlich niemand anderes vorher gehabt haben konnte?

Erstens ist, während bekanntermaßen immer weniger Menschen lesen, unter den verbliebenen Lesern eine steigende Begeisterung für Lesekreise in der Offline-Welt belegt. Zweitens ist der Anschein der Exklusivität, den die geschlossene Gruppe erzeugt („Sie wurden von Seitenweise Suhrkamp als Mitglied akzeptiert! Willkommen in den Sphären der Suhrkamp-Kultur.“), für die Leserbindung ein möglicher Gewinn. Und drittens gibt es auch noch tatsächlich etwas zu gewinnen! Diejenigen, welche das Glück haben, das Buch des Monats zu ergattern – für die erste Runde stehen fünfzehn Exemplare des Gewinnerbuchs zur Verlosung bereit -, fühlen sich von dem spendablen Verlagshaus beschenkt. Positive Assoziationen der Verlagsmarke gegenüber werden gefestigt. Und die anschließende Diskussion mit parallel Lesenden sorgt schließlich für emotionale Involviertheit, erhöhte Leselust, positive Gruppengefühle und holt das Lesen aus der problematischen Einsamkeitsecke.

 

Daten und Zahlen zum Beleg des etwaigen Erfolgs der Unternehmung sind selbstverständlich (noch) nicht verfügbar; es geht ja gerade erst los! Daher an dieser Stelle nur so viel. Liebe Leser, fühlen Sie sich informiert.

 


#VdZu_debatte Was haltet ihr von Seitenweise Suhrkamp? Sowohl persönlich, als Leser, wie auch in professioneller Hinsicht, als Social Media-Marketingkonzept? Erfolgsrezept, dem bald alle folgen werden, vergebliche Bemühung oder irgendwas dazwischen?
Wir sind auf eure Eingebungen, Kommentare und Vorschläge jedenfalls gespannt!


 

 

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