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„Social Media sind nur neue Kanäle…

… die grundlegenden Eigenschaften von Kommunikation bleiben die gleichen, auch wenn wir uns Dank der Social Networks jetzt im Dialog befinden.“

Katja Schleicher

Sagt Katja Schleicher, die heute, nach vielfältigen Stationen in der PR- und Werbewelt, als Kommunikations- und Medientrainerin ihren Klienten hilft, den richtigen Ton zu treffen und dabei zielgruppengerecht zu vermitteln, was sie zu sagen haben. Derzeit sagen fast alle, die etwas zu sagen haben dies im Web, genauer: im Social Web, und gehen damit teilweise sehr auf die Nerven. Wo liegen die Fehler?
„Mitmachen ist nicht alles – jedes Unternehmen muss sich fragen, was eigentlich das Spannende am Social Web ist, welche Assets geeignete Kommunikationsanlässe sind, welche Anknüpfungspunkte es geben kann für Mitbestimmung, Integration und Dialog. Storytelling ist die neue Reklame – und wer, wenn nicht Verlage und Autoren können genau das?“
Ist Facebook also der neue Heilsbringer der Kundenbindung? „Heute ist es Facebook, morgen wird eine andere Sau durchs mediale Dorf getrieben – derzeit muss eben auf PR und Marketing auch Social Media draufstehen, sonst will es keiner haben. Die Grundzüge der Kommunikation allerdings, Kernbotschaften, Schlüsselbilder, Interaktion sind die gleichen wie eh und je – nur dass heute ein Demokratisierungsprozess jedem einzelnen die Teilhabe daran ermöglicht.“ Und da wird’s gefährlich? „Die Corporate-Seite ist weniger aufgeschlossen als die Privat-Nutzerseite, klar, aber die Verlage der Zukunft müssen mündige Autoren ermuntern, mit einem mündigen Publikum zu interagieren, um wieder als Mittler wahrgenommen zu werden. Angst ist da ein ebenso schlechter Berater wie das Zelebrieren des Heiligtums Buch.“ Neuer Wein und neue Schläuche? „Dialog und Mitgestaltung, Hingabe und Wertschätzung für das Produkt und die, die es schöpfen, gestalten, rezipieren – wir drücken die gleichen Knöpfe wie im alten Marketing, anstatt neue Anreize zu geben und wirkliche Einladungen auszusprechen.“
Vielen Dank für das Gespräch!

Katja Schleicher, IMPACT! Communication Coaching, Media Coaching & Training in Public Communication, wird am kommenden Montag für uns im Expertenchat Eure und Ihre Fragen beantworten – wer also nicht das Glück hat, ihr Seminar bei der Akademie des Deutschen Buchhandels in München oder ihre Lehrveranstaltungen in Wien und München zu besuchen, postet bitte hier oder per Mail!

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17 Responses to “„Social Media sind nur neue Kanäle…”

  1. Katja Splichal says:

    Vielen Dank – Ihnen auch!

  2. Sina Hawk says:

    Wie will man Menschen für Social Media coachen, ohne grundlegend mit ihnen an Motivation, Unternehmenszugehörigkeit und -kultur zu arbeiten? Wenn das eigene Interesse von dem der Zielgruppe abweicht, würde man sich im Real Live einen neuen Gesprächspartner suchen. Und in der Unternehmenskommunikation – sucht man sich einen neuen Job?

    • Ja, das ist eines der ganzen grossen Themen in der Unternehmenskommunikation und den Social Media, das wir das Pferd oft von hinten aufzäumen wollen… Deshalb sind Social Media Trainings auch nur sinnvoll, wenn sie in Kombination mit den klassischen kommunikativen Mechanismen (wie z. B. Sender/ Empfänger-Bezieheungen et. al. ) trainiert werden. Als standalone Massnahme bringen sie wenig. Ach ja, – im Ernstfall rate ich wirklich zu einem neuen Job. Gerade Kommunikation gelingt nur in passenden Umfeldern.

      • Sina Hawk says:

        Kommunikation hängt nicht am Umfeld, sondern an der Augenhöhe. Wenn die stimmt, kann alles weitere nach ziehen. Und: Die Zielgruppe ist nie die falsche, sondern kann geformt werden. Wenn kein Anreiz zur Kommunikation mehr besteht, trotz Bemühungen und Bedenken, ist der Sender nicht in der Lage zu kommunizieren. Ein neuer Job? Nein, eine neue Einstellung zum Gegenüber sollte her.

        • Katja Splichal says:

          Ich glaube, Frau Schleicher meint, dass die “Lust auf Kommunikation” vom Umfeld abhängt – also: “mag ich meine Firma, mag ich unsere Produkte, stehe ich zu dem, was ich hier mache” – Und hier kommt die absolute Engstelle der ganzen Argumentation: Social Media funktioniert eben nicht [nur!] so: Wenn die arme Wurst aus der Buchhandlung twittern “heute wieder nur drei Kunden, alle doof, lesen Potter statt Plato” — und das über Wochen und Monate durchhält, dann werden seine Follower ihn irgendwann in der Buchhandlung besuchen kommen und Bücher kaufen – dann hat nämlich der schlechtgelaunte A*** genau seine Zielgruppe gefunden – in seinem Ton und auf seine Art, denn Nettsein ist eine sehr spitze Qualität – authentisch sein nicht.
          DAS macht Social Media aus und nicht etwa “jetzt können wir endlich direkt mit unseren Fans reden” oder “nie waren wir unserer Zielgruppe so nah” — das wahre Potential liegt für den Einzelnen dort, wo eben nicht der kreativ geschniegelte Werbetext gepushed wird, sondern der Mensch als solches gesehen wird. Das Gleiche gilt für Figuren – siehe Facebook-Seite von Ritter Rost und ähnliche. Das hat m.E. mit kommunikativen Mechanismen nichts zu tun sondern mit Monitoring und Dranbleiben.

          • genau das meint die liebe Frau Schleicher…

            Ich glaube, Frau Schleicher meint, dass die “Lust auf Kommunikation” vom Umfeld abhängt – also: “mag ich meine Firma, mag ich unsere Produkte, stehe ich zu dem, was ich hier mache” –

            Der Punkt mit der augenhoehe ergibt sich zusaetzlich daraus – uebrigens in jeder Art der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wenn Augenhoehe der gegenseitige Respekt ist, in dem wir miteinander umgehen, kann Augenhoehe auch zwischen unterschiedlichen Hierarchiestufen funktionieren. sowohl auf Facebook als auch im Meeting. Schoenen Freitag noch.

  3. KS says:

    Über Facebook von Katja Kraus
    “Ich schiebe die Vorbereitung von Präsentationen oder kleinen Reden etc. immer bis auf die allerletzte Minute hinaus – es läuft dann immer sehr gut, aber ich bin damit nicht zufrieden, denn die Anspannung im Vorfeld bindet viel Kraft. Pläne machen oder Deadlines bringen mir leider überhaupt nichts – was hilft? Danke”

  4. KS says:

    Über Facebook von Ralf Deus:

    “Und in der Praxis? Ja, die kommunikativen Ziele sind am Ende die, die wir alle kennen. Aber wie sehr haben wir in all den Jahre bemängelt, nicht mit dem Kunden in den Dialog treten zu können. Und jetzt, wo wir es wirklich können, tauchen viele mit den bekannten Argumenten ab. Und gerade in der Medienlandschaft wird das Thema noch immer unterschätzt oder monodimensional ausgelegt. Aber gerade hier muss die Offenheit und Transparenz ansetzen, so dass auch die Unternehmen (mit)lernen können. Drücken wir also nicht die alten Knöpfe, sondern setzen die Anreize um in den echten Diskurs einzutreten. Ob Storytelling oder Kanäle, alles wird sich (ver)ändern müssen, wenn wir mal richtig anfangen und den Entscheidern die Angst dadurch nehmen 🙂 Angst vor Kontrollverlust und das noch vorherrschende Unverständnis blockieren noch viele Entscheider/-ungen…”

    Was sagen Sie einer besorgten PR-Sprecherin, einem unsicheren Marketingassistenten? Welches Handling empfehlen Sie, wenn tatsächlich mal etwas schief geht?

    • KatjaSchleicher | 5. Juli 2011 at 3:51 pm | Antworten

      Offene Visiere. In sehr vielen Unternehmen herrscht potentiell die Angst vor der Kommunikation, es überwiegt das Gefühl, “was kann passieren, wenn wir das sagen?” statt dem Gefühl “welche Chancen eröffnen sich, wenn wir da sagen?” Erst die Angst bekämpfen. Die ist ein schlechter kommunikativer Begleiter und verstellt den Blick.

  5. KS says:

    Über Facebook von Jay Martin:

    “Die zweite [Verwirrung] besteht darin, Social Media lediglich als ein (weiteres) „dialogisches Medium“ wahrzunehmen. Die Verwirrung verstellt nachhaltig den Blick auf die Bedingungen dieser Kommunikation und darauf, wie Social Media als „Netzwerk“ (einschließlich solcher Parameter wie Mobile und Real Time) Unternehmenskommunikation mit sehr spezifischen Konversationsstrukturen systematisch verändert und nicht zuletzt auch gesellschaftsformend wirksam ist. In diesem Prozeß füllen die Schläuche sich nicht nur mit neuem Wein in Form von neuen Potentialen, sondern werden an vielen Stellen auch bis zur Zerreißprobe strapaziert: das vollständige Spektrum aus großen Chancen und drohenden Frakturen läßt sich aber nur erkennen, und rechtzeitig erkennen, über das Neukalibrieren der eigenen Perspektive.”

    Wie erreicht man eine derartige Neukalibrierung?

    • Katja Schleicher says:

      … in diesem Fall hilft im ersten Schritt ein Nachdenken über die Markenwahrnehmung und ein Ist/ Soll-Abgleich derselben. Langfristig ein systemischer Abgleich der Vorstellungen innerhalb des Unternehmens. Ein Prozess, der oft Jahre dauert und der einen sehr langen Atem erfordert.

  6. KS says:

    Über Facebook von Tim Bruysten:

    “Auch wenn man einigen Aussagen von Frau Schleicher generell zustimmen muss, wie etwa, das Mitmachen nicht alles ist, sondern ein Mehrwert für alle Beteiligten im Mittelpunkt jeder Kampagne (nicht nur Social Media) stehen sollte, enthält das Interview dennoch einen Denkfehler, der Unternehmen teuer zu stehen kommen kann. […]

    Medien als Kanäle zu begreifen ist generell eine sehr vereinfachende Aussage. Facebook oder die ARD so zu titulieren ist ebenfalls vereinfachend, aber erstmal OK. Social Media ist aber kein Kanal, es ist eine Kulturform zu der eine neue Sprache, neue Gesten, neue gesellschaftliche Regeln gehören und deren Entwicklung mit der Implementierung neuer Technologien in die Gesellschaft einhergegangen ist.”

    Also doch ganz neuer Wein?

  7. daniela says:

    Sehr geehrte Frau Schleicher,
    ich habe das Gefühl, dass es in der Kommunikation (über sich selbst oder über ein Produkt) immer nur darauf ankommt, dem Gegenüber/der Zielgruppe gerecht zu werden: also ein Stück weit sich zu verkaufen, um etwas zu verkaufen? Ist das nicht Expertensache oder muss das heute tatsächlich jeder können? Mir kommt es so vor, als sei man dazu geboren oder lässt es lieber. Gibt es nicht ein Marketing-Gen?
    Vielen Dank.

    • Liebe Daniela, meistens stecken hinter der genialen kommunikativen Wirbung viel Vorbereitung und Üben. Es mag einige wenige Kommunikations-Genies geben, aber auch dei schöpfen nur bei den letzten 10% aus ihrer Genialität. Ein “Marketing-Gen” habe ich bisjetzt selten erlebt. Was aber immer hilft, ist Leidenschaft für das entsprechende Thema.

      • daniela says:

        Danke – also Leidenschaft.. ich weiß nicht, wie praktikabel das im Joballtag ist.. der Kopf ist dauernd voll, oft ist man nur noch genervt und urlaubsreif, und dann sagt mir eine “kommunizeiren Sie leidenschaftlich” – ich glaube, ich müsste erstmal lachen. Oder weinen. Ich glaube, dass ein wirklich genialer Coup aus dem Ärmel geschüttelt wird und nur dann gelingen kann, wenn man wirklich mit dem Herzen dabei ist – für die meisten, die jahrelang frustriert im Job hocken, schwer vorstellbar und nicht weniger leicht zu ändern. Wie geht man dem entgegen?

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