Türchen #19 – noch 5 Tage bis Weihnachten

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Im nächsten Regal, das ich mir ansehe, scheinen vor allem lyrische Werke versammelt zu sein. Ich ziehe ein Büchlein mit weißem Einband hervor, auf dem zwei langstielige Rosen abgebildet sind. Den Text kann ich nur langsam entschlüsseln, weil er in Fraktur geschrieben ist:

„Es waren einmal zwei Schwestern
so schön und hilfsbereit,
im Walde keines der Tiere
tat ihnen jemals ein Leid.

Und als im kalten Winter
ein _ _ _ gar vor ihnen stand
und bat um ein Plätzchen am Ofen,
da reichten sie ihm die Hand.

Bei einem Spaziergang im Walde
da hörten sie jemanden schreien.
Ein Männlein hing fest mit dem Barte
und konnte sich nicht befreien.

Durchtrennt ward der Bart in Eile
mit einem Messerchen blank,
doch nichts als Schimpf und Schelte
erhielten vom Mann sie zum Dank.

Noch zwei Mal mussten sie retten
das Männchen aus großer Not.
Stets litt darunter der Bart,
stets wünschte das Männlein sie tot.

Ein viertes Mal fanden sie ihn,
doch dieses Mal nicht in Not.
Er hortete Edelsteine,
die funkelten blau, grün und rot.

Und wieder fluchte das Männchen
verwünschte die beiden gar schwer,
da stand plötzlich hinter ihnen
ihr guter Freund, der _ _ _.

Er ließ sich nicht erweichen
von Versprechen und Bettelei,
sondern erschlug das Männchen
und endlich ward er frei.

Es gab eine große Hochzeit
dem ganzen Lande zur Freud‘
und wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heut‘.“

Das ist ja wirklich märchenhaft, aber ich hatte auf etwas Romantisches gehofft, also lege ich das Büchlein zurück.

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