Minderheitensprachen in der Presse – Der Flensborg Avis als Zeitung der dänischen Minderheit in Deutschland

Autorin: Charlotte Kuschka

Sprache ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens, wir sind täglich von ihr umgeben und ohne sie wäre unsere Kommunikation kaum vorstellbar. Sprache stiftet aber auch Identität und verbindet Kultur und Brauchtum, was besonders für Minderheiten eine große Bedeutung hat. In Europa gibt es mehr als 100 Minderheitensprachen, die in der Europäischen Charta für Regional- und Minderheitensprachen geschützt sind. Mit der Ratifizierung der Charta verpflichten sich die Staaten zum Schutz und zur Förderung der Sprachen ihres Landes. In Deutschland sind dies die vier Sprachen der autochthonen Minderheiten der Fries*innen, der Sinti*zze und Roma*nja, der Sorb*innen und Dän*innen, aber auch die Regionalsprache Niederdeutsch/Platt wird durch die Charta geschützt. 

Je nach Sprachsituation gibt es verschiedene Medienformen, die in der jeweiligen Sprache bedient werden. Neben Rundfunk und Fernsehen gibt es auch Zeitungen in den Minderheitensprachen. Eine davon ist die Tageszeitung „Flensborg Avis“, die als Medium der dänischen Minderheit in Deutschland fungiert. 

Die Zeitung gibt es bereits seit 1869 und publiziert, nach kriegsbedingter Unterbrechung, fast ausschließlich in dänischer Sprache. Auch die Publikationskultur erfolgt nach dänischem Vorbild, wie es Chefredakteur Jørgen Møllekær erklärt. So gibt es im dänischen etwa kaum Überschriften, die als Fragen formuliert sind, wie es in deutschen Publikationen häufiger der Fall ist. 

Als minderheitensprachliche Zeitung hat der Flensborg Avis einen besonderen Auftrag, so Jørgen Møllekær. Und zwar die Förderung des Zusammenhalts der Minderheitengesellschaft. Um das zu erreichen, versucht die Redaktion alle Zielgruppen anzusprechen. So gibt es eine Onlineausgabe für eine jüngere Zielgruppe sowie eine besondere Beilage in der Samstagsausgabe der Zeitung, die sich vor allem an Lernende richtet. Eine weitere Besonderheit der minderheitensprachlichen Zeitung ist außerdem die Auswahl der Themen. Neben überregionalen Themen, wie es sie in jeder Tageszeitung gibt, sind vor allem regionale Themen der Sprachgemeinschaft wichtig.

Die durchschnittliche 5.000 bis 6.000 starke Auflage reicht jedoch nicht, um die Arbeit der Zeitung zu tragen. Um dies zu ermöglichen, bekommt der Flensborg Avis Zuschüsse aus Dänemark. Wie Jørgen Møllekær erklärt, hat dies historische Gründe. Nach der letzten Grenzverschiebung, durch welche Südschleswig endgültig zu Deutschland zählte, gab das Mutterland Dänemark seiner Minderheit in Deutschland das Versprechen, diese nie zu vergessen und immer zu unterstützen. Dieses Versprechen ist jetzt bereits 162 Jahre alt, wie Møllekær betont. Von deutscher Seite gibt es hingegen keine Unterstützung, obwohl dies die europäische Charta eigentlich vorsieht. Die 25 Personen starke Redaktion wird demnach hauptsächlich durch dänische Förderung ermöglicht. Die Zeitung ist dennoch in der Region anerkannt und ein fester Bestandteil der Flensburger Geschichte.

Auch wenn die regionalen Themen der Sprachgemeinschaft einen wesentlichen Anteil der Artikel ausmachen, wird der Austausch mit anderen Minderheitenzeitungen ebenfalls verfolgt. Gefördert wird dies durch die „European Association of Daily Newspapers in Minority and Regional Languages“ (kurz MIDAS), bei welcher sowohl der Flensborg Avis als auch die obersorbische Tageszeitung „Serbske Nowiny“ Mitglied ist. Ziel der seit 2001 bestehenden Organisation, ist die Kooperation und der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Minderheiten. So werden Berichte, welche minderheitenpolitisch überregional relevant sind, unentgeltlich ausgetauscht und veröffentlicht. Ganz einfach ist die Zusammenarbeit jedoch nicht, erklärt Møllekær, da durch die unterschiedlichen Sprachsituationen und Förderungen der Länder die publizistische Qualität der Mitgliedszeitungen sehr unterschiedlich ist. Der Austausch soll ab Januar nächsten Jahres dennoch weiter ausgebaut werden und die publizistische Zusammenarbeit soll noch enger werden. Dies hat Jørgen Møllekær, als 2. Vorsitzender im Verwaltungsrat des MIDAS, angestoßen. Geplant ist einmal im Monat einen Beitrag einer MIDAS- Zeitung zu veröffentlichen und so die Situationen anderer Minderheiten sichtbar zu machen. 

Lektorin: Lisa Schweizer

Quellen: (letzter Abruf 05.09.2022) https://www.minderheitensekretariat.de/wen-vertreten-wir/uebersicht-und-selbstverstaendnis; https://www.midas-press.org/ 

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