Poetry’s magic…

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Lange galt Lyrik auf dem Buchmarkt als absatzschwaches Spektrum und wurde innerhalb des belletristischen Sortiments eher stiefkindlich behandelt. Die schnelllebige Generation der Digital Natives nimmt sich kaum mehr Zeit für Droste-Hülshoff oder Hölderlin. Stattdessen sind es soziale Netzwerke, wie Facebook oder Instagram, die viel Alltagszeit beanspruchen und so auch Einfluss auf die Kultur des 21. Jahrhunderts nehmen.

Vielleicht ist es deshalb auch nicht weiter verwunderlich, dass eine neue Art der Gattung „Dichter“ ausgerechnet dem Internet entspringt: Der Instagram-Poet.

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Auf einer Webseite, die sich eigentlich am Visuellen orientiert, entsteht unter dem Hashtag #instapoetry eine ganze Bibliothek an Gedichten, die nicht ungesehen bleiben. Bekannte Vertreter wie Atticus (1.1 Mio. Abonnenten), Robert M. Drake (1.9 Mio. Abonnenten) oder Rupi Kaur (3.6 Mio. Abonnenten) verstehen es im Besonderen, ästhetische Bilder und kurze prägnante aber gefühlvolle Verse zu einem erfolgreichen Gesamtwerk zu verbinden.

Natürlich treffen die Instagram-Dichter dabei nicht jeden Geschmack. Manch einem erscheinen die kurzen Zeilen vielleicht als kitschig- doch scheinen sie dabei bei einer großen Zahl von Nutzern einen Nerv zu treffen.
Mittlerweile beschränkt sich die Leserschaft längst nicht mehr auf die Online-Community. Verlage haben in dem Trend ihre Chance gesehen- und sich zu Nutze gemacht. Rupi Kaur’s erstes Buch „milk and honey“, eine Anthologie aus Lyrik, Prosa und eigenen Illustrationen, verkaufte sich rund 2,2 Millionen Mal. Auch in zweisprachiger Fassung ist der Gedichtband seit 2017, herausgegeben vom LAGO Verlag, bei uns in Deutschland erhältlich. Atticus‘ Anthologie „Love her wild“ ist seit Februar 2019, erschienen im dtv Verlag, ebenfalls in deutscher Sprache auf dem Markt.

Fraglich ist, ob die literarische Qualität der Gedichte beim Übersetzen erhalten bleibt. Formulierungen und Wortspiele, die wesentlich zur Wirkung der Verse auf den   Leser beitragen, können hierbei leicht verloren gehen. Die direkte Botschaft, wegen der sich die Lyrik großer Beliebtheit beim Publikum erfreut, sollte nicht unter gestelzten Ausdrücken, wie sie bei der Übertragung in eine andere Sprache entstehen können, leiden.

Sicher ist, dass auch in nächster Zeit mit neuen Veröffentlichungen der Instagram-Poeten gerechnet werden darf, die sich, entgegen vieler Anschuldigungen, nicht nur mit Herzschmerz beschäftigen. Themen wie Herkunfts- und Heimatsfrage, sowie Tabubrüche im Bereich des Feminismus verleiht #instapoetry Gewicht und macht die Bücher der modernen Dichter lesenswert- ob in Deutsch, oder in Originalsprache.

Artikel von: Adina Grimm

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