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Eine gute und richtige Entscheidung: Friedenspreis 2018 geht an Jan und Aleida Assmann / Menschenrechtskampagne „We are on the same page.“

Foto von © Friedrich Figge

Autor: Christian Bartl


Nachberichterstattung – IG Digital #igd18 und buchtage #btb18

Über verschiedene Themen, die wir aus drei spannenden, lehrreichen und alles in allem überwältigenden Tagen in Berlin mitgebracht haben bereichten wir ab heute und noch die ganze bevorstehende Woche über.


Der Friedenspreis des deutschen Buchhandels ist in diesesm Jahr an die Eheleute Aleida und Jan Assmann verliehen worden und hat damit zwei Preisträger gefunden, deren Ehrwürdigkeit schwer zu bestreiten ist.
Wir möchten uns den allseitigen Glückwünschen ausdrücklich anschließen!

Die beiden Kulturwissenschaftler aus Heidelberg, geboren 1938 respektive 1947, haben sich in ihrem langjährigen öffentlichen Wirken sowie ihren unzähligen wissenschaftlichen Veröffentlichungen immer wieder aktiv in gesellschaftliche Debatten eingeschaltet.
Dabei seien Sie, so der Medienwissenschaftler Jan Hörisch, der die Beiden für den Preis vorgeschlagen hatte, immer wieder als „entscheidende Stichwortgeber“ in Erscheinung getreten.

Dies ist unter anderem deshalb hervorzuheben, da der Vorwurf, die Geisteswissenschaften versteckten sich im Elfenbeimturm, – es fehle ihnen an Welthaltigkeit, schlichtweg an Relevanz hinsichtlich des echten Lebens – mal wieder zunehmend lauter wird. Durch ihre Arbeiten zum Thema Erinnerungskultur und kulturelles Gedächtnis haben Jan und Aleida Assmann solchen Vorwürfen seit jeher und immer wieder das ohnehin brüchige Fundament entzogen, auf dem diese zu stehen glaubten.

Vor allem aber tun sie es noch immer. Denn in welchen Zeiten wäre eine Veröffentlichung wie Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen von Jan Assmann wichtiger, als den aktuellen, da Fragen der kulturellen Identität so hitzig diskutiert werden, wie schon lange nicht mehr?
In welchen eine Intervention, wie Aleida Assmanns Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur, gebotener, als in eben genau denjenigen Zeiten, da gewählte Mitglieder des deutschen Bundestages bestrebt sind ,die dunkelsten Studen deutscher Geschichte, die wir als Gesellschaft eigentlich einmal nie vergessen wollten, doch vergessen zu machen? #vogelschiss
Demgemäß nennt etwa SPIEGEL online die Auszeichnung „ein Symbol für einen überlegteren Umgang mit autoritären Bewegungen“.

Trotz der gegebenen Fokussierung auf die genannten Themenkomplexe, schreiten die Bewegungen des Denkens der beiden Wissenschaftler jedoch auch stets ein außerordentlich weites Feld ab. So beschäftigte sich Aleida Assmann in ihrer Monographie Formen des Vergessens (2016) nicht nur erneut mit theoretischen oder historischen Erinnerungsfragen. Sondern auch damit, wie wir als Menschen mit den digitalen Bedingungen des Erinnerns und Vergessens, soll heißen einer eventuellen „Unmöglichkeit des Vergessens im Internetzeitalter“ umgehen können.

Als bisher letzterschienener aber sicher nicht letzter Glanzpunkt seien die Wiener Vorlesungen Menschenrechte und Menschenpflichten: Auf der Suche nach einem neuen Gesellschaftsvertrag genannt, deren ambitionierter Titel an dieser Stelle für sich selbst sprechen mag.

Was darüber hinaus noch zu sagen bleibt ist lediglich eine – erinnerungsstärkende(!) – Wiederholung:
Wir möchten uns den allseitigen Glückwünschen ausdrücklich anschließen!



Und da wir gerade schon beim Thema Menschenrechte sind, möchten wir bei dieser Gelegeneit auch ganz speziell auf die neu ausgerufene Kampagne We are on the same page des Börsenvereins und der Frankfurter Buchmesse hinweisen.

Foto von © Friedrich Figge

„Die Menschenrechte sind universal. Sie bekräftigen die Würde und den Wert der menschlichen Persönlichkeit. Und sie sind die Basis für die Arbeit der internationalen Publishing-Branche. Wir können unsere Werke nur dort frei publizieren, wo die Menschenrechte eingehalten werden. Sie sind die grundlegende Voraussetzung, um Geschichten weltweit zu erzählen, Ideen über Grenzen hinweg zu verbreiten und Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt zu inspirieren.“

 

Wir unterschreiben. Alle weiteren Informationen finden sich unter www.buchmesse.de/onthesamepage

 


zum #Weiterlesen: empfehlen wir heute ganz selbstverständlich und als allererstes das Interview mit Jan und Aleida Assmann im Börsenblatt.
Außerdem die diversen, ebenso klugen wie aufwendig recherchierten Veröffentlichungen des Journalisten Rico Grimm auf krautreporter.de zu den Themen Neue Rechte und Kulturelle Identität.

 

Lass uns doch einen Kommentar da.

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