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Fokus auf die Innenstädte kleiner Gemeinden – Thalia expandiert

© bei joho345 und Wikipedia

Autorin: Milena Lohse

Kleine Buchhandlungen verwandeln sich in Thalia-Filialen. Doch warum geht diese Veränderung vonstatten?

Besonders im Süddeutschen Raum hat man in letzter Zeit häufig gehört, dass die Buchhandelskette Thalia verschiedene eigenständige Buchhandlungen und zum Teil auch Filialen anderer, kleinerer Buchhandelsketten übernommen hat. Als Beispiel sollen hier die beiden Buchhandlungen in den Süddeutschen Städten Traunstein und Bruckmühl genannt werden, die erst kürzlich aus der Eigentümerschaft des Südtiroler Mischkonzerns Athesia zu Thalia gewechselt sind. Die Expansionspolitik, die Thalia schon seit einiger Zeit verfolgt, erstreckt sich jetzt also auch auf den Raum Süddeutschland; Thalia möchte nach eigenen Aussagen die eigene Reichweite im dortigen Gebiet erhöhen.

Der Buchgroßhändler konzentriert sich dabei übernahmetechnisch verstärkt auf kleine und inhabergeführte Buchhandlungen, deren Marktlage momentan ohnehin schwierig ist. Denn in den aussterbenden Innenstädten der Kleinstädte lassen sich Buchhandlungen nur noch schwierig und vereinzelt halten. Die finanziellen Mittel der Buchhandelsinhaber reichen oft schlicht und einfach nicht aus, um die Buchhandlung trotz sinkender Käuferzahlen offen zu halten.

Und wie traurig – so viel Meinungsstärke und Pathos sei erlaubt – ist bitte eine Innenstadt komplett ohne Buchhandlung?

 

Einige der kürzlich vollzogenen Übernahmen hat Thalia mit der Ansprache der jeweiligen Buchhändler durch halbwegs standardisierte Serienbriefe in die Wege geleitet. Diese wurden von Thalia an mehrere kleinere Buchhandlungen versendet und die Buchhändler wurde darin grob gesagt vor die Wahl gestellt: Entweder man werde sich über eine Übernahme der Buchhandlung durch Thalia einig oder Thalia eröffne eine neue Filiale in direkter Nachbarschaft.

Wie mag sich da wohl ein Buchhändler entscheiden, der sowieso schon mit den erwähnten aussterbenden Innenstädten, mit der Tendenz sinkender Käuferzahlen (im Buchhandel) und folglich auch fortwährend um seine eigene Existenz zu kämpfen hat?

Die hochgeschätzte Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) traut sich, nebenbei bemerkt, sogar von „mafiösen Methoden“ zu sprechen.

 

Wie meistens jedoch ist man wohlberaten die Lage differenziert zu betrachten. Denn sicher kommt mit der Veränderung auch einiges Positives. Wie schon (mehrfach!) gesagt, wird es immer schwieriger in den Innenstädten kleine inhabergeführte Buchhandlungen offen zu halten, da die finanziellen Mittel fehlen. Oft leider auch – man muss das Kind einmal beim Namen nennen – das kaufmännische Know-How. Und genau diese finanziellen Mittel, die notwendige betriebswirtschaftliche Kompetenz und darüber hinaus weitreichende Erfahrungswerte, bringt Thalia natürlich mit. Somit hat die Buchhandlung an sich, mal kurz eigentümerunabhängig gedacht, auf längerer Sicht eine wesentlich größere Chance finanziell am Leben und den Kunden, den Stadtbewohnern, den Lesern erhalten zu bleiben.

Durchaus ist auch der Markenname Thalia, dessen Präsenz und Stärke, ein relevanter Faktor für die Attraktivität einer Innenstadt. Lässt sich ein solcher Buchhandelsgigant in den Innenstädten nieder, werden dieselben mitunter dadurch direkt aufgewertet und mehr Kunden kommen in die Innenstadt, machen sie lebendiger.

(Unter diesem Link finden sich weitere Informationen zur positiven Wirkung, von, den Menschen vertrauten, Marken à la Media Markt, Burger King, Coca Cola.)

 

Um zu den eingangs genannten Buchhandlungen in Traunstein und Bruckmühl zurückzukommen, kam dort die Übernahme durch Thalia, laut Athesia, zudem genau im richtigen Moment. Das Verlags- und Buchhandelsunternehmen Athesia befindet sich momentan in einer Umstrukturierung, in deren Zuge sich der Schwerpunkt des Unternehmens vermehrt auf die Verlagsseite verlagern soll. Athesia wollte sich somit ohnehin von den beiden Buchhandlungen trennen. Wer weiß, ob die Buchhandlungen ohne die, in diesem Fall freundliche und höchst einvernehmliche, Übernahme durch Thalia nicht einfach geschlossen worden wären, und die Innenstadt der beiden Orte ein weiteres Geschäft verloren hätte?

Schlussendlich sollte man nicht verheimlichen, dass Thalia durch seine Stellung als Marktführer im stationären Buchhandel erheblichen Druck auf seine Konkurrenten ausüben kann und de facto ausübt. Doch wird der kriselnde Buchhandel eben zugleich auch gerade durch das Engagement des Großunternehmens belebt.

Thalia wird ohne Frage weiterhin und besonders im Süddeutschen Raum seine Präsenz ausbauen und es wird abzuwarten sein, was die Zukunft bringt.

 


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#zum_Weiterlesen: Gesondert hinweisen möchten wir gerne auf den positiven Ansatz zum Umgang mit dem Innenstadtsterben, den die Huffington Post vorschlägt.
Und – zugegebenermaßen artikelthemenfremd – auf eine Sache, auf die wir bei unseren Recherchen rein zufällig (keine Ironie! echter Zufall) gestoßen sind. Den Knigge 2.0. Den können wir alle gut gebrauchen. #Flapsigkeit

 

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