Transmediales Erzählen

Inhalte und die Art wie sie erzählt werden, sind schon immer vom Zeitgeist anhängig gewesen. Jede Ära hat ihre Geschichten.

Eine Form des Erzählens, welche die sozial vernetzte Ära prägen soll, ist das transmediale Erzählen. Aber damit man bei all den „-medialen“ Wörtern nicht den Überblick verliert, zuallererst eine kurze Begriffserklärung:

Crossmediale Verwertung ist sicher der geläufigere Begriff. Dabei geht es um die Kombination verschiedener Kanäle, um eine Geschichte zu verbreiten. Zusätzlich zum Ausgangsmedium wird die gleiche Geschichte noch z.B. als e-book, als Buch zum Film, als Serie, Videospiel usw. verkauft.

Transmediales Erzählen hingegen vermittelt “Geschichten” konterlinear über verschiedene Medien und Medienkanäle. Anders als der Franchise, bei welchem eine abgeschlossene Ausgangsgeschichte in weitere Medien übertragen wird, ist die Ausgangsgeschichte beim transmedialen Erzählen beim Übergang in ein anderes Medium noch nicht abgeschlossen. Die Erzählform der Geschichte wird lediglich in einer anderen Umgebung fortgeführt.

Ein erfolgreiches Beispiel für ein Franchise ist Harry Potter. Ausgehend von den Büchern wurde die Marke um zahlreiche Medien erweitert, Filme, Comics, Spiele und natürlich die Massen an dazugehörendem Merchandise.

Als Beispiel für eine erfolgreiche transmediale Geschichte dient Cathy’s Book, in Deutschland von Bastei Lübbe verlegt. Cathy, die Heldin des Buches, hat ihrer Freundin ein Tagebuch hinterlassen mit Hinweisen auf Cathys Aufenthaltsort. Leser lesen dabei nicht nur das Buch und bekommen im Verlauf der Geschichte auch Cathys Aufenthaltsort heraus, sondern müssen anhand der Kritzeleien am Rand, dem Satz an Zetteln mit Beweismaterial, Links zu Homepages und verschiedenen Telefonnummern selbst herausfinden, wie die Geschichte sich entwickelt. Wenn Leser die anderen Medien nicht nutzt, werden sie das Ende der Geschichte nicht herausfinden.

Natürlich ist der Wunsch der Produzenten solcher Serien ganz klar: die Konsumenten sollen nicht nur ein Buch, sondern auch das Spiel dazu kaufen – und wenn sie sich dann noch online, transmedial und interaktiv, sozial vernetzt und UGC darüber austauschen, ist die Kundenbindung perfekt. Das funktioniert heute schon in anderen Bereichen ganz gut: tausende World of Warcraft-Spieler geben immerhin jeden Monat Geld dafür aus, dass sie das Spiel weiterspielen können, haben eine eigene Sprache entwickelt, eigene Youtube-Kanäle, Verkaufsstrategien für spielinterne Währungen über eBay etabliert und einen Franchise-Markt der Spitzenklasse geschaffen. Gerade erst hat George Lucas sich seine Nase mit der Blue Ray Version von Star Wars noch weiter vergoldet. Und dabei handelt es sich nicht einmal um wirklich neue Inhalte. Kein Wunder, dass die Idee, Geschichten über mehrere Medien zu erzählen, so viel versprechend erscheint. Gelungenes transmediales Erzählen gibt den Konsumenten der Geschichte einen wirklichen Anlass sich vom Ausgangsmedium weg in andere Medien zu begeben ohne ihnen das Gefühl zu geben, einem Zwang zu unterliegen und ihre Schwellenängste zu aktivieren. Dass die sogenannte Gamification mittlerweile sowohl in der Freizeitgestaltung als auch für das Lern-, Ausbildungs- und Entwicklungsverhalten eine immense Rolle spielt, wird bereits breit diskutiert und scheint einen tatsächlichen Trend darzustellen.

Transmediales Erzählen, welches mit den heutigen technologischen Möglichkeiten unglaublich interessant gestaltet werden kann, könnte die wahre Form des enhanced e-books sein. Vielleicht brauchen sich die Verlage dann auch nicht mehr so viele Gedanken darüber zu machen, ob sie ihre e-books billiger als die Printausgabe anbieten, denn mit transmedialen Inhalten können sie den Mehrwert für ihre Produkte schaffen, nachdem immer verlangt wird – und der auch mehr kosten darf.

Nachwuchskräfte können sich gleich in dieser neuen Erzählform auf der Buchmesse versuchen. Unter dem Titel „Flying Sparks“ finden vom 14. bis 16. Oktober zahlreiche Events statt, zum Beispiel die High Flyers. Profis plaudern aus dem Nähkästchen, dazu gibt es noch jede Menge Workshops in denen man seiner Kreativität freien Lauf lassen und das neue Erzählen selbst ausprobieren kann.

Viel Vergnügen wünscht Euch Euer Team von VerlagederZukunft!

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