DER CIRCLE- TEILEN IST HEILEN. ALLES PRIVATE IST DIEBSTAHL. WAS MACHST DU, WENN PRIVATSPHÄRE EIN VERBRECHEN IST?

Rezension

Anna Leiß stellt euch die Dystopie „Der Circle“ vor, ©

Als 2014 Dave Eggers neuer Roman „Der Circle“ in Deutschland erschien, waren die Feuilletons alarmiert – es war das Buch des Jahres 2014. Man hat sofort eine Verbindung zu real existierenden Firmen wie Facebook, Google oder Apple ziehen können, die titelgebende Firma „Circle“ wirkt wie eine gruselige Mischung aus Silicon Valley-Pionieren und Big Data-Enthusiasmus.

Da nun im Spätsommer (14.9.2017) die Verfilmung des Bestsellers in die Kinos kommt, würde ich  euch das Buch gern noch einmal ans Herz legen.

 

Es geht um die 24-jährige Mae Holland, die durch eine Freundin einen Job bei dem hippen Internetunternehmen „Circle“ bekommt. Die Firma lernen wir durch ihren recht naiven Blick kennen. Vieles ist hier anders, neu und für den Leser beängstigend. Der Circle ist nicht nur Arbeitgeber, sondern gleichzeitig eine Stadt mit Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Wohnheimen und Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten. Mitarbeiter werden aufgrund ihrer Onlinetätigkeit bewertet, alles wird geteilt und gepostet, wer nach fünf Minuten nicht auf Nachrichten antwortet, gilt als asozial und muss sich sogar vor seinen Vorgesetzten verantworten.  Die Daten auf den privaten Endgeräten werden alle zentral in der Cloud gespeichert und ausgewertet.

Zusätzlich weisen die drei Bosse des Circles  starke Ähnlichkeiten mit Persönlichkeiten wie Mark Zuckerberg oder Steve Jobs auf – dort werden Ansprachen so gefeiert wie Rockkonzerte.

„Zingen“ (ähnlich wie Twittern) während der Arbeitszeit ist ausdrücklich erwünscht.Erfindungen wie extrem günstige Kameras mit Internetverbindung oder einem Chip, der im Körper verpflanzt ist und Kindesentführungen verhindern soll, gehören neben dem Hauptgebiet, einem riesigen sozialen Netzwerk, zum Spektrum des Circles.

 

Klingt soweit alles ganz in Ordnung in der schönen neuen Online Welt? Mae Holland jedenfalls fühlt sich recht wohl und meistert ihre Aufgaben in der Customer Experience, wo sie anfangs eingeteilt ist, mit Bravour. Teilweise auf vier Bildschirmen muss sie während ihrer Arbeitszeit achten und gleichzeitig  sich über das soziale Netzwerk mit anderen Circlern sozialisieren – um ihren „Partizipation Rank“ hochzuhalten. Bis zu dem Augenblick, wo Mae einen folgenschweren Fehler begeht, der nicht nur ihr Berufsleben in Gefahr bringt, sondern auch ihr privates Leben komplett umkrempeln wird…

 

Klar, „Der Circle“ übertreibt und zeichnet eine Welt in schwarz-weiß, aber das ist auch so beabsichtigt. Dave Eggers hat eine unfassbar starke Dystopie geschaffen, die unserer heutigen Online Welt den Spiegel vorhält. Es ist spannend und kurzweilig geschrieben, aber man wird auch zum Nachdenken gezwungen, Eggers steckt den Finger direkt in die Wunde. Wollen wir so eine Zukunft? Natürlich nicht.

 

Ich kann jedem jetzt noch raten, das Buch zu lesen, bevor der Film raus kommt, da das Buch gänzlich andere Bilder in mir hervor gerufen hat, als der Film-Trailer vermittelt. Und wie man schon von anderen Verfilmungen kennt, ist es schwierig, solche starken Bilder unabhängig von dem Buch zu sehen und dann unvoreingenommen zu lesen.

 

Ihr findet das Buch natürlich in der Bibliothek, aber auch in jeder gut sortierten Buchhandlung. Mittlerweile ist es auch schon als Taschenbuch (Kiepenheuer&Witsch Verlag , ISBN: 978-3-462-04854-4) erhältlich.

 

 

Autor: Anna Leiß

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