Verlagsaufgaben in Autorenhand – Ein Treffen mit der Indie-Autorin Annelie Wendeberg

Ich habe eine Verabredung, mit einer Autorin und mit einer Verlegerin. Dennoch treffe ich an jenem sonnigen Vormittag im November lediglich eine Person, Annelie Wendeberg, in Begleitung ihres Ehemannes Magnus. Annelie Wendeberg ist Autorin und Verlegerin sozusagen in Personalunion. Sie ist Selfpublisherin oder Indie-Autorin, wie sie sich selbst nennt.

Annelie Wendeberg Copyright Magnus Wendeberg
Annelie Wendeberg
(C) Magnus Wendeberg

Vor gut zwei Jahren begann Annelie, die hauptberuflich Mikrobiologin und Mutter ist, in ihrer Freizeit zu schreiben. Es entstand „The Devil’s Grin“, ein historischer Thriller um Dr. Anton Kronberg, alias Anna Kronberg, eine junge, ehrgeizige Frau, die sich im Männergewand als führender Bakteriologe des viktorianischen England einen Namen gemacht hat. Gemeinsam mit Sherlock Holmes muss sie die Herkunft eines Cholera-Toten in den Londoner Wasserwerken und die Hintergründe dieses mysteriösen Todesfalles ans Licht bringen.

Der Titel „The Devil’s Grin“ lässt es bereits erahnen: Das Buch ist auf Englisch erschienen, „weil es einfach besser floss“, sagt Annelie. Mittlerweile ist der zweite Teil der Kronberg Thriller, „The Fall“, auf dem eBook-Markt zu haben, der dritte Teil ist fertiggestellt und ein weiterer in Arbeit.

Um ihr Buch an den Leser zu bringen, hat sich Annelie Wendeberg in den vergangenen Jahren in die Welt des Indie-Publishing gestürzt und sich intensiv mit dessen Instrumenten auseinandergesetzt. Das macht sie zu einer interessanten Gesprächspartnerin, wenn es um die Praxis des Selfpublishing geht, und nicht nur dann…

Spätestens nachdem das Werk vollendet ist, sollte es Außenstehenden zum Lesen gegeben werden. Diese wichtige Verlagsaufgabe, das Lesen, Redigieren und Korrigieren des Textes funktioniert für Annelie als eine Art gegenseitiger Freundschaftsdienst. In ihren Indie-Kollegen findet sie versierte Korrekturleser, da diese, so Annelie, selbst in der Regel Vielleser sind. Nichtsdestotrotz sollte man unbedingt sein Werk einem professionellen Lektor bzw. Korrektor übergeben, wenn es denn der Geldbeutel hergibt. Ein Lektor wird allumfassend am Text arbeiten, inhaltliche Fallstricke aufspüren und die Qualität der Geschichte damit erheblich verbessern. Ein Korrektor hingegen ist für die orthografische Richtigkeit verantwortlich. Für den zweiten Teil der Kronberg Thriller setzte Annelie eine Crowdfunding-Aktion in Gang, die ihr das Geld für das Lektorat und Korrektorat bescherte.

Die Gestaltung ihrer Cover übernimmt Annelie selbst. Um die Reaktionen zu testen, stellt sie die Entwürfe bei Facebook zur Diskussion.

Auch das Layout und die Konvertierung des Textes in die gängigen eBook-Formate, mobi und ePub, nimmt sie selbst in die Hand. Das Know-How haben ihr Internetpiraten vermittelt, die ihr erstes Werk vollkommen bar jeden Kopierschutzes im Netz verbreiteten.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor, so Annelie, ist zweifelsohne die Community, die den Entstehungsprozess des Werkes begleitet. Sie besteht aus befreundeten Indie-Autoren ebenso wie aus Lesern und Fans der bereits erschienenen Titel. Annelie pflegt diese Verbindungen intensiv. Auf ihrer Website hält sie beispielsweise die Fans über den Fortschritt im Schreibprozess auf dem Laufenden, nimmt Anregungen und Kritik entgegen. Der Leser ist bereits während des Schreibens quasi hautnah dabei. Ein wichtiger Teil der Arbeit des Indie-Autors besteht, laut Annelie, in diesen Vernetzungsaktivitäten.

Bei aller Professionalität, die der Indie-Autor bei der Bearbeitung seines Werkes an den Tag legen könne, seien eine perfekte Umsetzung in Sachen Lektorat, Cover, Layout oder Konvertierung jedoch längst kein Garant für einen Erfolg: „Das Buch muss einen Nerv treffen.”

Mit mehreren zehntausend Lesern erlangte „The Devil’s Grin“ eine große Resonanz auf dem englischsprachigen eBook-Markt. Um ausländische Rechte ihres Buches verkaufen zu können, hat Annelie sich an den KiWi Verlag gewandt, der die Rechte für „The Devil’s Grin“ und den Nachfolger „The Fall“ kaufte. Die englischen Rechte bleiben bei der Autorin.

In Kürze kann der erste Teil der Kronberg Thriller nun auch auf Deutsch gelesen werden. Am 13. Februar 2014 wird er unter dem Titel „Teufelsgrinsen“ als Taschenbuch beim Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheinen.

Wir freuen uns auf eine spannende Lektüre und wünschen Annelie weiterhin sprudelnde Ideen.

Autorin: Stefanie Staat

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