Alexa, schreib mir ein Buch! – Künstliche Intelligenz in der Buchbranche

Wer Marc-Uwe Klings dystopischen Roman QualityLand gelesen hat, der ist vielleicht vertraut mit der Androiden-Frau Kalliope 7.3. Kalliope ist eine sogenannte E-Poetin, die zum Schreiben personalisierter Bücher entwickelt wurde. Nun hat sie jedoch eine Schreibblockade und soll verschrottet werden, wie das in QualityLand eben üblich ist.

Wenn wir an künstliche Intelligenz, kurz K.I., denken, kommen den meisten wahrscheinlich Bilder von erschreckend menschenähnlichen Robotern und Cyborgs in den Kopf, die unser Leben kontrollieren und die Menschheit langsam, aber ganz systematisch, vernichten wollen. Doch was viele nicht wissen ist, dass unser Leben schon in sehr vielen Aspekten von künstlicher Intelligenz begleitet wird. Wir finden sie beispielsweise in Algorithmen, die Kundendaten für Unternehmen auswerten, Bestellvorgänge durchführen oder riesige Datenmengen verwalten. Außerdem hat jeder, der ab und an „Alexa, schreib’ Käse auf die Einkaufsliste“ sagt, sich die K.I. auch schon ins Wohnzimmer geholt.

Doch was ist künstliche Intelligenz eigentlich? Und welche Bedeutung hat sie für die Buchbranche?

Starke K.I., schwache K.I.

Eine klare definitorische Abgrenzung ist schwierig, da es in diesem Zusammenhang keine eindeutige Definition von „Intelligenz“ gibt. Doch ganz theoretisch ist die künstliche Intelligenz ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens und dem maschinellen Lernen befasst. Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen einer starken K.I. und einer schwachen K.I.
Eine starke künstliche Intelligenz ist ein Computersystem, das auf Augenhöhe mit dem Menschen arbeitet und ihn bei schwierigen Aufgaben unterstützt. Das beinhaltet unter anderem logisches Denken, die Fähigkeit zu planen und zu lernen, sowie in natürlicher Sprache zu kommunizieren.
Eine schwache K.I. hingegen ist nur eine Automatisierung intelligenten Verhaltens. Sie soll konkrete Anwendungsprobleme meistern und umgibt uns bereits großflächig in Form von Algorithmen, die menschenähnliches Verhalten nachbilden. Beispiele hierfür sind Navigationssysteme oder Spracherkennung. Und genau diese Art der künstlichen Intelligenz birgt großes Potenzial für die Buchbranche.

Qualification mit QualiFiction

Ein Paradebeispiel für künstliche Intelligenz in der Buchbranche ist das Hamburger Start-up-Unternehmen QualiFiction. Die Gründer Gesa Schöning und Ralf Winkler haben einen Algorithmus entwickelt, der die Verkaufschancen von Romanen berechnen kann. Dafür wird ein Manuskript 30 bis 60 Sekunden lang „durchleuchtet“, woraus das Testergebnis resultiert. Meist kann an diesem Punkt schon die Frage beantwortet werden, ob das vorliegende Manuskript ein Bestseller wird oder nicht. Die Software – die übrigens Lisa heißt – analysiert dafür bestimmte Bausteine, aus denen sich der Text zusammensetzt, wie beispielsweise Themen, Stil, Spannung, Stimmung, Handlungsfortschritt, Charaktere, Satzlänge und Vokabular. Lisa wurde während ihrer Entwicklung mit tausenden Texten gefüttert, um eine Datenbasis zu schaffen, die ständig aktualisiert und erweitert wird. Einen Lektor soll die Software nicht ersetzen, doch kann sie bei der Sichtung von Manuskripten helfen und eine Vorauswahl treffen. Große Publikumsverlage sollen schon Interesse an Lisa gezeigt haben, so die beiden Gründer des Start-ups. Welche das sind, wollten sie jedoch nicht verraten.

Künstliche Intelligenz zur Effizienzsteigerung in Verlagen

Das Potenzial der künstlichen Intelligenz in Verlagen liegt in der Effizienzsteigerung. Sie kann zur Auswertung von Datenbeständen eingesetzt werden und somit für optimierte Prozesse und Workflows sorgen. Auf Basis dieser Auswertungen wird wiederum eine direktere Ansprache der Zielgruppen ermöglicht, z. B. durch automatisch generierte Werbung im Internet. Des Weiteren kann K.I. die Mitarbeiter entlasten, indem sie Routineaufgaben übernimmt und Manuskripte vorsortiert. Kurzum: Verlage sollten sich mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzen und sie in ihre Unternehmen integrieren, denn wer das tut, wird voraussichtlich in der Zukunft zu den Gewinnern gehören.

Vor dem Umstand, dass unsere Bücher künftig vielleicht nur noch von Androiden wie Kalliope 7.3 geschrieben werden und wir somit keine menschlichen Autoren mehr brauchen, muss aber sicherlich niemand Angst haben. Denn das ist sehr unwahrscheinlich.

Autorin: Nikola Kraa

Lektorat: Emilia Scheiba, Clara Rothe

Bildgestaltung: Nico Winkler

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