Transmediälität – Aus dem Leben eines Studenten

Ein flüchtiger Blick auf das Handy, um die Uhr zu checken. Es ist 2.24 Uhr, der Akku schwindet der Leere entgegen und mit den letzten drei Prozent wird noch einmal Sk8ter Boi von Avril Lavigne durch die Bluetooth Box gejagt. Es macht sich eine leichte innere Unruhe bemerkbar, welche gewiss in schiere Panik ausbrechen würde, wäre sie nicht tief unter zwei Flaschen Wein und einer halben Flasche Pfeffi begraben. Die Kommilitonen singen laut, es liegt Zigarettenrauch und Geselligkeit in der Luft und um 7.30 Uhr haben alle ein Date mit dem Prof. beim Seminar für Kosten- und Leistungsrechnung. Egal! Man hat sich ja endlich mal näher kennengelernt. Man hat so vielen spannenden Geschichten gelauscht und man hat so viele Geschichten über sich erzählt. Das machen wir ständig. Also ich meine das Geschichten erzählen. Wir erzählen uns Geschichten über die Dinge, die man erlebt hat und über die Dinge, die man erleben könnte. Das machen wir, um uns zu erinnern, um Wissen oder Werte zu vermitteln, um einander besser kennenzulernen oder einfach um die Langweile vom Hof zu jagen. 

Ich gebe zu, das war eine ziemlich lange Einleitung, um darauf hinzuleiten, dass ich mit Geschichten arbeite. Um genauer zu sein, untersuche ich transmediales Storytelling. Das ist eine Methode, um Geschichten über verschiedene Medien hinweg weiterzuerzählen. Natürlich spricht man da von großen Erzählwelten, welche euch Tage, um Wochen, um Monate und gar Jahre in ihren Bann ziehen könnten – und nicht um schmuddelige Schandtaten aus der Oberstufe. Vielleicht habt ihr schon einmal von Harry Potter, Tolkiens Legendarium (Der Herr der Ringe, Hobbit, etc.), Game of Thrones oder The Witcher gehört? Genau solche Erzählwelten sind das!  

Diese Geschichten sind so groß, komplex und haben so viele verschiedene Menschen erreicht, dass sie eine kulturelle Wahrnehmung und Bedeutung erreicht haben. Dabei transportieren diese Geschichten nicht nur Unterhaltung, sondern auch Werte und Wissen. Der Erfolg solcher Erzählwelten, kann man mitunter auf die aktuelle Medienlandschaft unserer Zeit zurückgeführt werden. Gute Geschichten gab es schon immer, aber heute kann man sie mithilfe von Filmen, Serien, Büchern, Comics, Computerspielen und vielen mehr erzählen. Doch das will gekonnt sein! Was ist eine gute Geschichte, wie kann man sie erweitern und verändern? Wie erschaffe ich eine solide Erzählwelt? Was benötigt man für die konzeptionelle und technische Umsetzung? Wie verknüpfe ich verschiedene Medien mittels einer Erzählwelt? Wie pflege ich meine Community? Wie beeinflussen sich Geschichten gegenseitig? Diesen und vielen weiteren Fragen gehe ich auf dem Grund.  

Tatsächlich bin ich durch Verlage der Zukunft mit dem Thema „Transmediales Erzählen“ erstmalig in Kontakt gekommen und nach einigen Verirrungen und auch recht spät konnte ich dann eine tiefe Leidenschaft dafür entwickeln. So war es mir möglich, mich zu motivieren, nach meiner Masterarbeit weiter zu forschen, eigene Fachliteratur zu verfassen und zu veröffentlichen. Des Weiteren konnte ich bereits auf Fachforen, in Hochschule und in Betrieben Vorträge und Learning Sessions abhalten. Das mach ich, weil ich begeistert bin: Begeistert von den Geschichten, die mich geprägt haben, begeistert von all den Möglichkeiten unserer Zeit, denen man bisher noch nicht auf die Schliche gekommen ist und ich bin begeistert von großartigen Inhalten, die einst noch unsere Kulturen prägen könnten.  

Ja, ja bei allem überschwänglichen Geschwafel birgt es bestimmt auch noch Entwicklungskraft, wirtschaftliche Beständigkeit und hier und da fett Kohle für Medienunternehmen. Aber das sind eher Argumente, um Stakeholder aus der Wirtschaft zu gewinnen. Doch mit diesen Selbstportrait (sind wir mal ehrlich: es ist eher ein Aufruf) will ich euch auf dieses Thema aufmerksam machen. Wir leben in einer spannenden Zeit.  

Die gesamte Medienbranche hat sich in kurzer Zeit so schnell und vielschichtig entwickelt, dass wir einen riesigen Pool an Möglichkeiten haben. Besonders hier in unserem verschlafenen Deutschland mit Paperback und Faxgerät. Dinge, wie Geschichten und Erzählungen, die eigentlich ein oller Hut sind, weil die schon vor langer Zeit umfassend erforscht wurden, gewinnen in der heutigen Zeit neue Geltung und Möglichkeiten. Also haltet Geist und Augen offen und traut euch die wildesten Ambitionen und Begeisterungen zuzulassen.  

Ein letzter Absatz noch zu meiner Motivation warum ich so vernarrt in Storytelling bin. Ich könnte ja auch für wissenschaftliche, technische oder administrative Inhalte brennen, oder? Mit der üppigen Einleitung über Geschichten habe ich es schon angedeutet. Das Erzählen von Geschichten ist ein wesentliches Fundament sozialer und kultureller Begebenheiten, wie zum Beispiel das Erinnern oder auch die Vermittlung von Wissen und Werten. Wir alle sind nicht nur Erzähler und Rezipient der Geschichten anderer, sondern auch mitunter deren Teil und besonders der Protagonist der eigenen. Die Geschichten von Heute werden das Morgen prägen und ich will beeinflussen, wie und wodurch diese erzählt werden.  

 

Ich konnte dich begeistern oder deine Begeisterung für Transmedia Storytelling noch weiter entfachen? Großartig! Dann schreib dem Team der VDZ um sich in Verbindung zu setzen. Ich bin nicht allein im Boot der Verrückten, wir haben einen Stammtisch und es gibt viel auszutauschen und voneinander zu lernen. 

 

Autor: Philipp-Jacob 

 

 

Bildquelle:

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