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Über die Zukunft der Buchbranche – Ein Interview mit Martin Schmitz-Kuhl

Interview

Nach seinem Studium der Politikwissenschaft, Recht und Neuere Geschichte in Darmstadt war Herr Schmitz-Kuhl als freier Journalist und Redakteur tätig. Er arbeitet zudem als Medienentwickler eines Online Fachmagazins und veröffentlicht zusammen mit seiner Frau Anke Kuhl Kinderbücher.

In seinem Buch „Books & Bookster. Die Zukunft des Buches und der Buchbranche“, welches 2015 im Bramann Verlag erschienen ist, hat Martin Schmitz- Kuhl einige Vertreter der Buchbranche zur Zukunft dieser interviewt.

 

Was finden Sie an der Buchbranche besonders? Und wann haben Sie angefangen, sich für die Buchbranche zu interessieren?

 

An der Buchbranche ist für mich zweierlei besonders: zum einen das Buch und zum anderen die Branche. Das Buch deshalb, weil es nicht so kurzlebig ist wie andere Medien. So habe ich heute noch die Bücher im Regal stehen, die ich während meiner Schulzeit gelesen habe. Das ist doch etwas Tolles! Und dass die Branche etwas Besonderes ist, kann jeder selbst feststellen, der einmal über die Buchmesse geht. Das ist schon ein ganz außergewöhnliches Publikum, nicht vergleichbar mit den Menschen, die man zum Beispiel auf der Hannover Messe, der Cebit oder der Medica antrifft. Mein Entschluss, mich in dieser Branche zu betätigen, fiel tatsächlich während eines Besuchs der Frankfurter Buchmesse.

 

Was haben Sie danach konkret gemacht?

 

Nicht zuletzt, um in Kontakt zu diesen Menschen zu kommen, haben wir das Online-Magazin „Bookster“ entwickelt (www.bookster-frankfurt.de). Dort haben wir mittlerweile fast 100 Buchmenschen porträtiert oder interviewt, vom Verleger über den Autor bis hin zum Übersetzer oder Buchgestalter. Darüber hinaus haben wir als Agentur natürlich auch versucht, Kunden zu akquirieren – im Moment arbeiten wir zum Beispiel für die Deutsche Nationalbibliothek und für die Stiftung Buchkunst.

 

Sie arbeiten an zahlreichen Projekten und schreiben nebenbei Kinderbücher. Das ist vielfältig. Lässt sich Ihre Tätigkeit überhaupt unter einer Berufsbeschreibung zusammenfassen?

 

Das ist in der Tat manchmal etwas schwierig und verschiebt sich auch immer einmal. Im Moment antworte ich auf die Frage meistens, dass ich Journalist bin. In unserer Agentur bin ich allerdings eher Kommunikationsberater und „Medienmacher“ mit dem Schwerpunkt Magazine und andere Printmedien wie Jahresberichte, Broschüren oder auch Buchvorschauen.

 

Wie verändern Ihrer Meinung nach Digitalisierung und Vernetzung die Magazine und die Magazinbranche bzw. die Bücher und Bücherbranche?

 

Das Schnelle wird zunehmend digital publiziert werden, und das Schöne und Gewichtige wird weiterhin gedruckt werden – mit ganz vielen Ausnahmen von dieser Regel. Die Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen sind natürlich erheblich, aber auch nicht so dramatisch, wie manch einer denkt. Im Vergleich zu dem, wie sich andere Branchen verändern werden (Stichworte: Künstliche Intelligenz, Robotik, Automatisierung), ist das alles halb so wild. Denn bei uns wird es auch in Zukunft immer um guten Content und dessen Aufbereitung, Vermarktung und Vertrieb gehen.

 

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen der Buchbranche?

 

Um das herauszubekommen, habe ich für mein Buch „Books & Bookster. Die Zukunft des Buches und der Buchbranche“ ein knappes Dutzend Experten befragt – vom Buchmessenchef Jürgen Boos über Nina Hugendubel bis hin zu Sascha Lobo. (Eine kleine Zusammenfassung gibt es hier: https://www.buchreport.de/2015/03/25/martin-schmitz-kuhl-zehn-gedanken-zur-zukunft-der-buchbranche/). Was mich etwas gewundert, aber auch gefreut hat: Anfang des Jahres ist mein Buch in einer spanischen Übersetzung in Argentinien auf den Markt gekommen. Das zeigt, dass die Veränderungen im deutschen Buchmarkt auch international wahrgenommen werden.

 

Wo sehen Sie in der Branche großes Verbesserungspotential?

 

Die Verlage müssen mehr an ihrem Profil arbeiten, als Marke draußen am Markt erkennbar sein und konsequent das machen, was Selfpublishern dann doch oft nicht ganz so leichtfällt: gute Texte in gute Bücher packen und gut vermarkten.

 

Glauben Sie, dass Selfpublisher eine Gefahr für die Verlage sind?

 

Nein, eher eine Chance. Denn durch sie müssen sich Verlage wieder mehr auf das besinnen, was eigentlich ihr Job ist. Wenn heute jeder Mist von jedem Autor selbst auf den Markt geschmissen werden kann, bedeutet das für die Verlage, dass sie eben keinen Mist mehr auf den Markt werfen dürfen. Mein Eindruck ist aber, dass da in den letzten Jahren auch schon einiges passiert ist. Heute wird in vielen Verlagen wieder mehr Wert auf ein gutes Lektorat, aber auch auf eine gute Buchgestaltung und -herstellung gelegt.

 

Sie sind Mitbegründer der Agentur Schwarzburg, die auf Corporate Publishing spezialisiert ist. Was unterscheidet Corporate Publishing von anderen Arten des Publizierens?

 

Auch beim Corporate Publishing hat die Frage, wie man am besten die jeweilige Zielgruppe erreichen kann, eine hohe Priorität. Und wenn wir für den Frankfurter Zoo ein Magazin machen, müssen wir natürlich ganz anders vorgehen als bei dem Magazin, das wir zum Beispiel gerade für eine große Klinikkette entwickeln. Darüber hinaus muss man aber beim Corporate Publishing auch immer bedenken, wie man die Interessen des Kunden berücksichtigt – denn der finanziert ein solches Medium nicht aus reiner Menschenfreude, sondern verbindet damit ja auch eigene Ziele.

 

Ist es schwierig, immer diese Kundenbedürfnisse zu befriedigen – obwohl der Journalist in Ihnen vielleicht ganz anders über bestimmte Dinge schreiben würde.

 

Diese Frage stellt sich erstaunlich selten, was vermutlich auch damit zu tun hat, für welche Kunden man arbeitet. Wenn wir für KraussMaffei ein Magazin machen würden, wäre dies vermutlich ein größeres Problem. Ich sehe beim Corporate Publishing zurzeit eher die Vorteile gegenüber vielen „freien Medien“: Im Gegensatz zu so manch einem Freiberufler, der nach Zeile abrechnen muss, haben wir oft noch das Budget, eine Geschichte ordentlich zu recherchieren.

 

Zu guter Letzt: Welchen persönlichen Hinweis würden Sie Absolventen bzw. uns Studenten mitgeben, um erfolgreich in die Medienbranche einzusteigen?

 

Auch wenn wir selbst räumlich nicht die Möglichkeiten haben, um Praktikanten beschäftigen zu können, würde ich auf jeden Fall den Tipp geben, viel und unterschiedliche praktische Erfahrung zu sammeln, bevor man ernsthaft „einsteigt“. Die Medienbranche ist inzwischen viel zu divers, um vorher wissen zu können, was es überhaupt gibt und was einem Spaß machen könnte.

 

 

Wir bedanken uns hiermit herzlich bei Herrn Schmitz- Kuhl für das interessante Interview und seiner Unterstützung bei Verlage der Zukunft.

 

Autor: Mai Phuong Vu

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