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Wie viel moderne Medien brauchen unsere Kinder?

Ein Interview mit Doreen Andriefski

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Für unser VdZu Interview befragten wir Doreen Andriefski (37 Jahre), die an der Fachoberschule für Sozialwesen an der Henriette-Goldschmidt-Schule BSZ 11 in Leipzig als Kunst- und Deutschlehrerin tätig ist. Wir sprachen über ihre Meinung bezüglich der Bedeutung und des Einsatzes neuer Medien im Unterricht (Teil 1) und wie sie als Mutter einer dreijährigen Tochter über den kindlichen Umgang mit den elektronischen Produkten denkt (Teil 2).

Der erste Teil des Interviews beschäftigt sich mit den Erfahrungen und der Meinung Frau Andriefskis als Pädagogin. In Teil zwei können Sie mehr über ihre Gedanken als Mutter erfahren.

 

Kommen bei Ihnen im Unterricht moderne Medien wie Beamer, Online-Übungen und Ähnliches zum Einsatz?

Ja, aber begrenzt, da unsere Schule erst wieder zurückgezogen ist und wir uns noch im Bau befinden. Stück für Stück werden aber Whiteboards installiert (momentan 2 Stück) und wir arbeiten auch mit Beamern. Allerdings sind nicht in allen Unterrichtsräumen Beamer vorhanden. Ich speziell habe durch das Projekt („Tablets an Schulen“), an dem ich teilnehme, einen eigenen Beamer. Im Grunde genommen arbeite ich im Unterricht, wenn man von neuen Medien spricht, hauptsächlich mit iPad und Macbook über den Beamer. Die Schüler selbst nutzen im Unterricht noch nichts dergleichen.

 

Wie handhaben Sie den Umgang mit Online-Übungen?

Wir haben ein Infokabinett, in dem die Schüler einen Laptop haben, mit dem sie ins Internet gehen können. Und wir sind auch dabei, dass die Schule W-LAN bekommt, sodass die Schüler im Unterricht mit ihren Smartphones und, eventuell ab dem nächsten Jahr, auch mit ihren iPads online recherchieren bzw. mit Apps arbeiten können.

 

Was ist das für ein Projekt, an dem Sie mitarbeiten?

In Sachsen gibt es jetzt das Pilotprojekt „Tablets an Schulen“, an dem 20 Lehrer teilnehmen dürfen. Wir erhalten dabei ein halbes Jahr lang von Experten aus ganz Deutschland Aus- und Fortbildungen, wie man den Unterricht methodisch und didaktisch, egal mit welchen mobilen Endgeräten, besser aufbereiten kann. Genau bedeutet das, dass wir alle vier Wochen an einem Ganztagsseminar in Chemnitz teilnehmen und in verschiedenen Blöcken unterrichtet werden. Zum Beispiel, was es für Apps gibt und wie diese, egal für welches Fach, als Unterrichtsbaustein praktisch eingesetzt werden können.

Es geht aber nicht darum, den Zettel und den Stift komplett auszuklammern. Die Schüler sollen trotzdem noch selbst schreiben bzw. mitschrieben und damit unterschiedliche Kompetenzen schulen.

Weiterhin besprechen wir auch das Datenschutzrecht als sehr heikles Thema, denn Leipzig ist die einzige Stadt in Sachsen, die einen Vertrag mit der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) für Schulen hat. Dadurch können Lehrer ohne Probleme vollständige Musiksequenzen abspielen, ohne auf die üblichen drei Minuten eingeschränkt sein zu müssen.

Aber es geht auch nicht darum alle Schulen mit ein und demselben mobilen Endgerät auszustatten, sondern das zu nutzen, was der Schüler bereits mitbringt, wie beispielsweise das Smartphone. Man orientiert sich letztlich an den Universitäten in ganz Deutschland.

 

Inwieweit wird in der Erzieherausbildung auf die Entwicklung der Medien eingegangen? Sind Sie der Meinung, dass Erzieher noch genauer auf moderne Medien geschult werden sollten?

Ganz so konkret gibt es das noch nicht. Aber auch an allgemeinbildenden Schulen soll es zukünftig ein Unterrichtsfach „Medienerziehung/Medienpädagogik“ geben, da man merkt, dass es nicht nur darum geht, in sozialen Netzwerken aktiv zu sein und Spiele zu spielen. Die mobilen Endgeräte bieten ja weitaus mehr Möglichkeiten. Deshalb ist es wichtig die Schüler dahin gehend zu schulen und in der Medienerziehung aufzuklären, wie man mit bestimmten Seiten umgehen muss.

Darüber hinaus werden unsere Erzieher in der Ausbildung im Lernfeld 5 unterrichtet, wie man medienerziehungstechnisch auf Kinder und Jugendliche eingehen kann. Und auch alles, was den Kreativbereich betrifft, wie Hörspiele mit Programmen selbst entwerfen, Comics und Fotodokumentationen erstellen, haben sie in ihrer Ausbildung. Leider aber nicht in dem Maße, wie wir uns das wünschen.

 

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung? Werden moderne Medien weiter gestärkt in den Unterricht Einzug halten oder denken Sie, dass der Trend zurück zu den Printmedien geht?

Ich glaube schon, dass das Buch und das Arbeitsheft trotzdem noch eine Rolle spielen. Aber dadurch, dass bestimmte Verlage wie Cornelsen auch schon digitale Bücher auf den Markt bringen, ist es eine Erleichterung für die Schüler, nicht mehr 20 Kilo Bücher mit sich herumzutragen, sondern alles auf dem Tablet zu haben. Aber Arbeitshefte zum Ausfüllen mit Stift sind trotzdem beizubehalten. Der Vorteil ist ja, dass die modernen digitalen Medien eigentlich nur ergänzen sollen. Ich glaube auch, trotz des Vormarschs der E-Books hat man noch gerne das Medium Buch in der Hand und blättert darin. Genauso wie man auch noch Musik und Nachrichten aus dem Radio hört und nicht nur über das Internet. Ich glaube nicht, dass die Printmedien komplett wegfallen, sondern eben durch die neuen Medien ergänzt werden.

In vielen Bereichen geht es auch nicht anders, als die modernen Medien ein Stück weit an die Seite zu stellen. Gerade im kreativen Bereich, wie in der Musik. Es gibt zwar Apps mit einem Klavier und auch mit einer Tastatur, aber es klingt nicht so, als wenn man am richtigen Flügel sitzt und selbst den Rhythmus und die Geschwindigkeit bestimmen kann. Oder auch in der Kunst. Ich kann zwar viel über die Medien erfahren und mich über die Apps ausprobieren, aber deshalb sollte ich trotzdem selbst auch mal den Pinsel in die Farbe getunkt haben. Innerhalb der Erzieherausbildung wird auch immer noch starken Wert darauf gelegt, dass Kinder mit allen Sinnen alles erfahren.

 

Der zweite Teil des Interviews erscheint am Donnerstag, den 18. Dezember.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

 

Autor: Sophie Kliemann

 

 

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