Bitte ohne Werbung

Die Forderungen für einen nachhaltigeren Umgang mit digitalen Medien stehen in einem Konflikt mit den aktuellen Geschäftsmodellen der Presseverlage. Diese beziehen, wie allgemein bekannt, betriebsrelevante Einnahmen durch Werbeanzeigen.  

  

Doch was hat digitale Werbung mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun? 

Viel. Laut dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit verfügen mehr als ein Dreiviertel aller Menschen in Deutschland über ein Smartphone. Ungefähr 760 Millionen Geräte sind in diesem Jahr mit dem Internet verbunden. Der Stromverbrauch pro Einzelgerät ist zwar gesunken, da die Akkus leistungsfähiger sind und laut Werbung „stromsparend“ produziert werden. Der Verkehr, die Auswertung und die Speicherung der Datenmengen ist enorm gestiegen und wird von stromintensiven Rechenzentren verwaltet. Nicht nur Unternehmen speichern ihre Daten in großen Mengen, sondern auch viele private NutzerInnen sichern vermehrt ihre Daten wie z. B. Bilder, Musik und Textdokumente in einer Cloud, unterm Strich in einem Rechenzentrum.  

  

Zusammengefasst, benötigt jeder Klick im Internet Strom. Wie viel tatsächlich verbraucht wird, ist schwer zu errechnen und eine Dunkelziffer. Fakt ist, es ist ein zu hoher Verbrauch und die Gewinnung von nachhaltigem Strom ist noch zu gering, um Umweltschäden zu kompensieren. Je mehr Daten transportiert werden und je genauer eine Werbung über vorherige, automatische Datenanalysen einem Internetnutzer angepasst wird, desto höher ist der Stromverbrauch und die „Datenblase“ wächst weiter. 

  

Prof. Dr. Michael von Hauff von der technischen Universität Kaiserslautern verfasste ein ernüchterndes Fazit in seiner Veröffentlichung „Nachhaltige Digitalisierung – eine noch zu bewältigende Zukunftsaufgabe”. Er beschreibt die aktuellen Digitalisierungsprozesse als einen Brandbeschleuniger: „Die vielfältigen Techniken der Digitalisierung zielen bisher weitgehend auf eine Erhöhung wirtschaftlichen Wachstums auf den bestehenden Märkten unter Berücksichtigung des internationalen Wettbewerbs ab. In diesem Kontext dominieren die finanziellen Gewinne von Unternehmen“  = Geld entscheidet über die Welt. 

  

Es geht auch ohne Werbung! 

Immer häufiger verlangen die Verlage auf ihren Internetplattformen die Ausschaltung von Werbungsblockern. Die digitalen Werbungen heute sind die Anzeigen von damals. 

Die alternative Zeitung taz finanziert sich hauptsächlich durch freiwillige UnterstützerInnen und AbonnentInnen. Über ein Abonnement wird die taz-App kostenpflichtig für Smartphones zur Verfügung gestellt, jedoch bleiben die Artikel auf der Internetseite weiterhin kostenfrei einsehbar. 

Dieses Geschäftsmodell unterscheidet sich grundlegend mit dem Gedanken, Nachrichten und Informationen ohne zwingende Gegenleistungen, wie die Zustimmung der Cookies und damit verbundene individualisierte Werbung, für alle zugänglich zu machen. – Ein sozialer, und gleichzeitig fortschrittlicher Gedanke im Umgang mit der Digitalisierung und dem Klimawandel. 

Als private Nachhaltigkeitsmaßnahme wird für Internet-NutzerInnen die Verwendung einer Software mit Werbeblockungsfunktion, wie z. B. Adblock oder Disconnect empfohlen. Diese können unter anderem auf der Internetseite „Chip“ kostenfrei und virengeprüft heruntergeladen werden.  

Ebenso wichtig, wie die Datenblase zu begrenzen, ist es den Bezug der Ressourcen für digitale Geräte zu hinterfragen. Daher ist es gut zu wissen, dass z. B.  für elektronische Geräte mit einer Batterie/Akku der Rohstoff Kobalt verwendet wird.  Dieser wird unter teils menschenunwürdigen und ohne die notwendigen Sicherheitsvorschriften u. a. im Kongo abgebaut. Die Frage, ob es als Kinderarbeit deklariert wird, wenn die Kinder ihre Eltern in die Mienen begleiten und „kleinere“ Arbeiten verrichten, wird im verlinkten Artikel des Spiegels ergründet. 

Erschreckend ist, dass nur ca. 2 Prozent der Materialien bei der Produktion eines Computers tatsächlich verbaut werden. Der Rest wird entsorgt.  

PS: Mine bleibt Mine. Ob Kobalt für die Herstellung einer Batterie oder Kupfer für die Auslegung von Breitbandnetzen (geplant nach der Umwelt Agenda 2030 der Deutschen Regierung) ist unerheblich. Für die Menschen vor Ort bleibt es ein tödliches Arbeitsverhältnis.  

  

Auf Wiederlesen und bis übernächste Woche!

 

Autorin: Lea Reich 

 

 

Textuellen:  

positionspapier_Digitaliserung-und-Nachhaltigkeit-data.pdf 

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kobalt-aus-dem-kongo-hier-sterben-menschen-fuer-unsere-e-autos-a-1291533.html 

https://www.bmu.de/jugend-planet-a/wissen/details/handys-internet-und-die-umwelt/ 

https://www.researchgate.net/publication/343282752_Nachhaltige_Digitalisierung-eine_noch_zu_bewaltigende_Zukunftsaufgabe 

https://www.wwf.de/fileadmin/user_upload/Studie_Suehlmann Faul_Rammler_180406_final_pdf_pr Studie_Suehlmann-Faul_Rammler_180406_final_pdf_protected.pdf – S. 26

Bildquelle: 

https://pixabay.com/de/illustrations/tablette-bildschirm-monitor-telefon-313002/ 

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